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Osnabrück (ots) - Als erster prominenter SPD-Politiker rät Schleswig-Holsteins
früherer Ministerpräsident Torsten Albig seiner Partei, die Brandmauer zur AfD
einzureißen. "Wenn 30 Prozent diese Partei wählen, können wir nicht auf Dauer so
tun, als wäre das die Ausgeburt der Hölle", sagte Albig der "Neuen Osnabrücker
Zeitung" (noz). Im Ruhrgebiet etwa träten "alte Genossen eins zu eins ohne Umweg
in die AfD" ein. "Und das sicher nicht, weil die alle Nazis geworden sind,
sondern weil sie bei uns etwas vermissen."
Mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im
Herbst empfahl Albig seiner Partei, Minderheitsregierungen zu akzeptieren, die
von der AfD toleriert werden. "Wahrscheinlich wäre es sogar einfacher, wenn wie
in Dänemark Sozialdemokraten die Ersten wären, die auch mit den Rechtspopulisten
bei bestimmten Themen zusammenarbeiten, die unsere Wähler heute in deren Arme
treiben - wenn also nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise
Manuela Schwesig sagen würde: Ich suche mir meine Mehrheiten im Landtag je nach
Thema." Anstatt "immer absurdere" Vielparteienbündnisse mit CDU, Linken, Grünen
oder BSW anzustreben.
Albig begründet sein Plädoyer mit zwei Argumenten: Erstens würde so "ein
Spaltpilz in die AfD" getragen. Zweitens würden solche eventuell notwendigen und
woanders in Europa üblichen Minderheitsregierungen so "handlungsfähig", sagte
Albig. "Nicht weil wir das ideologische Gedankengut von Rechtspopulisten teilen,
sondern weil wir unseren verloren gegangenen Wählern zeigen: Wir haben
verstanden - kommt wieder nach Hause!"
Auch die schwarz-rote Koalition in Berlin müsse sich darauf vorbereiten, dass
nach den Wahlen in Ostdeutschland Minderheitsregierungen mit Tolerierung der AfD
entstehen könnten. "Stand heute müsste darüber die Bundesregierung platzen, weil
das ja ein Riesenaffront wäre im Miteinander", sagte Albig. "Aber das können wir
nicht wollen." Er fordere daher von Bundeskanzler Friedrich Merz und SPD-Chef
Lars Klingbeil, dass sie sich "auf Minderheitsregierungen in den Ländern
einstellen - egal ob man die mag oder nicht".
Albig räumte ein, dass ein Einreißen der Brandmauer zur AfD für die SPD
"natürlich sehr schwer" wäre. "Aber immer, wenn es besonders schwierig war,
hatte das linke Lager eine größere Aufgabe", sagte er. So weiterzumachen wie
bisher, berge für die SPD die Gefahr, dass es die Sozialdemokratie in
Deutschland bald nicht mehr gibt. "In Frankreich, Italien und Holland ist sie
quasi schon verschwunden", sagte Albig.
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