|
Uslar (ots) - Neue Webseite (https://kommission.familienwerk.de/) bietet ab
sofort Informationen zu Unterstützungsleistungen und ermöglicht Betroffenen eine
vertrauliche Kontaktaufnahme.
Das Albert-Schweitzer-Familienwerk Niedersachsen erweitert seine Maßnahmen zur
Aufarbeitung früherer Gewaltvorfälle und schafft ein neues Hilfsangebot für
Betroffene. Parallel zur bereits laufenden wissenschaftlichen Aufarbeitung durch
das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München nimmt am
17. Juni 2026 eine unabhängige Unterstützungskommission ihre Arbeit auf.
Hintergrund sind Fälle sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt, die
sich insbesondere in den 1970er-, 1980er- und 90er Jahren unter dem Dach des
Albert-Schweitzer-Familienwerks ereignet haben. Nach internen Recherchen des
Trägervereins sowie auf Grundlage von Berichten Betroffener wurden entsprechende
Vorfälle aus dem Albert-Schweitzer-Therapeutikum Holzminden, dem Kinderdorf Alt
Garge und dem Kinderdorf Uslar bekannt. Die wissenschaftliche Aufarbeitung durch
das IPP untersucht diese Vorfälle sowie weitere Zeiträume und soll dazu
beitragen, die Geschehnisse unabhängig aufzuarbeiten und daraus Erkenntnisse für
die Zukunft abzuleiten.
"Viele Betroffene tragen die Folgen des erlebten Unrechts bis heute mit sich",
sagt Martin Kupper, Vorstandsvorsitzender des Albert-Schweitzer-Familienwerks
Niedersachsen. "Die wissenschaftliche Aufarbeitung ist wichtig, braucht aber
Zeit. Mit der Unterstützungskommission wollen wir Betroffenen konkrete Hilfe im
Hier und Jetzt ermöglichen."
Betroffene können sich ab sofort über die neue Webseite der
Unterstützungskommission informieren und Kontakt aufnehmen. Die Kontaktaufnahme
ist vertraulich und auf Wunsch auch anonym möglich. Unabhängige Lotsinnen und
Lotsen stehen als erste Ansprechperson zur Verfügung. Sie informieren über das
Verfahren, beantworten Fragen und unterstützen Betroffene bei Bedarf bei allen
weiteren Schritten.
Das Angebot richtet sich an volljährige Menschen, die als Kind oder in der
Jugend in einer Einrichtung des Albert-Schweitzer-Familienwerks sexualisierte,
körperliche oder psychische Gewalt erfahren haben. Ziel ist es, individuelle
Unterstützungsleistungen zu ermöglichen, die sich an der persönlichen
Lebenssituation der Betroffenen orientieren. Dazu können beispielsweise
therapeutische Maßnahmen, Bildungsangebote oder andere unterstützende Leistungen
gehören.
Das Verfahren ist bewusst niedrigschwellig angelegt. Betroffene sollen
Unterstützung erhalten können, ohne ihre Erfahrungen umfassend belegen zu
müssen. Grundlage ist eine Plausibilitätsprüfung der geschilderten Erfahrungen.
Über die Unterstützungsleistungen entscheidet eine unabhängige Kommission, deren
Mitglieder nicht dem Albert-Schweitzer-Familienwerk angehören. Ihr gehören an:
- Judith Bernhard-Heenen, Rechtsanwältin und Mediatorin (Vorsitzende)
- Angela Marquardt, Mitglied im Betroffenenrat der Bundesregierung bei der UBSKM
(Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und
Jugendlichen); Mitarbeit in Aufarbeitungsprozessen und Kommissionen im Sport
- Ingo Fock, Verein gegen Missbrauch e. V., Göttingen
"Wir wissen, dass wir das erlittene Leid nicht ungeschehen machen können", sagt
Kupper. "Aber wir können Verantwortung übernehmen, zuhören, Anerkennung
ausdrücken und dort Unterstützung ermöglichen, wo sie gebraucht wird. Die
Unterstützungskommission ist ein weiterer wichtiger Schritt auf unserem Weg der
Aufarbeitung."
Weitere Informationen zur Unterstützungskommission, zu den Kontaktmöglichkeiten
sowie zu den unabhängigen Lotsinnen und Lotsen finden Interessierte unter:
https://kommission.familienwerk.de/
Der Postweg: Unterstützungskommission: c/o Rechtsanwältin Judith
Bernhard-Heenen, Briener Strasse 9-13, 47533 Kleve
E-Mail: Sekretariat der Unterstützungskommission:
mailto:sekretariat@kommission-familienwerk.de
Pressekontakt:
Jörg Grabowsky
Pressesprecher Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V.
Telefon: +49 (05571) 92 43 127
E-Mail: mailto:grabowsky@familienwerk.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/182789/6296588
OTS: Albert-Schweitzer-Familienwerk e. V.
|