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nd.Der Tag (ots) - Wer die neue Website des Weißen Hauses aufruft, könnte
zunächst glauben, Donald Trump habe neue UFO-Akten veröffentlicht. Grüne Schrift
auf schwarzem Sternenhimmel. Der Satz "They walk among us". Anspielungen auf
"Akte X", "Matrix" und ein herabzuscrollender, langsam erscheinender Text wie
bei "Star Wars". Die Seite trägt sogar den Titel "Aliens".
Seit 60 Jahren habe die US-Regierung ein Geheimnis für sich behalten. "Aliens"
wandeln unter uns. "Sie haben in denselben Läden eingekauft, dieselben
Schulklassen besucht wie unsere Kinder und lebten scheinbar normale menschliche
Existenzen. Mit einer Ausnahme - sie gehören nicht hierher." Die Pointe folgt
erst am Ende: Mit den "Aliens" sind Migrant*innen ohne Papiere gemeint.
Die Seite ist bemerkenswert, weil sie zeigt, wie sich faschistische Ästhetik
gewandelt hat und ihre Propaganda doch gleich geblieben ist. Wie Marx schrieb,
ereignen sich alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen oder Personen zweimal:
einmal als Tragödie, das andere Mal als Farce. Bei Trump befinden wir uns
augenscheinlich bei der Farce.
So versuchten sich die Faschismen des 20. Jahrhunderts an einem Abklatsch
antiker Architektur und auch Trump setzt auf diese Bildsprache. Auch Trump setzt
auf diese Bildsprache - Triumphbögen, Goldverzierungen im Oval Office -,
allerdings in einer kitschigen Nouveau-Riche-Version. Auch das Auftreten des
ehemaligen Chefs der ICE-Behörde Gregor Bovino in seinem langen Militärmantel,
kombiniert mit einer dünnhaarigen 90-ger Gel-Stachel-Frisur ist ein
Paradebeispiel für diese Farce eines Fascho-Karnevals. Die Ästhetik wirkt wie
ein Fascho-Karneval. Die Propaganda und Ästhetik der trumpschen Farce ist von
schlechtem Geschmack durchtränkt - und doch wirkt sie.
Ein Wesenskern des Faschismus ist die Prophezeiung der revolutionären
Wiederauferstehung einer älteren, besseren Zeit - die Palingenese. Für Hitler
war es das Germanentum, für Mussolini das Römische Reich und in Österreich war
es der katholische Ständestaat. In den USA beschwört die MAGA-Bewegung die
Rückkehr der weißen Vorherrschaft und eine illiberale Gesellschaft.
Dieser urfaschistische Reflex äußert sich auch in dieser Propaganda-Website,
indem ihre Autor*innen sich beim "guten Alten" unserer Lebenserfahrung bedienen.
Und in der Postmoderne sind das eben nostalgische popkulturelle Anspielungen auf
"Star Wars", "Matrix" oder die "X-Files" - die neue Website ist ein postmoderner
propagandistischer Albtraum.
Berlin. Die Regierung erzählt die Geschichte irregulärer Migration wie einen
Alien-Invasionsfilm. Migrant*innen seien heimlich gekommen, hätten sich unter
die Bevölkerung gemischt und "scheinbar normale menschliche Existenzen" geführt.
Schon diese Formulierung verrät die eigentliche Botschaft. Die Betroffenen
werden nicht als Menschen beschrieben, sondern als Wesen, die nur menschlich
erscheinen.
Eine Karte zeigt ICE-Festnahmen wie Treffer in einem Videospiel. Die
Besucher*innen sind dazu eingeladen verdächtige "Aliens" direkt bei der Behörde
melden. Ein Newsletter informiert über "Alien-Begegnungen in Ihrer Umgebung".
Abschiebung werden zu einem interaktiven Jagdspiel.
Genau darin liegt die eigentliche Gefahr der Farce. Die Website macht aus
politischer Verfolgung Unterhaltung. Sie gamifiziert Repression und vollzieht
den Schritt von Meme zur Realität. Die kitschige oder nostaligsch-lächerliche
Verpackung fungiert als Träger für menschenverachtende Botschaften. Menschen
werden zu Invasoren erklärt. Aus Nachbar*innen werden Verdächtige. Aus Menschen
werden "Aliens". Und wenn demnächst im Disneyland bei einer neuen Attraktion
Goofy wegen Vaterlandsverrat exekutiert werden kann, wird die Schlange so voll
gepackt sein, wie die ICE-Abschiebelager - nur mit lachenden statt weinenden
Kindern.
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