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München (ots) - Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert einen neuen
Forschungsverbund mit medizinischem Schwerpunkt.
Die LMU hat in der jüngsten Bewilligungsrunde der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam mit ihren Partnerinstitutionen
erfolgreich eine Förderung für einen großen Forschungsverbund eingeworben. Neu
eingerichtet wird ein Sonderforschungsbereich (SFB) zur wechselseitigen
Beeinflussung von Thrombosen und Entzündungen unter der Federführung der LMU.
Drei weitere Großverbünde erhalten einen Zuschlag für eine weitere
Förderperiode.
"Der neue SFB schärft unser Profil als einer der wichtigsten Orte der
Medizinforschung erheblich. Er verknüpft bisher getrennte Ansätze und Bereiche,
denkt Medizin also neu. Bestätigt wird dies auch eindrucksvoll durch die
bewilligten drei Fortsetzungsanträge der bestehenden SFB unter LMU-Führung und
-Beteiligung. Ich gratuliere den Kolleginnen und Kollegen zu diesem Erfolg!"
Universitätspräsident Matthias Tschöp
Wechselseitige Beeinflussung von Thrombosen und Entzündungen
Thrombosen sind der zentrale Auslöser von Herzinfarkt, Schlaganfall und venösen
Thromboembolien - den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Trotz klinisch
etablierter Vorsorgemaßnahmen, die auf Blutplättchen (Thrombozyten) und die
Blutgerinnung abzielen, bleiben sie damit auch die häufigste Ursache für
Krankheit und Tod. Darüber hinaus können Thrombosen auch den Verlauf von
Infektionen und anderen entzündlichen Erkrankungen beeinflussen; ihr Auftreten
entscheidet oft über deren Schweregrad. Forschende sehen deshalb dringenden
Bedarf, die Mechanismen besser zu verstehen, die Thrombosen in ganz
verschiedenen Krankheitskontexten auslösen und verstärken.
Der Ansatz des neuen, an der LMU angesiedelten SFB 1784 InTraC (The Interplay of
Thrombosis and Inflammation - Translating molecular mechanisms into Clinical
applications) markiert dabei einen Paradigmenwechsel: Thrombose ist nicht nur
eine Frage von Blutplättchen und Gerinnung, sondern eng mit dem Immunsystem
verknüpft - und umgekehrt. "Wir müssen die enge Verzahnung von Thrombose und
Entzündung mechanistisch verstehen, um gezielt eingreifen zu können", sagt
LMU-Professor Steffen Massberg, Sprecher des SFBs und Direktor der Medizinischen
Klinik und Poliklinik I am LMU Klinikum.
Das Wechselspiel ist Ausdruck einer evolutionär konservierten Notfallstrategie,
der sogenannten Immunthrombose. Diese ist für die Abwehr von Infektionen durch
den Wirt entscheidend, indem sie das Eindringen und die Ausbreitung von
Krankheitserregern eindämmt. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, entsteht eine
sogenannte Thromboinflammation. Dabei verstärken sich Entzündung und Gerinnung
gegenseitig, dies führt zu schweren Gewebeschäden. Typische Beispiele hierfür
sind schwere COVID-19-Verläufe oder bestimmte Autoimmunerkrankungen, die zu
Organschäden führen.
InTraC will genau hier ansetzen: Teams an der LMU und ihren nationalen und
internationalen Partnereinrichtungen bündeln ihre Expertise, um das
mechanistische Verständnis der gegenseitigen Wechselwirkung zwischen Thrombose
und Entzündung voranzutreiben. Sie kombinieren systembiologische Analysen mit
Tiermodellen und moderner Bildgebung und entwickeln neue, fortschrittliche
Therapien - von kleinen Inhibitor-Molekülen bis zu RNA-, Gen- und Zelltherapien.
"Ziel ist eine präzisere Diagnostik und eine gezielte Behandlung
thromboinflammatorischer Erkrankungen", berichtet LMU-Professor Konstantin
Stark, Co-Sprecher des Verbundes, von der Medizinischen Klinik und Poliklinik I
am LMU Klinikum).
Neben der LMU sind auch als Partner das Max-Planck-Institut für Biochemie
München, das Helmholtz Zentrum München, die Johannes-Gutenberg-Universität
Mainz, die Julius-Maximilians-Universität Würzburg und die Charité in Berlin
beteiligt.
In der Verlängerung
Die LMU ist außerdem Sprecheruniversität des SFB 1309 Chemical Biology of
Epigenetic Modifications , der für eine weitere Förderphase fortgesetzt wird.
Auch der SFB-Transregio 237 Nucleic Acid Immunity wird mit Beteiligung der LMU
fortgesetzt. Die Sprecherschaft liegt aktuell bei der LMU, in der beantragten
Förderperiode bei der Technischen Universität Dresden.
Außerdem bewilligt wurde ein Fortsetzungsantrag für den SFB-Transregio 332
Neutrophils: Origin, fate, and function , an dem die LMU als Co-Sprecherin
beteiligt ist. Die Federführung liegt bei der Universität Münster.
Pressekontakt:
Claudia Russo
Ludwig-Maximilians-Universität München
Leopoldstr. 3
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OTS: Ludwig-Maximilians-Universität München
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