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Berlin (ots) - Am morgigen Tag des Deutschen Bieres würdigt der Deutsche
Brauer-Bund (DBB) die weltweit einzigartige Brautradition in Deutschland. Seit
510 Jahren steht das 1516 erlassene Reinheitsgebot für Qualität, Vielfalt und
Handwerkskunst - Werte, die auch heute noch das Fundament der Braukultur in
Deutschland bilden. In Deutschland hat sich daraus über Jahrhunderte eine
weltweit beachtete Braukunst entwickelt: Aus nur vier natürlichen Zutaten
entsteht in rund 1.400 deutschen Brauereien Tag für Tag eine weltweit
einzigartige Vielfalt von mehr als 7.500 Biermarken, darunter immer mehr
alkoholfreie Biere. Bereits 2020 war das "Handwerkliche Brauen" von der
Deutschen UNESCO-Kommission in die Liste des Immateriellen Kulturerbes
(https://www.unesco.de/staette/handwerkliches-bierbrauen/) aufgenommen worden.
Pils bleibt an der Spitze, Hellbier und Alkoholfrei wachsen stark
Wie in vielen Ländern Europas ist auch in Deutschland der Absatz von
alkoholhaltigem Bier rückläufig, er sank 2025 um 5,8 Prozent auf rund 6,4
Milliarden Liter. Ursachen sind unter anderem die demografische Entwicklung und
die insgesamt spürbare Konsumzurückhaltung. Demgegenüber entwickelt sich
alkoholfreies Bier dynamisch und erfolgreich: 2025 wurden rund 750 Millionen
Liter alkoholfreies Bier hergestellt, ein Zuwachs von 7,6 Prozent gegenüber dem
Vorjahr. Die Produktion hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als
verdoppelt. "Alkoholfreie Biere sind längst kein Nischenprodukt mehr, sondern
ein zentraler Wachstumstreiber unserer Branche", sagt Christian Weber, Präsident
des Deutschen Brauer-Bundes und des europäischen Dachverbandes The Brewers of
Europe. "Alkoholfreies steht für Innovationskraft, Qualität, bewussten Konsum -
und trifft damit den Nerv der Zeit. Auch mit Erfrischungsgetränken sind immer
mehr Brauereien erfolgreich."
Inzwischen erreichen alkoholfreie Biere und alkoholfreie Biermischgetränke laut
DBB einen Anteil von rund 11 Prozent am gesamten Bierkonsum. Deutschland ist
damit europaweit führend beim Brauen alkoholfreier Biere. In der
Beliebtheitsskala der Deutschen hat sich das Alkoholfreie bereits auf Platz 3
vorgearbeitet - unangefochtener Marktführer bleibt Pils mit knapp 50%
Marktanteil. Auf Platz 2 landet die ebenfalls seit Jahren wachsende Kategorie
der Hellbiere (ca. 12%).
Zahl der Brauereien ist rückläufig
Mit 1.415 Brauereien ist Deutschland weiterhin eines der Länder mit der größten
Biervielfalt weltweit. Die einzigartige Struktur aus Gasthausbrauereien,
regional verwurzelten Familienbetrieben, mittelständischen Unternehmen und
international tätigen Brauereigruppen prägt die deutsche Bierkultur und sichert
Arbeitsplätze sowie Wertschöpfung in der Region.
Jedoch steht die Branche unter Druck: War die Zahl der Brauereien über viele
Jahre bis 2019 auf bis zu 1.552 Betriebe gestiegen, mussten seither 137 Betriebe
aufgeben, darunter auch zahlreiche jahrhundertealte Privatbrauereien. Dennoch
ist laut DBB die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Brauwirtschaft mit
27.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (2025) im Vergleich zu den vergangenen
acht Jahren nahezu unverändert geblieben.
Herausforderndes wirtschaftliches Umfeld - Appell an die Politik
Trotz hoher Innovationskraft und wachsender Produktvielfalt steht die
Braubranche vor erheblichen Herausforderungen. "Steigende Kosten für Energie,
Rohstoffe und Logistik sowie der intensive Wettbewerb im Handel belasten die
Brauereien massiv", sagt DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Gleichzeitig
wirke sich die schwache Konsumstimmung dämpfend auf die Nachfrage aus und
belaste Handel und Gastronomie ebenso wie die Brauereien. "2026 wird für uns ein
sehr hartes Jahr werden, eine Entspannung ist nicht in Sicht", so der Ausblick
des Dachverbandes.
Der DBB bekräftigt seine Forderung an die Bundesregierung, Reformen umzusetzen,
die das Wachstum ankurbeln und Investitionssicherheit geben. "Für die
Brauwirtschaft ist eine verlässliche, planbare und wettbewerbsfähige
Energiepolitik von zentraler Bedeutung", betont Eichele. Brauereien seien
energieintensive Betriebe, stark schwankende Preise, unklare Förderbedingungen
und langfristig fehlende Planungssicherheit erschwerten Investitionen erheblich.
Weder bei Gas, noch bei Strom gebe es bislang die Entlastung, auf die viele
Betriebe dringend warten. "Wir brauchen eine nachhaltige Entlastung der
Betriebe, schnellere Verfahren und weniger Bürokratie", so Eichele. "Was wir
sicher nicht brauchen, sind Diskussionen über neue Steuern und höhere Abgaben."
Hintergrund zum Reinheitsgebot
Das Reinheitsgebot für Bier
(https://brauer-bund.de/reinheitsgebot/fragen-und-antworten/) war am 23. April
1516 im bayerischen Ingolstadt von den Herzögen Wilhelm IV. und Ludwig X. im
Rahmen einer Landesordnung erlassen worden. Galt das Reinheitsgebot zunächst nur
für das Herzogtum Bayern, wurde es nach der Verkündung am 23. April 1516 von
mehr und mehr Ländern übernommen und ist seit 1906 geltendes Recht in ganz
Deutschland. Das Reinheitsgebot schreibt vor, dass zur Bierherstellung nur
Wasser, Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden dürfen. Es steht für die
Bewahrung einer althergebrachten Handwerkstechnik und gilt zugleich als älteste,
heute noch gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt.
Pressekontakt:
Nina Göllinger
Pressesprecherin
Die deutschen Brauer
Tel.: 030/209167-16
E-Mail: mailto:goellinger@brauer-bund.de
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OTS: Deutscher Brauer-Bund e.V.
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