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Frankfurt/Main (ots) - Wie treffen Teams verlässliche Entscheidungen, wenn
Zeitdruck, Unsicherheit und Komplexität zusammentreffen? Der 20. PM-Tag
Frankfurt/Main zeigte, warum der Blick in die Luftfahrt neue Antworten liefert -
und welche Prinzipien Projekte tatsächlich stabiler machen.
Wenn ein Flugzeug abstürzt, obwohl technisch alles einwandfrei funktioniert,
liegt die Ursache häufig nicht in der Maschine, sondern im Zusammenspiel der
Menschen im Cockpit. Informationen werden übersehen, Hinweise nicht gehört,
Entscheidungen zu spät getroffen. Genau dieses Muster zeigt sich auch in
Projekten: Risiken entstehen selten durch fehlendes Wissen, sondern durch den
Umgang damit. Beim 20. PM-Tag Frankfurt/Main wurde deutlich, dass diese
"unsichtbaren" Faktoren - Kommunikation, Wahrnehmung und Entscheidungsverhalten
- in vielen Fällen über Erfolg oder Scheitern entscheiden.
Die Tagung fand am 14. April 2026 auf dem Campus der Deutschen Flugsicherung
(DFS) in Langen statt und widmete sich unter dem Titel "Fokus Führung - Impulse
aus der Luftfahrt" der Frage, wie Projekte unter Unsicherheit verlässlich
gesteuert werden können. Im Zentrum standen dabei nicht klassische Methoden,
sondern konkrete Führungsprinzipien und Routinen aus sicherheitskritischen
Systemen. Die Veranstaltung bildete zugleich den Auftakt zur GPM Sommertour. Mit
diesem Format bringt die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V.
ihre Themen gezielt in die Regionen, fördert den Dialog mit Mitgliedern und
Praxispartnern und macht sichtbar, wie Projektmanagement in unterschiedlichen
Kontexten gelebt wird. Persönliche Begegnungen und der Austausch vor Ort stehen
dabei bewusst im Mittelpunkt.
In seinem Grußwort betonte GPM Präsident Prof. Dr. Peter Thuy die wachsende
Bedeutung von Projektmanagement als zentrale Disziplin moderner Organisationen.
Strategien und Beschlüsse allein reichten nicht aus - entscheidend sei die
Fähigkeit, Vorhaben wirksam in die Umsetzung zu bringen. Projekte bewegten sich
dabei regelmäßig in einem Spannungsfeld aus hohen Erwartungen, begrenzten
Ressourcen und fehlender direkter Weisungsbefugnis. Gerade deshalb komme der
Führung eine Schlüsselrolle zu. Kompetenzen wie Kommunikation, Vertrauen,
Konfliktfähigkeit und Zusammenarbeit seien keine ergänzenden Fähigkeiten,
sondern grundlegende Voraussetzungen für erfolgreiche Projekte.
Den fachlichen Einstieg lieferte Thorsten Nottebaum, Geschäftsführer der
PROJEKTERFOLG GmbH und Experte für innovatives Projektmanagement. Er zeigte,
dass die Arbeit im Cockpit in vielerlei Hinsicht mit der Arbeit in Projekten
vergleichbar ist: Entscheidungen müssen unter Zeitdruck getroffen werden,
Informationen klar und präzise kommuniziert werden, und Teams müssen auch in
kritischen Situationen handlungsfähig bleiben. Die Luftfahrt habe in den
vergangenen Jahrzehnten genau in diesen Bereichen erhebliche Fortschritte
erzielt und ihre Sicherheitsstandards deutlich verbessert. Daraus lasse sich
ableiten, dass nicht allein Technik oder Prozesse entscheidend sind, sondern vor
allem die Fähigkeit, menschliche Faktoren systematisch zu berücksichtigen.
Tim-Felix Anderten, ehemaliger Fluglotse im Tower Frankfurt und heute Leiter des
Human-Factors-Trainings an der DFS-Akademie, vertiefte diese Perspektive mit dem
Konzept des "Drift into Failure". Er machte deutlich, dass Probleme in komplexen
Systemen selten plötzlich auftreten, sondern sich schleichend entwickeln. Kleine
Abweichungen von Regeln oder Standards werden im Alltag häufig akzeptiert, weil
sie kurzfristig Vorteile bringen oder als unkritisch erscheinen. Mit der Zeit
etablieren sich diese Abweichungen jedoch als neue Normalität. Gerade diese
schrittweise Verschiebung sei gefährlich, weil sie Risiken unsichtbar mache und
Organisationen in eine trügerische Sicherheit führe.
Einen weiteren Schwerpunkt setzte Andreas Lücker, Verkehrspilot und Ausbilder
mit langjähriger Erfahrung im Cockpit. Anhand konkreter Beispiele aus der
Luftfahrt zeigte er, wie strukturierte Entscheidungsmodelle helfen, auch unter
Zeitdruck belastbare Entscheidungen zu treffen. Entscheidend sei zunächst eine
klare Trennung von Fakten und Annahmen, da gerade unter Stress die Tendenz
bestehe, ungesicherte Einschätzungen als gegeben zu betrachten. Darauf aufbauend
müssten Optionen systematisch entwickelt und bewertet werden. Ein weiterer
zentraler Punkt sei das Timing: Entscheidungen sollten nicht hinausgezögert,
sondern bewusst und rechtzeitig getroffen werden.
Im zweiten Beitrag von Thorsten Nottebaum, der seine eigenen Erfahrungen als
Pilot einbrachte, stand die Fehlerkultur im Mittelpunkt. Er plädierte für einen
grundlegenden Perspektivwechsel im Umgang mit Fehlern. Diese sollten nicht
primär einzelnen Personen zugeschrieben werden, sondern als Ergebnis komplexer
Systeme verstanden werden. Selbst erfahrene Fachkräfte seien nicht vor Fehlern
gefeit - insbesondere unter Bedingungen wie Zeitdruck, hoher Komplexität oder
Ermüdung. Konzepte wie die "Just Culture" aus der Luftfahrt zeigten, wie
Organisationen einen offenen Umgang mit Fehlern etablieren können, ohne
Verantwortung auszublenden.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass erfolgreiche Projekte weniger von
perfekten Planungen als von einem bewussten Umgang mit Unsicherheit abhängen.
Frühzeitige Wahrnehmung von Risiken, klare Entscheidungsstrukturen, eine offene
Kommunikation im Team und eine funktionierende Fehlerkultur bilden die Grundlage
für stabile Projektergebnisse. Die Luftfahrt liefert dafür nicht nur
anschauliche Beispiele, sondern auch erprobte Prinzipien. Der 20. PM-Tag
Frankfurt/Main zeigte, wie sich diese Ansätze auf das Projektmanagement
übertragen lassen - und welche konkreten Impulse sich daraus für die Praxis
ergeben.
Weitere Informationen zur GPM Regionalgruppe Frankfurt/Rhein-Main:
https://www.gpm-ipma.de/pmtag-luftfahrt
Vertiefende Informationen rund um Projektmanagement im GPM Blog:
https://www.gpm-blog.de
Mehr über die GPM: https://www.gpm-ipma.de
Pressekontakt:
Sebastian Wieschowski
GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.
E-Mail: mailto:s.wieschowski@gpm-ipma.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/118675/6257224
OTS: GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.
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