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Frankfurt am Main (ots) - Streaming und Social Media prägen die selbstbestimmte
Nutzung älterer Kinder und Jugendlicher - gemeinsames Fernsehen bleibt wichtiger
sozialer Erlebnisraum
Bewegtbild ist fester Bestandteil des Alltags von Kindern und Jugendlichen: 85,3
Prozent der 1- bis 17-Jährigen nutzen täglich Bewegtbildangebote - ob lineares
Fernsehen, Streaming, Videoportale oder Videos auf Social Media. Bereits im
Vorschulalter erreicht Bewegtbild nahezu alle Kinder. Gleichzeitig verändern
sich Nutzungsmuster, Gerätepräferenzen und die Rolle einzelner Plattformen
deutlich. Während Streaming und Social Media zunehmend die selbstbestimmte
Nutzung prägen, bleibt das Fernsehgerät ein zentraler Treffpunkt für gemeinsame
Momente in der Familie.
Dies sind aktuelle Ergebnisse der "AGF Next Gen Videostudie 2026", die die AGF
Videoforschung im März 2026 vom Marktforschungsinstitut Kantar erheben ließ. Die
Studie knüpft an die Grundlagenstudie "AGF GenZ" aus dem Jahr 2020 an, nimmt
erstmals auch Kinder ab einem Jahr in den Blick und erfasst die gesamte
Bandbreite der Bewegtbildnutzung - inklusive Social Media.
Über ein modulares Studiendesign mit einer quantitativen Online-Befragung und
einem ergänzenden qualitativen Modul wurden 5.250 Kinder und Jugendliche von 1
bis 17 Jahren bzw. deren Eltern befragt sowie 24 qualitative Tiefen- und
Paar-Interviews geführt. Bei den ganz Kleinen beantworteten die Eltern die
Fragen stellvertretend für ihr Kind, mit zunehmendem Alter wurden die Kinder und
Jugendlichen selbst einbezogen. Die Ergebnisse sind repräsentativ für Kinder und
Jugendliche in Deutschland. Damit gehört die Studie zu einer der umfangreichsten
Studien, die in den vergangenen Jahren in Deutschland zu diesem Thema
durchgeführt worden sind.
"Bewegtbild ist für Kinder und Jugendliche heute kein besonderes Medium mehr,
sondern Teil ihrer Lebenswelt - ähnlich selbstverständlich wie Schule, Sport
oder Treffen mit Freundinnen und Freunden", erklärt Kerstin Niederauer-Kopf,
Vorsitzende der AGF Geschäftsführung. "Gleichzeitig zeigt die Studie, wie stark
sich die Nutzung differenziert hat: Kinder wachsen heute mit einer Vielzahl an
Plattformen, Geräten und Inhalten auf und entwickeln sehr früh eigene Routinen
und Präferenzen."
Kinder schauen, was Eltern vorleben
Die AGF Next Gen Videostudie 2026 zeigt, dass die Bewegtbildnutzung insgesamt
auf hohem Niveau stabil bleibt. Gleichzeitig verschiebt sich die Nutzung
zunehmend in Richtung Streaming und Social Media. In der Bewegtbildnutzung
wirken die Eltern als prägende Bezugsgröße: Nutzen Eltern häufig Fernsehen,
Streaming oder Videos auf Social Media, steigt auch die Nutzung dieser Angebote
bei den Kindern deutlich an.
Smartphone wird zum Leitgerät der Jugendlichen
Bereits im Grundschulalter entwickeln Kinder eine klare "Geräte-Kanal-Logik".
Kürzere Inhalte und Social Media werden überwiegend auf Smartphone oder Tablet
genutzt, während längere Inhalte wie Filme, Serien oder Sport bevorzugt auf dem
Fernsehgerät geschaut werden.
Besonders stark wächst der Anteil eigener Smartphones ab dem Wechsel auf die
weiterführende Schule. Bei den 11- bis 13-Jährigen verfügen bereits 84,3 Prozent
über ein eigenes Smartphone, bei den 14- bis 17-Jährigen sind es 91,2 Prozent.
"Das Smartphone entwickelt sich früh zum persönlichen Leitgerät der
Jugendlichen", so Kerstin Niederauer-Kopf. "Gleichzeitig bleibt das TV-Gerät
wichtig - allerdings zunehmend als gemeinschaftlich genutztes Medium für Filme,
Serien oder große Live-Momente."
Fernsehgerät als Beziehungsmedium
Trotz individualisierter Nutzung bleibt das gemeinsame Erleben von Bewegtbild
ein wichtiger Bestandteil des Familienalltags. Besonders Film- und Serienabende
werden von vielen Familien bewusst als kollektives Erlebnis gestaltet.
Die qualitative Untersuchung zeigt, dass gemeinsames Schauen vor allem mit Nähe,
Gemeinschaft und geteilten Erinnerungen verbunden wird. Gerade längere Inhalte
wie Filme, Serien oder Sportereignisse werden häufig zusammen genutzt. Die
quantitative Befragung bestätigt diesen ausgeprägten Lagerfeuer-Charakter des
Fernsehprogramms aus Elternsicht: Bei den 3- bis 6-Jährigen sind Eltern in 83,5
Prozent der Fälle immer oder oft dabei, wenn ihr Kind das lineare
Fernsehprogramm verfolgt. Selbst bei den 14- bis 17-Jährigen liegt dieser Wert
noch bei 50,1 Prozent. Selbstbestimmte, individuelle Nutzung findet dagegen vor
allem bei Streaming und Social Media auf dem Smartphone oder Tablet statt,
während das TV-Gerät zunehmend für bewusste gemeinsame Zeit genutzt wird.
"Lineares Fernsehen übernimmt heute stärker die Rolle eines gemeinsamen
Erlebnisraums", erklärt Kerstin Niederauer-Kopf. "Gerade bei großen
Sportereignissen oder bewusst gestalteten Familienmomenten zeigt sich weiterhin
ein klarer Lagerfeuer Charakter."
Lieblingsfiguren und Vorbilder differenzieren sich früh
Die Studie macht deutlich, dass sich die Rolle von Bewegtbild im Verlauf des
Aufwachsens stark verändert. Während jüngere Kinder vor allem vertraute Figuren,
klare Geschichten und kindgerechte Formate bevorzugen, gewinnen mit zunehmendem
Alter Social Media, Influencer, Serien und Inhalte mit stärkerem Realitätsbezug
an Bedeutung.
Lieblingsinhalte und Vorbilder entwickeln sich entlang typischer Altersphasen.
Bei den 1- bis 2-Jährigen gehört "Paw Patrol" zu den meistgenannten
Lieblingssendungen - jedes zehnte Kind dieser Altersgruppe ist Fan der Serie.
Auch bei den 3- bis 6-jährigen Jungen liegt "Paw Patrol" mit Abstand vorn, bei
gleichaltrigen Mädchen folgen "Peppa Pig" und "Bluey". Bemerkenswert: Bei den
Jüngsten ist mindestens die Hälfte der YouTube Nutzung TV-Content - die Kinder
schauen auf YouTube also Videos, die einen direkten Bezug zu klassischen
Fernsehmarken und -formaten haben. Plattform und Sendermarke sind in diesem
Alter eng verzahnt.
Mit zunehmendem Alter treten Creator, Influencer und Gaming-Persönlichkeiten
stärker in den Vordergrund. Bewegtbild dient Jugendlichen dabei zunehmend auch
zur Orientierung, Inspiration und Identitätsbildung. Bei den 14- bis 17-Jährigen
prägen Lifestyle-, Special Interest- und Haltungs-Influencer das
Vorbild-Spektrum.
"Bewegtbild dient Kindern und Jugendlichen heute nicht nur der Unterhaltung", so
Kerstin Niederauer-Kopf. "Es ist Inspirationsquelle, sozialer Bezugspunkt und
Teil ihrer persönlichen Entwicklung."
Social Media ab dem Schulalter unverzichtbar
Spätestens ab der weiterführenden Schule ist Social Media fester Bestandteil der
Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen. Über alle Altersgruppen hinweg sind
Comedy- und Meme-Inhalte der kleinste gemeinsame Nenner. Bei den 14- bis
17-jährigen Mädchen sind Beauty- und Fashion-Inhalte mit 46,8 Prozent das
meistgenannte Genre, bei gleichaltrigen Jungen Gaming und eSports mit 47,0
Prozent. Das Verhältnis von Konsum und aktivem Posten ist dabei deutlich
asymmetrisch: Die rein konsumierende Nutzung ist in allen Altersgruppen weit
verbreiteter als das eigene Veröffentlichen von Inhalten. Mit Blick auf ein
etwaiges Social-Media-Verbot zeigt die Studie: Je älter das Kind, desto weniger
befürworten Eltern eine solche Maßnahme. Insgesamt sprachen sich 70,3 Prozent
der befragten Eltern für ein Social Media-Verbot aus. Gleichzeitig verdeutlichen
die Ergebnisse, wie selbstverständlich Social Media insbesondere ab dem
Schulalter Teil des Alltags und der sozialen Kommunikation von Kindern und
Jugendlichen geworden ist.
Kinder und Jugendliche als Vorreiter der Mediennutzung
Kinder und Jugendliche zählen seit jeher zu den dynamischsten und adaptivsten
Zielgruppen im Medienkonsum: sie greifen neue Plattformen und Nutzungsformen oft
als Erste auf und sind Vorreiter beim Wandel der Bewegtbildnutzung. Für die AGF
ist es deshalb von besonderer Bedeutung, die Nutzungsmuster und Vorlieben der
jüngsten und jungen Zielgruppen genau zu verstehen.
"Mit der AGF Next Gen Videostudie 2026 schaffen wir eine empirisch belastbare
Grundlage, die sichtbare Effekte in der AGF-Panelmessung in dieser
anspruchsvollen Zielgruppe zum einen validiert und zum anderen um weitere
Perspektiven ergänzt. Dies unterstützt uns bei der Weiterentwicklung unseres
Instrumentariums", so Niederauer-Kopf abschließend.
Über die AGF Videoforschung GmbH ( http://www.agf.de )
Die AGF Videoforschung GmbH ist ein Unternehmen für neutrale
Bewegtbildforschung. Die AGF erfasst kontinuierlich und quantitativ die Nutzung
von Bewegtbildinhalten in Deutschland und wertet die erhobenen Daten aus. Sie
entwickelt ihr Instrumentarium mit einem mehrstelligen jährlichen
Millionenbetrag kontinuierlich weiter, um dem Markt täglich verlässliche Daten
über die Nutzung von Bewegtbildinhalten zu liefern. Dabei steht die AGF im engen
Austausch mit allen Marktpartnern, darunter Lizenzsender, Werbungtreibende und
Mediaagenturen.
Pressekontakt:
AGF VIDEOFORSCHUNG GMBH
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