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München (ots) - - Männliche DAX-Aufsichtsräte bleiben fast zehn Jahre, Frauen
nur rund fünf Jahre
- Keine Trendumkehr: Frauenanteil bleibt unter dem 40%-Rekordwert von 2024
- Gesuchte CEO-Erfahrung benachteiligt Frauen
- DAX fällt im internationalen Vergleich weiter zurück
- Zahl der weiblichen Aufsichtsratsvorsitzenden steigt auf fünf
Weibliche DAX-Aufsichtsräte scheiden deutlich früher aus dem Amt aus als Männer.
Die Schere hat sich in den letzten fünf Jahren immer weiter geöffnet. Blieben
2022 Frauen im Schnitt rund zwei Jahre länger im Amt als Männer, waren sie 2026
mit einer Verweildauer von durchschnittlich 5,4 Jahren im Vergleich zu Männern
mit 9,5 Jahren nur noch rund halb so lang im Amt. Die Lücke zur Verweildauer der
in diesem Jahr ausscheidenden Männer ist zweieinhalb Mal so groß wie im
Zehnjahresdurchschnitt.
Mehr Frauen scheiden aus als nachrücken
Gleichzeitig bleibt der Frauenanteil in DAX-Aufsichtsräten zwei Prozentpunkte
unter dem Rekordwert von vor zwei Jahren (38,3% gegenüber 40,3%*). Bis 2024 ging
es 15 Jahre kontinuierlich bergauf mit dem Frauenanteil in den Aufsichtsräten
des wichtigsten deutschen Aktienindex und dieser überschritt in dem Jahr zum
ersten Mal die 40%-Marke. Der rückläufige Trend setzt sich 2026 fort. Erneut
scheiden in diesem Jahr mehr Frauen aus als neu gewählt wurden. Das zeigt die
jährliche Analyse der DAX-Aufsichtsräte durch die Personalberatung Russell
Reynolds Associates.
DAX verliert im europäischen Vergleich an Boden
International fällt der DAX das zweite Jahr in Folge zurück. Im Vergleich mit
den zehn wichtigsten Börsenindizes Europas liegt der DAX auf Platz acht. Der
Frauenanteil im DAX entwickelt sich dabei gegen den europäischen Trend. Mit
Ausnahme Frankreichs steigt der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien der
Unternehmen der wichtigsten europäischen Aktienindizes. An der Spitze steht
Frankreich mit jetzt rund 47%, gefolgt von Norwegen (rund 46%), UK und Italien
(rund 45%) sowie Dänemark und den Niederlanden (rund 43%).
Zahl weiblicher Aufsichtsratsvorsitzender steigt
Einen positiven Trend zeigt der Blick auf die DAX-Aufsichtsratsvorsitze: Fünf
Aufsichtsgremien (12,5%) werden nun von Frauen geführt - Simone Bagel-Trah bei
Henkel; Clara-Christina Streit mit zwei Mandaten (Deutsche Börse und Vonovia),
Katrin Suder bei DHL Group und Sabrina Soussan bei Continental. Das ist die
bisher höchste Zahl an weiblichen Aufsichtsratsvorsitzenden. Wenn Amparo
Moraleda im Oktober 2026 René Obermann an der Spitze des Aufsichtsrats von
Airbus ablöst, steigt der Anteil weiblicher Aufsichtsratsvorsitzender auf 15%.
Außer beim Vorsitz kein Zuwachs bei Schlüsselpositionen
Bei den sogenannten "Positions of Power" gibt es außer beim Aufsichtsratsvorsitz
und bei den Ausschussvorsitzenden keinen Zuwachs: Der Anteil an weiblichen
stellvertretenden Vorsitzen sank im Vergleich zum Vorjahr. Der Anteil an
allgemeinen Ausschusssitzen verringerte sich von 39% auf 35%. Im
Präsidialausschuss, in dem die Weichen für zentrale Entscheidungen des
Aufsichtsrats gestellt werden, sind Frauen mit 11,6 % deutlich
unterrepräsentiert. Bei der Machtverteilung liegt der Frauenanteil damit bis zu
15 Jahre hinter dem gesamten Frauenanteil zurück.
"Gesuchte CEO-Erfahrung benachteiligt Frauen"
"Das zweite Jahr in Folge gab es keinen Fortschritt auf dem vor kurzem noch
sicher geglaubten Weg hin zur Parität - und das gegen den europäischen Trend. Es
herrscht Stillstand. Wir liegen beim Frauenanteil erneut unter der 40%-Marke.
Zudem bleiben Frauen deutlich kürzer im Amt, zuletzt nur noch rund halb so lang
wie Männer. Die Besetzung zentraler Machtpositionen mit Frauen - wie
beispielsweise in den Präsidialausschüssen - hinkt weiterhin deutlich hinterher.
Das ist in Summe keine gute Entwicklung", so Jens-Thomas Pietralla, Leiter der
Globalen Board & CEO Practice von Russell Reynolds Associates.
"In diesen Zeiten großer Unsicherheit ist CEO-Erfahrung eine besonders gesuchte
Qualifikation für Aufsichtsräte. Da in der Vergangenheit kaum Frauen an der
Spitze von DAX-Unternehmen standen, ist der Pool an weiblichen Kandidaten mit
dieser Erfahrung zwangsläufig viel kleiner, was Frauen benachteiligt."
Drei Unternehmen bleiben unter den geforderten 30%
Mit einem Frauenanteil von 58% (Aktionärs- und Arbeitnehmervertretungen) liegt
Beiersdorf 2026 erneut an der Spitze der 40 DAX-Unternehmen, gefolgt von Bayer,
Fresenius Medical Care und Vonovia (alle jeweils 50%). Insgesamt haben mehr als
die Hälfte aller DAX-Unternehmen (24 von 40) einen Frauenanteil von 40% oder
mehr. Porsche SE** bleibt mit 20% weiterhin deutlich unter den geforderten 30%,
auch Adidas (25%) und SAP (28%) unterschreiten erneut diese Schwelle.
Frauen beim Ausscheiden deutlich jünger
Im letzten Jahr waren die ausscheidenden Frauen rund acht Jahre (gegenüber sechs
Jahren im Vorjahr und fünf Jahren vor zwei Jahren) jünger als ihre männlichen
Kollegen (59,2 Jahre gegenüber 66,9 Jahren).
Vernetzung erreicht historischen Tiefstand
Die Vernetzung über Mehrfachmandate in Aufsichtsräten sinkt weiter und erreicht
einen historischen Tiefstand. Der Rückgang ist vor allem auf Männer
zurückzuführen, während Frauen bei Mehrfachmandaten weitgehend konstant bleiben.
In diesem Jahr fällt er besonders deutlich aus - vor allem durch den Abstieg der
Porsche AG aus dem DAX sowie durch Mandatsreduzierungen.
Über die Studie:
Die Analyse zur Entwicklung der DAX-Aufsichtsgremien beruht auf den Zahlen und
Daten nach Durchführung der diesjährigen Hauptversammlungen bzw. den laut
Tagesordnung geplanten personellen Veränderungen bei den noch ausstehenden
Hauptversammlungen. Russell Reynolds Associates führt die Erhebung seit 16
Jahren jährlich durch und hat damit den Referenzstandard für die Zusammensetzung
von Aufsichtsräten in Deutschland etabliert.
* Betrachtet wird der Anteil der AktionärsvertreterInnen.
**Da Porsche SE nicht paritätisch mitbestimmt ist, fällt es nicht unter das
Führungspositionengesetz FüPoG I aus dem Jahr 2016, das eine 30% Frauenquote
vorschreibt.
Studie herunterladen (https://www.dropbox.com/scl/fi/fdy8pzomhhjuykdgg95kd/Russe
ll-Reynolds-DAX40-Aufsichtsratsstudie-2026-final-Mai-2026.pdf?rlkey=yv5gnnvnsu1l
lqt9fo3woa5y0&st=bn2p6xu0&dl=0)
Foto Jens-Thomas Pietralla (https://www.dropbox.com/scl/fi/4auutk84eg5pwvu9perh5
/Russell-Reynolds-Jens-Thomas-Pietralla-print.jpg?rlkey=8eq2c0umbbsllsl8z20fty4w
g&st=6wohqe5v&dl=0)
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Axel Schafmeister
Tel.: +41 44 252 0708
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Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/67171/6271097
OTS: Russell Reynolds Associates
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