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Dortmund (ots) - Der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT)
kritisiert den Kabinettsbeschluss zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom
29. April 2026 in aller Deutlichkeit. Der vorgesehene pauschale Abschlag von
drei Prozent im Hilfsmittelbereich greift die Versorgungsstrukturen in ihrem
Kern an - und trifft ausgerechnet die Schwächsten.
Schon heute ist die Versorgung vieler Patienten angespannt. Der Fachkräftemangel
in den orthopädietechnischen Betrieben ist mit 12 Bewerbern auf 100 offene
Stellen massiv. Zugleich jonglieren die Betreibe mit bis zu 700 Verträgen mit
Krankenkassen, um die Versicherten mit Hilfsmitteln versorgen zu dürfen. Die
Folge: lange Wartezeiten, verzögerte Versorgungen und wachsende Lücken im
System.
Betroffen sind genau die Menschen, die auf funktionierende Strukturen angewiesen
sind: mehrfachbehinderte Kinder, Menschen mit angeborenen Fehlbildungen,
Menschen nach Amputation, Querschnittgelähmte, Patienten mit schweren
neurologischen Erkrankungen oder Menschen nach Unfall, Tumor, Verbrennung oder
mit Schwerstverletzungen. Gleichzeitig will die Bundesregierung Deutschland auf
Krisen, Katastrophen und militärische Konflikte (3K) vorbereiten. Traumazentren
und die technische Orthopädie sind allerdings unverzichtbar für die Versorgung
Schwerstverletzter.
"Die technische Orthopädie ist handwerksbasiert, personalintensiv und
hochindividuell", erklärt Alf Reuter, BIV-OT-Präsident . "Sie ist bereits jetzt
durch politische Fehlstellungen substanziell geschwächt. Mit dem 3 Prozent
Abschlag bricht die Politik den Betrieben endgültig das Genick für die
wohnortnahe Hilfsmittelversorgung heute und erst recht für die Versorgung
tausender Schwerstverletzter im 3K-Fall."
Widerspruch zur eigenen Analyse
Besonders gravierend: Der Eingriff widerspricht der eigenen Analyse der
Finanzkommission Gesundheit. Der Hilfsmittelbereich gehört nicht zu den
Kostentreibern der GKV. Die Ausgabenentwicklung liegt seit Jahren
unterdurchschnittlich. "Hier wird Disziplin bestraft und die
orthopädietechnischen Betriebe und Sanitätshäuser zum Prügelknaben gemacht",
betont Alf Reuter .
Klare Forderung: Abschlag streichen
Der BIV-OT unterstützt das Ziel, die Beitragssätze der gesetzlichen
Krankenversicherung langfristig zu stabilisieren ausdrücklich. Der
eingeschlagene Weg ist jedoch in diesem Detail falsch.
"Der pauschale 3-Prozent-Abschlag im Hilfsmittelbereich muss im
parlamentarischen Verfahren gestrichen werden", so Alf Reuter.
Pressekontakt:
Kirsten Abel
Pressesprecherin des Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik
Reinoldistr. 7 -9, 44135 Dortmund
Telefon: 01715608125
E-Mail: mailto:kommunikation@biv-ot.org
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/108324/6265378
OTS: Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik
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