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Mainz (ots) - Auch nach den am Montag angekündigten Reformvorhaben der
Bundesregierung bleibt die Zustimmung zu Union und SPD schwach. Erstmals liegt
die AfD in der Politbarometer-Projektion nun vor der CDU/CSU: Wenn am nächsten
Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, käme die CDU/CSU auf 25 Prozent (minus 1)
und die AfD auf 26 Prozent (unverändert). Die SPD würde nur noch 12 Prozent
(minus 1) erreichen und auf ihren Tiefstwert fallen. Die Grünen könnten mit 14
Prozent (minus 1) rechnen und die Linke würde zulegen auf 11 Prozent (plus 1).
Die FDP, die in den letzten Monaten mangels ausreichender Nennungen nicht
einzeln ausgewiesen wurde, käme auf 3 Prozent und die anderen Parteien zusammen
auf 9 Prozent, darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erzielen
würde. Mit diesem Ergebnis hätte Schwarz-Rot keine parlamentarische Mehrheit.
Zufriedenheit mit Bundesregierung und Bundeskanzler auf Rekordtief
Nach 34 Prozent Ende März zeigen sich jetzt nur noch 27 Prozent der Befragten
insgesamt zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung, 63 Prozent (März: 61
Prozent) stellen ihr ein schlechtes Zeugnis aus (Rest zu 100 Prozent hier und im
Folgenden jeweils "weiß nicht"). Die Zusammenarbeit innerhalb der Koalition hat
sich aus Sicht der Befragten ebenfalls verschlechtert. Die Einschätzung fällt
damit auch deutlich hinter die Erwartung kurz vor der Regierungsbildung zurück:
Ging Anfang Mai 2025 rund die Hälfte (51 Prozent) davon aus, dass Union und SPD
gut zusammenarbeiten werden (schlecht: 45 Prozent), sah das nach der Sommerpause
im August 2025 nur noch knapp ein Drittel so (32 Prozent; schlecht: 61 Prozent).
Aktuell bezeichnen lediglich noch 18 Prozent die Kooperation innerhalb der
Koalition als gut, 73 Prozent und Mehrheiten in allen Parteianhängergruppen
nehmen sie dagegen als schlecht wahr.
Auch die Unzufriedenheit mit der Arbeit des Kanzlers hat weiter zugenommen: 65
Prozent (März: 57 Prozent) bescheinigen ihm schlechte und lediglich 30 Prozent
(März: 38 Prozent) gute Arbeit, darunter mehrheitlich nur die Anhängerschaft der
CDU/CSU. Ebenfalls viel Kritik gibt es an Finanzminister Lars Klingbeil, dessen
Leistung 29 Prozent als gut und 58 Prozent als schlecht beurteilen sowie an
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die nur für 19 Prozent einen guten Job
macht (schlecht: 64 Prozent).
Top Ten: Merz mit deutlichen Einbu ß en
Bei der Beurteilung von Politikerinnen und Politikern nach Sympathie und
Leistung ("Was halten Sie von?") liegt Verteidigungsminister Boris Pistorius
weiter auf dem ersten Rang. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem
Durchschnittswert von 1,7 (hier und im Folgenden Vergleichswert von Ende März:
2,0) bewertet. Mit großem Abstand folgen Neuzugang Cem Özdemir mit 0,9 und
Johann Wadephul mit 0,3 (0,5). Danach beginnt der Negativbereich: Lars Klingbeil
kommt auf minus 0,4 (minus 0,3), Bärbel Bas auf minus 0,6 (minus 0,4), Heidi
Reichinnek auf minus 0,8 (minus 0,7) und Markus Söder auf minus 0,9 (minus 0,8).
Friedrich Merz rutscht von Platz fünf auf Platz acht mit seiner bisher
schlechtesten Bewertung von minus 1,1 (minus 0,5). Danach folgt Katherina Reiche
mit minus 1,6 (minus 1,2). Schlusslicht bleibt Alice Weidel mit minus 2,4 (minus
2,3).
Große Zweifel an Weitergabe des Tankrabatts durch Mineralölkonzerne
Bei der von der Regierung angekündigten Senkung der Energiesteuer auf Diesel und
Benzin um 17 Cent pro Liter für zwei Monate gehen die Meinungen der Befragten
auseinander: 47 Prozent finden diese Maßnahme gut, 48 Prozent finden sie nicht
gut. Dies vor dem Hintergrund, dass es sehr große Zweifel an der Wirksamkeit
gibt. So glauben 91 Prozent nicht, dass die Mineralölkonzerne diese Entlastung
vollständig an die Verbraucher weitergeben werden, nur 7 Prozent rechnen damit.
Für die Möglichkeit einer steuer- und abgabenfreien Prämie von bis zu 1.000 Euro
in diesem Jahr, die Arbeitgeber ihren Beschäftigten zahlen können, gibt es
mehrheitlich Zustimmung (53 Prozent), 43 Prozent lehnen das ab. Wie schon im
März ist aber auch jetzt ein Großteil der Befragten (81 Prozent) der Meinung,
dass die Regierung zu wenig gegen die steigenden Energiepreise tut, 11 Prozent
halten die Maßnahmen der Regierung für gerade richtig und für 3 Prozent ist das
zu viel.
Mehrheit: Energiewende geht zu langsam
Mit 57 Prozent finden die meisten Befragten, dass die Energiewende in
Deutschland zu langsam vorankommt, besonders groß ist diese Kritik bei den
Jüngeren (unter 35 Jahre: 67 Prozent). Für insgesamt 15 Prozent geht die
Energiewende zu schnell und 21 Prozent halten das Tempo für gerade richtig.
Iran-Krieg: Kein Ende in den nächsten Wochen
Eine deutliche Mehrheit von 87 Prozent erwartet nicht, dass der Krieg, den die
USA und Israel gegen Iran führen, in den nächsten Wochen enden wird (wird enden:
9 Prozent). Eine militärische Beteiligung Deutschlands an diesem Krieg, wie von
US-Präsident Trump gefordert, lehnen die Befragten mit 93 Prozent fast
geschlossen ab (dafür: 5 Prozent).
Nach der Wahl in Ungarn: EU ist ohne Orbán besser aufgestellt
In Ungarn wird es eine neue Regierung geben, die Partei des langjährigen
ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán hat die Parlamentswahl verloren.
Rund drei Viertel (74 Prozent) versprechen sich jetzt eine bessere
Zusammenarbeit innerhalb der EU (schlechter: 3 Prozent, unverändert: 16 Prozent)
und 60 Prozent erwarten, dass die Position der EU auf internationaler Ebene ohne
Orbán eine stärkere sein wird (schwächer: 4 Prozent, unverändert: 27 Prozent).
Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer
Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 14.
bis 16. April 2026 bei 1.355 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch
und online erhoben. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern
berücksichtigt. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte
Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von
40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent
rund +/-zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU 25 Prozent,
AfD 21 Prozent, SPD 12 Prozent, Grüne 21 Prozent, Linke 11 Prozent, FDP 3
Prozent. Das nächste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, den 8. Mai 2026.
Informationen zur Methodik der Umfrage sowie zu den genauen Frageformulierungen
finden Sie unter www.forschungsgruppe.de/Umfragen/Politbarometer/.
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