|
Hamburg (ots) - Medizinische Innovationen verbessern Versorgung und Forschung
rasant, doch regulatorische und geopolitische Entwicklungen setzen den
Gesundheitsstandort Deutschland unter Druck. Beim AstraZeneca-Medien-Event
"VORschung voraus - Gesundheit2030" diskutierten gestern Vertreter:innen aus
Wissenschaft, GKV und Industrie, wie sich Innovationskraft,
Versorgungssicherheit und Gesundheitssouveränität stärken lassen.
Die Debatte fällt in eine Phase gesundheitspolitischer Weichenstellungen. Das
GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz soll die GKV-Finanzierung sichern,
zugleich wachsen Sorgen um Folgen für Forschung, Investitionen und den Zugang zu
medizinischer Innovation. Bereits über 30 Prozent [1] der in den USA verfügbaren
neuen Medikamente werden nicht mehr in Europa zur Zulassung gebracht. Weitere
Regulatorien könnten Deutschland für die Einführung neuer Therapien
unattraktiver machen. Zugleich verschärft sich der globale Wettbewerb um
Forschung und Investitionen, auch durch Modelle wie "Most Favored Nation" in den
USA. Im Wettbewerb um klinische Forschung hat Deutschland an Tempo gewonnen, hat
aber weiter Verbesserungsbedarf.
Medizinischer Aufbruch
"Gleichzeitig erlebt die Medizin derzeit eine Innovationswelle, die sowohl die
Patient:innenversorgung als auch die Forschung grundlegend verändert", sagt
Alexandra Bishop, Geschäftsführerin von AstraZeneca Deutschland. AstraZeneca
treibt derzeit eine breit aufgestellte Pipeline neuer therapeutischer Ansätze
voran und verfolgt das ambitionierte Ziel, bis 2030 20 neue Medikamente auf den
Markt zu bringen. Für Bishop ist damit zugleich eine strategische Frage
verbunden: Wird Deutschland als Wissenschaftsstandort eine führende Rolle
einnehmen oder zunehmend von Innovationen abhängig werden, die andernorts
entwickelt werden? "Neben exzellenten Universitäten, international anerkannter
Forschung und industrieller Expertise brauchen wir international
wettbewerbsfähige und verlässliche Rahmenbedingungen, die eine begründete
Erwartung schaffen, dass medizinische Innovationen die Patient:innen in
Deutschland schnell erreichen. Nur dann werden innovative Forschung
einschließlich klinischer Studien weiterhin in Deutschland stattfinden und neue
innovative Arzneimittel verfügbar gemacht."
Wo geforscht wird, wird früher behandelt
In der Onkologie zeigt sich aktuell besonders, wie stark Patient:innen von
medizinischen Innovationen profitieren können: "In den vergangenen zwanzig
Jahren ist es gelungen, die Krebssterblichkeit kontinuierlich zu senken. Bei
Brustkrebs erreichen wir heute teilweise Fünf-Jahres-Überlebensraten von über
neunzig Prozent [2]", sagt Dr. Niko Andre, Head of Oncology & Hematology bei
AstraZeneca Deutschland. "Noch vor wenigen Jahrzehnten hätten viele dieser
Patient:innen nicht überlebt." Personalisierte Therapien wie die hochinnovative
CAR-T-Zell-Therapie eröffnen heute ganz neue Behandlungsmöglichkeiten von Krebs.
"Wenn wir wollen, dass Deutschland bei Zelltherapien wie der CAR-T-Zell-Therapie
und anderen Zukunftstechnologien eine führende Rolle spielt, müssen wir
Forschung als Teil der Versorgung begreifen und Versorgung als Voraussetzung für
Forschung verstehen", erklärt Andre.
Geopolitischer Wettlauf um die Gesundheitssouveränität
Mit dem medizinischen Fortschritt wächst auch der Wettbewerb. Die USA
investieren massiv in KI, Biotechnologie und Datenmedizin, China baut
strategisch Produktions-, Forschungs- und Datenkapazitäten auf. Europa droht im
internationalen Vergleich dagegen an Tempo zu verlieren. Dr. Jasmina Kirchhoff
vom Institut der deutschen Wirtschaft sieht darin längst mehr als eine reine
Kostendebatte. "Deutschland unterschätzt, wie stark nationale
Preisentscheidungen inzwischen globale Innovationsströme beeinflussen." Wenn die
USA künftig europäische Preise stärker referenzieren, steige weltweit der Druck
auf Forschung, Investitionen und frühe Produkteinführungen. "Gesundheitspolitik
ist längst auch Technologie-, Industrie- und Geopolitik." Entscheidend seien nun
wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, weniger regulatorische Komplexität und eine
bessere Datennutzung.
Tessa Wolf, Head Corporate Affairs bei AstraZeneca Deutschland, betont, dass die
Branche Arbeitsplätze schafft, erheblich zum Bruttosozialprodukt beiträgt und
Gesundheitssysteme langfristig effizienter machen kann. Studien prognostizieren
zudem indirekte volkswirtschaftliche Effekte medizinischer Innovationen von rund
17,5 Milliarden Euro pro Jahr [3].Dafür brauche es Planungssicherheit und ein
Erstattungssystem, das sich stärker am medizinischen Nutzen orientiere.
Finanzierbarkeit und Systemstabilität
Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, verweist dagegen auf
die Bedeutung finanzieller Stabilität und gesellschaftliche Akzeptanz. Der
Spagat zwischen Kostendämpfung, Versorgungssicherheit und Innovationsfähigkeit
lasse sich nicht ausschließlich mit kurzfristiger Sparpolitik, wie jetzt im
GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgesehen, lösen. "Wenn der Staat seinen
eigenen Finanzierungsbeitrag reduziert, entsteht eine gravierende
Glaubwürdigkeits- und Akzeptanzlücke", so Storm. "Die Finanzlast muss fair auf
alle Leistungsbereiche verteilt werden. Selbstverständlich muss auch der
Pharmabereich einen angemessenen Sparbeitrag leisten." Allerdings reichten
Kürzungen allein zur Konsolidierung nicht aus: Gefragt seien auch nachhaltige
Strukturreformen - etwa mehr Ambulantisierung, eine sektorenübergreifende
qualitätsgesicherte Versorgung sowie Investitionen in Prävention und
Digitalisierung.
Weichenstellungen für die Zukunft
In einem Punkt sind sich die Referent:innen einig: Die gesundheitspolitischen
Entscheidungen der kommenden Jahre reichen weit über die Versorgung hinaus und
prägen Deutschlands Rolle 2030 im Wettbewerb um Forschung, Technologie und
medizinische Innovation. Gesundheitspolitik wird damit zum strategischen Faktor
für wirtschaftliche Stärke, technologische Souveränität und gesellschaftliche
Resilienz. Dafür braucht es schnellere Prozesse, verlässliche Rahmenbedingungen
und den politischen Willen, Innovation, Versorgungssicherheit und
Finanzierbarkeit gemeinsam voranzubringen. Weitere Informationen entnehmen Sie
bitte unserer Pressemappe:
https://az.box.com/s/nmpjc8xrdz9el1jy6hb0tjl1we45xq86
Referenzen
1. CRA, vfa: Innovationsrückstand bei Arzneimitteln. Warum Europa den Anschluss
verliert, April 2026: https://www.vfa.de/de/gesundheit-versorgung/amnog/innov
ationsrueckstand-arzneimittel-eu-usa
2. Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut (Hrsg.). Krebs in
Deutschland 2025 (Report). Letzter Aufruf am 29. Mai 2026. https://www.krebsd
aten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschl
and_2025.pdf?__blob=publicationFile
3. Prognos: Effizienzpotentiale von Innovationen für das Gesundheitswesen,
November 2025: Effizienzpotenziale iGW (https://www.prognos.com/sites/default
/files/2026-03/20251030_iGW_Effizienzpotenziale_Prognos_Bericht.pdf)
Pressekontakt:
Sabine Reinstädler
Leitung PR & Kommunikation, AstraZeneca GmbH
Friesenweg 26
22763 Hamburg
Tel.: +49 40 8080 57934
E-Mail: mailto:sabine.reinstadler@astrazeneca.com
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/18044/6288262
OTS: AstraZeneca GmbH
|