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München (ots) - Die 364 bayerischen Energiegenossenschaften im
Genossenschaftsverband Bayern (GVB) blicken auf ein durchwachsenes Geschäftsjahr
2025 zurück. Während Photovoltaik- und Wärmegenossenschaften deutlich im Umsatz
zulegten, gab es im Bereich Windkraft starke Rückgänge. Insgesamt lagen die
Umsatz- und sonstigen Erlöse aller Energiegenossenschaften bei 433,6 Millionen
Euro und damit leicht unter dem Vorjahreswert von 441,7 Millionen Euro (-1,8
Prozent).
Die Photovoltaikgenossenschaften profitierten 2025 von überdurchschnittlich
vielen Sonnenstunden und steigerten ihre Erlöse um 10,7 Prozent auf 43,3
Millionen Euro. Auch die Wärmegenossenschaften verzeichneten ein kräftiges Plus:
Aufgrund einer langen Heizperiode sowie laufender Netz- und
Quartierserweiterungen kletterten die Erlöse um fast 33 Prozent auf 18,6
Millionen Euro.
Kommunale Wärmeplanung bietet große Chancen
"Im Zusammenspiel mit den Kommunen stecken besonders im Rahmen der Wärmeplanung
gewaltige Potenziale für Energiegenossenschaften", sagte Stefan Müller,
Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), am Mittwoch in München.
"Genossenschaften können Kommunen viel an Arbeit und Umsetzung abnehmen. Sie
liefern mehr als nur eine Planung", betonte er. Genossenschaften könnten
Bürgerinnen und Bürger unmittelbar am Ausbau und Erfolg erneuerbarer Energien
beteiligen und so zur schnellen Umsetzung von Projekten und zur Akzeptanz von
Photovoltaikanlagen oder Windrädern beitragen.
Schwaches Windjahr
Für die Windenergiegenossenschaften war das vergangene Jahr herausfordernd. Vor
allem schwache Windverhältnisse - es war eines der schwächsten Windjahre der
letzten 20 Jahre, mit einem Rückgang von rund 18 Prozent im Vergleich zu dem
bereits schwachen Windjahr 2024 - führten zu einem deutlichen Rückgang der
Erlöse um 53,3 Prozent auf 3,3 Millionen Euro. Bei den Genehmigungen von
Windenergieanlagen in Bayern gab es allerdings eine positive Entwicklung. Eine
Reihe von Energiegenossenschaften ist dabei, neue Windenergieanlagen zu planen
oder sich an neuen Anlagen zu beteiligen, so dass sich in den kommenden Jahren
hier deutlich höhere Umsätze ergeben werden. Auch im Bereich Energieversorgung
fiel das Ergebnis moderater aus (-3,9 Prozent auf 337,4 Millionen Euro), unter
anderem infolge gestiegener Großhandelsstrompreise und gleichzeitig gesunkener
Endkunden-Strompreise. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft in Bayern verzeichnete
im Jahr 2025 ebenfalls einen Rückgang und erreichte den niedrigsten Stand seit
etwa 20 Jahren. Da viele genossenschaftliche Energieversorger eigene
Wasserkraftanlagen betreiben, waren sie davon ebenfalls betroffen. Insgesamt
zeigt sich: Die Erlösentwicklung der Energiegenossenschaften ist nach wie vor
von Witterung, Marktbedingungen und regulatorischen Rahmenbedingungen abhängig.
"Energiegenossenschaften stehen für eine Energiewende, die vor Ort getragen wird
- von Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen und regionalen Unternehmen", sagte
Müller. Das belegten auch 18 Neugründungen von Energiegenossenschaften im
vergangenen Jahr. "Sie investieren langfristig, übernehmen Verantwortung für
regionale Wertschöpfung und sorgen für Akzeptanz in der Fläche. Gerade deshalb
brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen."
Hohe Investitionsbereitschaft trotz Herausforderungen
Trotz der Herausforderungen bleibt die Branche investitions- und
zukunftsorientiert. Zahlreiche Projekte - insbesondere im Bereich Photovoltaik,
Nahwärme und weiterer erneuerbarer Erzeugung und in zunehmendem Maße ergänzt
durch Speicherung - befinden sich derzeit in Planung oder Projektierung. Dabei
sind die Vorlaufzeiten oft lang, etwa durch Genehmigungsverfahren oder
Netzanschlussfragen. Gleichzeitig sehen die Genossenschaften wachsenden Bedarf,
etwa bei der kommunalen Wärmeplanung, wo sie vielerorts Aufgaben übernehmen
können.
Mit Blick auf angekündigte politische Änderungen warnt der GVB vor einem Knick
beim Ausbau erneuerbarer Energien. Die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina
Reiche und Bundesnetzagentur geplanten Reformvorhaben zum Netzanschluss sowie
zum Erneuerbare-Energien-Gesetz könnten Investitionen nicht nur bremsen, sondern
Projekte gänzlich unwirtschaftlich machen. "Es wäre ein verheerendes Signal,
wenn die Defizite beim Netzausbau nun auf dem Rücken derjenigen ausgetragen
würden, die die Energiewende seit Jahren praktisch umsetzen", so Müller. "Was
wir jetzt brauchen, sind klare Anreize für einen schnellen Netzausbau, nicht
zusätzliche Risiken für neue Projekte, sowie weiterhin Bestandsschutz für
bestehende Anlagen."
Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften insgesamt
Die Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften im GVB haben sich 2025 insgesamt
robust entwickelt. Über alle Sparten hinweg erzielten sie Umsatz- und sonstige
Erlöse von rund 19 Milliarden Euro und legten damit im Vergleich zum Vorjahr
(17,1 Milliarden Euro) deutlich zu. Besonders positiv entwickelten sich neben
den Energiegenossenschaften unter anderem ländliche Waren- und
Dienstleistungsgenossenschaften sowie Genossenschaften aus den Bereichen
Dienstleistung, Handel und Soziales, während einzelne Bereiche weiterhin von
Struktur- und Marktveränderungen geprägt sind. Die Ergebnisse unterstreichen die
wirtschaftliche Bedeutung der Genossenschaften als stabiler Pfeiler der
regionalen Wirtschaft in Bayern.
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