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Berlin (ots) - Fünf Kernpunkte der Rangliste der Pressefreiheit 2026:
- Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste der Pressefreiheit
fallen mehr als die Hälfte aller Länder und Territorien der Welt in die
Kategorien "schwierig" oder "sehr ernst".
- "Gut" ist die Situation nur noch in sieben Ländern; in ihnen lebt insgesamt
ein Prozent der Weltbevölkerung.
- Den stärksten Rückgang der Pressefreiheit gab es in diesem Jahr im rechtlichen
Bereich. Die Rangliste bewertet das politische, wirtschaftliche, rechtliche,
gesellschaftliche Umfeld sowie die Sicherheit für Journalist*innen.
- Norwegen belegt zum zehnten Mal in Folge den ersten Platz, Eritrea ist zum
dritten Mal in Folge das Schlusslicht. In Syrien hat sich nach dem Sturz des
Assad-Regimes im Vergleich aller 180 Länder und Territorien die Pressefreiheit
am stärksten verbessert.
- Die Lage in Deutschland ist "zufriedenstellend" (Platz 14). RSF kritisiert ein
zunehmend raueres Arbeitsklima für Journalist*innen.
Weltweit hat sich die Situation für Journalist*innen erneut verschlechtert: Zum
ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste der Pressefreiheit von
Reporter ohne Grenzen (RSF) fällt mehr als die Hälfte aller Länder in die beiden
schlechtesten Kategorien "schwierig" und "sehr ernst". Besonders die rechtlichen
Rahmenbedingungen haben sich für Medienschaffende verschlechtert, Journalismus
wird weltweit immer häufiger kriminalisiert. Auch in demokratischen Ländern wird
das Recht der Bürger*innen auf Information zunehmend beschnitten.
Deutschland belegt auf der Rangliste der Pressefreiheit 2026 Platz 14, ein
Rückgang um drei Plätze. Grund dafür ist vor allem, dass Journalist*innen auf
der Straße und im Netz wachsenden Bedrohungslagen ausgesetzt sind. Auch aus
Redaktionen wurde RSF immer wieder geschildert, dass polarisierte Themen wie die
Nahostberichterstattung zu erschwerten Arbeitsbedingungen
(https://www.reporter-ohne-grenzen.de/nahaufnahme/2026) führten.
"Nur noch einer von 100 Menschen weltweit kann sich durch eine vielfältige,
gesunde Medienlandschaft informieren. Auch wenn wir den Niedergang der
Pressefreiheit seit einem Vierteljahrhundert dokumentieren, bleibt dieser Befund
dramatisch", sagt Christian Mihr, Geschäftsführer für Politik und Strategie bei
Reporter ohne Grenzen. "Dass Deutschland erneut Plätze verliert, ist auch
Ausdruck eines aufgeheizten Klimas. Gerade bei der Berichterstattung über
rechtsextreme Milieus oder den Krieg in Gaza berichten viele Journalist*innen
von starkem Druck, hitzigen Debatten und der Sorge, öffentlich an den Pranger
gestellt zu werden."
Weltweit werden Reporter*innen weiterhin wegen ihrer Arbeit getötet und
inhaftiert (https://www.reporter-ohne-grenzen.de/artikel/pressemitteilungen/4151
/jahresbilanz-2025-67-getotete-reporterinnen-uber-500-in-haft) . Fast 500
Medienschaffende sind derzeit in Haft. Doch Druck und Einschränkungen wirken
zunehmend auch durch Gesetze, die gezielt gegen die Presse eingesetzt werden,
durch eine geschwächte Medienwirtschaft und einen feindseligen politischen
Diskurs gegenüber dem Journalismus.
Die Situation der Pressefreiheit in Deutschland
Deutschland war bereits im Jahr 2025 wieder aus der Liste der besten Zehn
gerutscht. Auf der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit hat das Land erneut
Plätze verloren und steht nun auf Rang 14. Journalist*innen sind auch
hierzulande von steigender Polarisierung, Hass und Diffamierung - gerade im
Internet - betroffen und kämpfen mit einem Verlust an Glaubwürdigkeit und
Vertrauen. Die Anfang Februar veröffentlichte Nahaufnahme 2026: RSF-Report zur
Lage der Pressefreiheit in Deutschland
(https://www.reporter-ohne-grenzen.de/nahaufnahme/2026) hat bereits gezeigt,
dass die Delegitimierung ihrer Arbeit von vielen Reporter*innen als große
Bedrohung für den Journalismus in Deutschland wahrgenommen wird.
Kriege, bewaffnete Auseinandersetzungen - und Trump
In mehreren Ländern sind Kriege und bewaffnete Konflikte maßgeblich für den
Niedergang der Pressefreiheit verantwortlich. Israel (116) fällt vor allem wegen
des unerbittlich geführten Gaza-Krieges um vier Plätze. Seit Oktober 2023 wurden
in Gaza mehr als 220 Journalist*innen durch Angriffe der israelischen Armee
getötet (https://www.reporter-ohne-grenzen.de/artikel/pressemitteilungen/4191/ex
treme-erschopfung-standige-gefahr-wie-es-ist-als-journalistin-in-gaza-zu-arbeite
n) , darunter mindestens 70 bei der Ausübung ihrer Arbeit. Die Palästinensischen
Gebiete stehen auf Rang 156. Die Auswirkungen von bewaffneten Konflikten auf die
Sicherheit von Journalist*innen sind auch in Ländern wie dem Sudan (161), im
Irak (162) und im Jemen (164) spürbar.
Neben dem Nahen Osten ist Osteuropa für Medienschaffende eine der gefährlichsten
Regionen der Welt geworden. Putins Russland (172) setzt seinen Angriffskrieg
gegen die Ukraine fort und tötet dabei immer wieder gezielt Journalist*innen.
Derzeit sitzen 48 Medienschaffende in russischen Gefängnissen, davon 26 aus der
Ukraine.
In den USA unter Präsident Donald Trump haben die Angriffe auf Medien und
Journalist*innen (https://www.reporter-ohne-grenzen.de/artikel/pressemitteilunge
n/4177/ein-jahr-trump-chronologie-der-angriffe-auf-die-presse) mittlerweile
System. Das Land fällt um sieben Plätze auf Rang 64. Einsatzkräfte der Polizei
und der Einwanderungsbehörde ICE gehen gewaltsam gegen Medienschaffende vor (htt
ps://rsf.org/en/attacks-journalists-minnesota-cap-trump-s-first-year-back-office
) . Die Inhaftierung und spätere Abschiebung
(https://rsf.org/en/usa-rsf-condemns-deportation-journalist-mario-guevara) des
salvadorianischen Journalisten Mario Guevara hat diese ohnehin angespannte
Sicherheitslage noch verschärft. Die drastischen Kürzungen bei der US Agency for
Global Media (USAGM) hatten weltweite Auswirkungen: Sie führten zur Schließung,
Einstellung oder Verkleinerung internationaler Sender wie Voice of America
(VOA), Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) und Radio Free Asia (RFA) in
Ländern, in denen diese Medien zu den letzten verlässlichen Informationsquellen
zählten. Zusammen mit den Mitarbeitenden von VOA kämpft RSF vor Gericht (https:/
/www.reporter-ohne-grenzen.de/artikel/pressemitteilungen/4207/rsf-klage-gegen-us
-regierung-erfolgreich-voa-auflosung-ist-rechtswidrig) dafür, dass sie ihre
Arbeit wieder aufnehmen können.
In Argentinien (98) und El Salvador (143) sind mit Javier Milei und Nayib Bukele
zwei Präsidenten an der Macht, die zu den lautstärksten Unterstützern von Donald
Trump in Lateinamerika zählen und ihre Pressefeindlichkeit offen zur Schau
stellen. In beiden Ländern haben sich vor allem die politischen und
soziokulturellen Rahmenbedingungen weiter verschlechtert.
Den stärksten Rückgang (-37) auf der Rangliste der Pressefreiheit 2026
verzeichnet Niger (120). Dieser Absturz steht sinnbildlich für die sich
verschlechternde Situation für Journalist*innen in der gesamten Sahel-Region (ht
tps://rsf.org/en/rsf-documentary-community-radios-fight-keep-sahel-informed-now-
available-arte) . Angriffe bewaffneter Gruppen und Militärjuntas schränken die
freie Berichterstattung und das Recht der Menschen auf Informationen drastisch
ein.
Am stärksten aufgestiegen ist Syrien : Der Sturz der Assad-Diktatur (https://www
.reporter-ohne-grenzen.de/artikel/pressemitteilungen/4215/krieg-gegen-die-medien
-einblicke-in-den-syrischen-uberwachungsapparat-der-assad-ara) im Dezember 2024
und der darauf folgende politische Wandel haben das Land vom 177. auf den 141.
Platz aufrücken lassen. Syrien hatte jahrelang zu den zehn am schlechtesten
bewerteten Ländern gehört.
Kriminalisierung des Journalismus auf einem Höchststand
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Journalismus haben sich in 60 Prozent
der beobachteten Länder und Territorien - 110 von 180 - im Vergleich zum Vorjahr
verschlechtert. Das trifft auf so verschiedene Staaten wie Indien (157) und
Ägypten (169) zu. Aber auch in demokratischen Ländern wie Israel (116), den
Philippinen (114) und Japan (62) werden zunehmend Gesetze unter dem Vorwand der
Terrorismusbekämpfung oder des Schutzes der nationalen Sicherheit gegen
Journalist*innen strategisch eingesetzt.
In der Türkei (163) werden neben Anti-Terror-Gesetzen Anklagen wegen
"Desinformation", "Beleidigung des Präsidenten" und "Verunglimpfung staatlicher
Institutionen" regelmäßig dazu genutzt, Journalist*innen zu unterdrücken. Der
Deutsche Welle-Korrespondent Alican Uludag etwa ist seit Februar 2026 wegen
angeblicher Präsidentenbeleidigung in Haft (https://www.reporter-ohne-grenzen.de
/artikel/pressemitteilungen/4196/rsf-verurteilt-verhaftung-von-dw-korrespondent)
.
Georgien (135), in diesem Jahr um 21 Plätze gefallen, steht beispielhaft für die
Umformulierung und strategische Anwendung von Gesetzen gegen Journalist*innen:
Im Frühjahr 2026 wurde das bereits umstrittene Gesetz zur ausländischen
Einflussnahme stark verschärft, sodass jegliche Unterstützung aus dem Ausland -
sowohl finanzielle als auch ideelle Formen - de facto kriminalisiert wurde.
Diese historische Repressionswelle (https://www.reporter-ohne-grenzen.de/artikel
/pressemitteilungen/4141/historische-repressionswelle-in-georgien-600-angriffe-a
uf-die-presse-in-einem-jahr) spiegelt sich nicht nur in Gesetzestexten wider,
sondern auch auf den Straßen, wo Reporter*innen regelmäßig angegriffen werden.
In Russland (172) haben die Behörden die ohnehin bereits massiv repressive
Gesetzgebung gegen Medienschaffende im vergangenen Jahr weiter verschärft.
Insbesondere Gesetze zur Bekämpfung von "Terrorismus" und "Extremismus" wurden
ausgeweitet und gezielt gegen Medienschaffende eingesetzt, sodass
Journalist*innen häufig durch mehrere Tatbestände gleichzeitig angeklagt werden
und sich die Haftstrafen dadurch erheblich erhöhen - teilweise um bis zu sieben
Jahre. Im vergangenen Jahr ist die Zahl entsprechender Strafverfahren deutlich
gestiegen. Darunter sind auch zahlreiche Verurteilungen in Abwesenheit der
Angeklagten im Exil (https://www.reporter-ohne-grenzen.de/artikel/pressemitteilu
ngen/4122/verfolgung-von-medienschaffenden-im-exil) , die mit langjährigen
Haftstrafen verbunden sind.
China (178) bleibt mit rund 120 inhaftierten Medienschaffenden eines der
repressivsten Länder für Journalist*innen. Medienschaffende werden systematisch
wegen vager Straftatbestände inhaftiert, oft nach Berichten über Korruption oder
politisch sensible Themen. Parallel dokumentiert der Propaganda-Monitor von RSF
(https://rsf.org/en/propaganda-monitor) , dass das Land seine staatlich
gesteuerte Einflussnahme auch global weiter ausbaut. In Hongkong (140) hat das
drakonische "Sicherheitsgesetz" den Behörden ermöglicht, den unabhängigen
Verleger Jimmy Lai zu 20 Jahren Haft zu verurteilen, was de facto einem
Todesurteil für den 78-Jährigen gleichkommt.
Spitzenreiter und Schlusslichter
Wie in den vergangenen Jahren landen die nordeuropäischen Länder auf den
vorderen Plätzen der Rangliste der Pressefreiheit. Zum zehnten Mal in Folge
steht Norwegen auf Platz 1, die Niederlande schieben sich an Estland (3) vorbei
auf Platz 2 und sind damit das bestplatzierte EU-Land. Dänemark rückt um zwei
Plätze auf Rang 4 vor. Nur die ersten sieben Länder, so wenige wie im
vergangenen Jahr, landen auf der Rangliste in der besten Kategorie "gut". Die
ersten 19 Plätze werden ausschließlich durch europäische Länder belegt.
Wenig Bewegung gab es am Ende der Skala: Eritrea (180), Nordkorea (179) und
China (178) behalten ihre Plätze. Neu unter den letzten Zehn ist Saudi-Arabien :
Das Land fiel um 14 Plätze auf Rang 176. Im vergangenen Jahr wurde dort der
Journalist Turki al-Dschasser hingerichtet (https://www.reporter-ohne-grenzen.de
/artikel/pressemitteilungen/64/rsf-verurteilt-hinrichtung-von-turki-al-dschasser
) . Dass Medienschaffende exekutiert werden, ist weltweit selten: Zuletzt war im
Dezember 2020 ein Bürgerjournalist in Iran (177) hingerichtet worden.
So analysiert RSF den Zustand der Pressefreiheit
Die Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen vergleicht die
Situation für Journalist*innen und Medien in 180 Ländern und Territorien. Sie
stützt sich auf die Indikatoren Sicherheit, politischer Kontext, rechtlicher
Rahmen sowie wirtschaftliches und soziokulturelles Umfeld. Die aktuelle, seit
2022 gültige Methodik hat RSF mit Expert*innen aus Medien und Forschung
erarbeitet.
Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Tel.: +49 151 72480936
mailto:presse@reporter-ohne-grenzen.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/51548/6265707
OTS: Reporter ohne Grenzen e.V.
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