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Essen / Trier (ots) - Premiere im Verteilnetz: Westnetz testet neue
Speicher-Steuerung für stabile Netzfrequenz
- Praxistest gelungen: Westnetz erprobt in Föhren bei Trier einen
Großbatteriespeicher zur aktiven Netzstabilisierung.
- Relevant für die Energiewende: Speicher und Erneuerbare können so künftig mehr
Systemverantwortung übernehmen.
Westnetz hat in Föhren bei Trier erfolgreich getestet, wie ein
Großbatteriespeicher gesteuert werden kann, um Engpässe im Netz zu entlasten. Im
Forschungs- und Pilotprojekt SUREVIVE wird erprobt, wie der Speicher das
Stromsystem selbst aktiv stabilisieren und so helfen kann, Frequenz und Spannung
auch bei Schwankungen konstant zu halten.
"Der erste Test ist erfolgreich verlaufen. Wir konnten zeigen, dass die Anlage
im Mittelspannungsnetz auch im sogenannten netzbildenden Modus so reagiert, wie
wir es berechnet und erwartet hatten", sagte Ingo Liere-Netheler, Projektleiter
bei Westnetz im Bereich Digitalisierung, Innovation und Technologie. "Damit
haben wir im Reallabor demonstriert, wie Anlagen im Verteilnetz zur Stabilität
des Stromsystems beitragen und perspektivisch Aufgaben übernehmen können, die
heute noch vor allem konventionelle Kraftwerke erfüllen."
Die besondere Bedeutung des Projekts liegt in der netzbildenden neuen Rolle des
Speichers und seiner Steuerungstechnik. Batteriespeicher können schon heute
netzdienlich eingesetzt werden: Sie nehmen Strom auf, wenn lokal viel Energie
vorhanden ist, und geben ihn später wieder ab. Das hilft, Engpässe im Netz zu
entlasten und den Ausbaubedarf der Energienetze zu verringern. Im Projekt
SUREVIVE geht es jedoch um mehr. Hier wird getestet, wie ein Speicher nicht nur
das Netz entlastet, sondern das Stromsystem selbst stabil hält. Für ein sicheres
Stromsystem reicht es nicht, dass Strom transportiert werden kann - es muss auch
jederzeit stabil bleiben. Bisher übernehmen große konventionelle Kraftwerke
einen Teil dieser Aufgabe automatisch, indem sie kurzfristige Schwankungen im
Stromsystem ausgleichen und so die Netzfrequenz stabil halten. Mit dem
Fortschreiten der Energiewende müssen neue technische Lösungen im Verteilnetz
diese Aufgabe zunehmend übernehmen.
"Wir sollten unsere Netze so weiterentwickeln, dass auch neue Anlagen aktiv zur
Stabilität beitragen können", ergänzte Jana Messmer, stellvertretende
Projektleiterin im Innovationsmanagement von Westnetz. "Im Projekt SUREVIVE
sammeln wir die nötige Praxiserfahrung, die für den künftigen breiteren Einsatz
dieser Technologie relevant ist."
Im Projekt SUREVIVE erprobt Westnetz eine neue Steuerungstechnik mit sogenannten
netzbildenden Umrichtern. Sie sorgen nicht nur für die Einspeisung von Strom aus
Batteriespeichern sowie Wind- und Solaranlagen, sondern helfen auch, Frequenz
und Spannung stabil zu halten. Neu ist damit nicht der Batteriespeicher an sich,
sondern seine zusätzliche Rolle im Stromsystem: Er soll nicht nur Energie
speichern und wieder abgeben, sondern das Netz aktiv stabilisieren. Nach
Simulations- und Laboruntersuchungen folgten nun die ersten Feldtests.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Anlage auch bei anspruchsvollen
Systemereignissen wie erwartet reagierte. Besonders relevant ist dabei, dass die
Anlage tatsächlich eine Systemdienstleistung erbringen konnte, deren Wirkung der
bekannten Wirkung der Momentanreserve aus konventionellen Kraftwerken entsprach
und einen stabilen Verbundbetrieb sicherstellte, also das sichere Zusammenspiel
des Stromnetzes mit anderen verbundenen Netzen.
Seit Oktober 2025 ist in Föhren ein Batteriespeicher mit einer Kapazität von 55
Megawattstunden am Netz. Das entspricht rechnerisch in etwa dem
durchschnittlichen Tagesstromverbrauch von rund 5.500 Zwei-Personen-Haushalten.
Solarfelder des in Föhren ansässigen Projektpartners Schoenergie befüllen den
Speicher, der in der Umspannanlage der Westnetz ins Netz eingebunden ist. Die
Umrichtertechnik liefert SMA Solar Technology, wissenschaftlich begleitet wird
das Projekt vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und der
Universität Stuttgart.
"Der Feldtest ist ein wichtiger Schritt, weil er zeigt, dass sich zentrale
systemstabilisierende Funktionen nicht nur in Simulation und Labor, sondern auch
unter realen Bedingungen im Netz untersuchen und bewerten lassen. Im weiteren
Projektverlauf werden wir nun die Spannungsbildung durch das Speichersystem
während verschiedensten Testszenarien detailliert prüfen und auswerten, um die
Übertragbarkeit auf künftige Anwendungen im Stromsystem besser einordnen zu
können", sagt Roland Singer, Gruppenleiter Stromrichter basierte Netze am
Fraunhofer ISE.
Für Kundinnen und Kunden bedeutet das vor allem eines: Versorgungssicherheit
auch in einem Stromsystem mit mehr erneuerbaren Energien . Durch intelligente
Steuerungstechnik kann das Stromnetz auch bei schwankender Einspeisung stabil
betrieben werden. Kurzfristige Störungen lassen sich schneller ausgleichen,
bevor es zu Einschränkungen oder Ausfällen kommt. Der erste Feldtest fand in
einem sicheren Versuchsnetz statt, bei dem keine weiteren Verbrauchs- und
Erzeugungseinheiten einbezogen waren. In den nächsten Schritten sollen die
umliegenden Photovoltaikanlagen (PV) in die Versuche integriert werden. Dabei
wird untersucht, wie die bestehende PV-Technik mit der neuen Steuerung
zusammenwirkt und welche Erkenntnisse sich daraus für zukünftige Stromnetze
ableiten lassen.
Das Forschungsprojekt SUREVIVE wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft
und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert (FKZ
03EI6123A-D) .
Pressekontakt:
Annett Urbaczka
Westnetz GmbH
Kommunikation
Pressesprecherin
M +49 162 430 6073
mailto:annett.urbaczka@westnetz.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/169518/6260598
OTS: Westenergie AG
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