|
Brüssel/Berlin (ots) - Führende Expert*innen aus den Bereichen Wissenschaft,
Philosophie, Recht und Veterinärmedizin sowie staatliche Stellen und
Tierschutzorganisationen fordern: Tierschutzreform jetzt!
Die EU-Kommission hatte bereits vor Jahren versprochen, die
Tierschutzgesetzgebung zu modernisieren sowie die Käfighaltung zu beenden. Doch
der zentrale Legislativvorschlag zum Tierschutz in landwirtschaftlichen
Haltungen liegt bis heute nicht vor. Ein breites
wissenschaftlich-institutionelles Bündnis aus 15 Organisationen und 33
renommierten Expert*innen - darunter der weltweit bekannte Tierethiker Prof.
Peter Singer und Prof. Anne Peters, Direktorin am Max-Planck-Institut für
Völkerrecht sowie mehrere Landestierschutzbeauftragte - hat einen Appell an
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gerichtet. Die gemeinsame
Forderung ist deutlich: Die EU muss handeln. Wissenschaft, Öffentlichkeit und
Markt sind längst weiter, während die EU-Politik noch immer zulässt, dass rund
300 Millionen Tiere in Käfige gesperrt werden.
Die Forderung des von der Tierschutzorganisation Animal Equality in Deutschland
initiierten Appells an Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen
Kommission, ist deutlich: Die EU muss ihr Versprechen, sogenannte Nutztiere
besser zu schützen und die Käfighaltung zu beenden, endlich in verbindliche
Gesetze verwandeln. Sechs Jahre nach der ersten Ankündigung liegt noch immer
kein einziges neues Gesetz vor - während rund 300 Millionen Tiere in der EU
weiter in Käfigen leiden.
Der Appell ist jetzt richtungsweisend: Die EU-Kommission veröffentlicht am 7.
Juli die Strategie zur Nutztierhaltung (Livestock Strategy). Sie wird die
Richtung vorgeben, ob der für das vierte Quartal 2026 geplante
Legislativvorschlag zum Tierschutz verbindliche Maßnahmen wie ein Käfigverbot
enthält.
Neben Animal Equality unterstützen 14 weitere Tierschutzorganisationen sowie 33
Expert*innen aus Veterinärmedizin, Rechtswissenschaften, Philosophie, Ethik,
Politikwissenschaft und Verhaltensbiologie den Appell. Neben den zahlreichen
Unterstützenden aus Deutschland, haben sich auch Expert*innen und Organisationen
aus der Schweiz, Österreich, Großbritannien und den USA dem Aufruf von Animal
Equality angeschlossen. Zu den prominenten Unterzeichnenden gehören unter
anderem der führende Tierethiker Prof. Peter Singer (Princeton
University/National University of Singapore), die international renommierte
Völkerrechtsexpertin Prof. Anne Peters (Direktorin am Max-Planck-Institut für
Völkerrecht), die aus den Medien bekannte Strafrechtlerin und
Verfassungsrichterin Prof. Dr. Elisa Hoven (Universität Leipzig),
Harvard-Absolventin Prof. Dr. iur. Charlotte E. Blattner (Universität Lausanne),
ebenso wie die Landestierschutzbeauftragten aus Bremen, Niedersachsen und
Hessen.
Ein Versprechen, das seit sechs Jahren nicht eingelöst wird
2020 kündigte die EU-Kommission im Rahmen der "Farm to Fork"-Strategie (Vom Hof
auf den Tisch) an, die Tierschutzgesetzgebung bis Ende 2023 umfassend zu
überarbeiten. 2021 folgte nach der erfolgreichen Europäischen Bürgerinitiative
"End the Cage Age" mit über 1,4 Millionen Unterschriften die konkrete Zusage,
die Käfighaltung schrittweise zu beenden - mit einem Legislativvorschlag bis
Ende 2023 und Inkrafttreten ab 2027. Diese Frist ist längst verstrichen. Die
EU-Kommission will am 7. Juli ihre EU-Livestock-Strategy zur
landwirtschaftlichen Tierhaltung vorstellen. Diese Strategie dürfte wichtige
Hinweise darauf geben, welche Richtung die Kommission für den im vierten Quartal
2026 geplanten Legislativvorschlag zum Tierschutz einschlägt - insbesondere, ob
dieser verbindliche Maßnahmen wie einen Ausstieg aus der Käfighaltung enthält.
Drei zentrale Forderungen an die EU-Kommission
Vor diesem Hintergrund fordert der Appell die Europäische Kommission auf, den
für das vierte Quartal 2026 geplanten Legislativvorschlag zur Überarbeitung der
EU-Tierschutzvorschriften fristgerecht vorzulegen und so auszugestalten, dass er
1. ein schrittweises Auslaufen der Käfighaltung vorsieht.
2. ein Verbot des Tötens männlicher Küken beinhaltet.
3. faire Wettbewerbsbedingungen im EU-Binnenmarkt sicherstellt, indem
Wettbewerbsverzerrungen zulasten von Betrieben und Marktakteuren, die bereits
in höhere Tierschutzstandards investieren, verringert und zugleich die
Angleichung von Anforderungen für Importe in die EU sowie wirksame Kontrollen
vorangebracht werden.
"Jeder Tag, an dem die EU-Kommission nicht handelt, bedeutet weiteres Leid für
Millionen fühlende Lebewesen in Käfigen - ohne Möglichkeit, sich zu bewegen oder
natürliches Verhalten auszuleben. Die Kommission weiß das und hat versprochen zu
handeln. Aber der gesetzliche Vorschlag liegt bis heute nicht vor. Das Problem
liegt nicht bei mangelnder Bereitschaft in der Gesellschaft oder Wirtschaft - es
liegt bei einer Politik, die den Willen ihrer Bürger*innen ignoriert und ihre
eigenen Versprechen nicht einhält."
- Vanessa Raith, Direktorin von Animal Equality Deutschland
Wissenschaft und Öffentlichkeit fordern Handeln
Die Unterzeichnenden des Appells betonen, dass der Handlungsbedarf längst nicht
mehr nur von Tierschutzorganisationen gesehen wird, sondern von Wissenschaft und
einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung getragen wird:
Wissenschaft: Die von der EU-Kommission selbst beauftragte Europäische Behörde
für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat in mehreren Gutachten (u. a. zu Schweinen,
Legehennen, Enten, Gänsen, Wachteln) klar festgestellt: Käfighaltung ist mit
erheblichem Tierleid verbunden und muss beendet werden. Zudem hat die EFSA auf
die Tierschutzbedenken im Zusammenhang mit Kükentöten hingewiesen und die
Entwicklung sowie den Einsatz von Alternativen empfohlen.
Öffentlichkeit: Die Europäische Bürgerinitiative "End the Cage Age" wurde 2019
von mehr als 1,4 Millionen Menschen unterstützt. 84 % der Europäer*innen fordern
laut Eurobarometer 2023 besseren Schutz für landwirtschaftlich genutzte Tiere.
In der öffentlichen Konsultation der Kommission (2025) sprachen sich von über
190.000 gültigen Antworten rund 99 % für ein Ende der Käfighaltung aus.
Einheitliche, verbesserte EU-Standards dringend notwendig
Gerade das Beispiel Deutschland macht deutlich, warum ein verbindlicher
EU-Rechtsrahmen dringend nötig ist: Deutschland hat aus Tierschutzgründen in
einzelnen Bereichen strengere nationale Vorschriften erlassen - etwa das Verbot
der konventionellen Käfighaltung in der Eierproduktion (2010), das Ende der
Kleingruppenhaltung (2025) oder das Verbot des Kükentötens (2022). Viele
Agrarbetriebe haben deshalb erheblich investiert und ihre Produktion umgestellt.
Auch große deutsche Lebensmittelhändler haben bereits öffentliche
Selbstverpflichtungen zu höheren Standards übernommen. Beispielsweise verkauft
die Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) seit 2021 kein Frischfleisch der niedrigsten
Haltungsform mehr; Aldi, Rewe und Lidl haben sich den Kriterien der Europäischen
Masthuhn-Initiative verpflichtet, die wissenschaftsbasierte
Tierschutzanforderungen für Hühnerfleisch festlegt.
Europäischer Wettbewerb: Deutschland im Nachteil
Ohne übergreifende und verbindliche Verbesserungsmaßnahmen werden die Betriebe,
die bereits stärker in den Tierschutz investiert haben, im europäischen
Wettbewerb benachteiligt. Deutsche Landwirt*innen, die in käfigfreie Haltung
oder Umbaumaßnahmen investiert haben, konkurrieren mit Betrieben in anderen
EU-Ländern, die weiterhin nach niedrigeren Standards produzieren. Hinzu kommen
Importe aus Drittstaaten, die ohne entsprechende Auflagen auf den EU-Markt
gelangen und preislich diejenigen unterbieten, die bereits höhere Standards
umsetzen. Diese Wettbewerbsverzerrung bestraft genau die Akteure, die
vorangegangen sind - und verhindert, dass auch andere nachziehen.
Dies führt auch dazu, dass auf nationaler Ebene der Tierschutz nur langsam und
inkonsequent voranschreitet. Nationale Alleingänge stoßen schnell an Grenzen,
wenn sie nicht durch EU-weite Standards flankiert werden. Betriebe fürchten
Wettbewerbsnachteile, Politik zögert mit strengeren Vorgaben. Das Ergebnis:
Trotz einiger Verbesserungen leben auch in Deutschland noch immer Millionen
Tiere unter tierschutzwidrigen Bedingungen.
Was fehlt, ist ein fairer, einheitlicher EU-Rechtsrahmen, der allen Betrieben
Planungssicherheit gibt und gleichzeitig das Leid der Tiere endlich wirksam
reduziert.
Der Tierschutzappell ergänzt die Kampagne "EU-Tierschutzreform - Jetzt!"
(https://animalequality.de/kampagne/kaefige/europaeische-kommission/) von Animal
Equality, die mit einem Offenen Brief für alle Bürger*innen und mit
kontinuierlichen Protestaktionen in Brüssel für strengere EU-Tierschutzgesetze
kämpft.
Wir stehen Ihnen jederzeit für weitere Informationen und Gespräche zur
Verfügung. Wenden Sie sich gerne an unseren Pressekontakt Till Hartmann via
E-Mail an mailto:presse@animalequality.de oder melden Sie sich telefonisch unter
+49 (0)176 3004 0892.
Folgende Inhalte stehen Ihnen in unserem Pressekit (https://drive.google.com/dri
ve/folders/1BeMqwVKomLNH1BSqj73zAhgnSSOsg8tj?usp=drive_link) zur Verfügung:
- Die vollständige Pressemitteilung
- Den kompletten Wortlaut des Tierschutzappells inkl. Liste aller knapp 50
Unterzeichnenden
- Beiblatt "Was bisher geschah"
- Bildmaterial
- Merkblatt zur Käfighaltung in der EU
- Merkblatt zur Kükentötung in der EU
- Vorstellung "Über Animal Equality"
Über Animal Equality
Animal Equality wurde 2006 von Sharon Núñez, Javier Moreno und Jose Valle in
Spanien gegründet und ist heute eine der weltweit effektivsten
Tierschutzorganisationen. Gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen
arbeiten wir in acht Ländern auf vier Kontinenten für eine Welt, in der alle
Tiere respektiert und vor Ausbeutung geschützt werden. Zudem unterstützt Animal
Equality mit der Plattform Love Veg (https://loveveg.de/) zahlreiche Menschen
bei ihrer Ernährungsumstellung und bietet unter anderem kostenfreie pflanzliche
Kochbücher an. Animal Equality setzt sich durch Aufklärungsarbeit,
Unternehmenskampagnen und die Veröffentlichung von Undercover-Recherchen dafür
ein, die Grausamkeit gegenüber landwirtschaftlich genutzten Tieren zu beenden.
Ebenso strebt Animal Equality Fortschritte für Tiere auf rechtlicher Ebene an.
Pressekontakt Animal Equality:
Animal Equality Germany e.V.
Till Hartmann
mailto:presse@animalequality.de
+49 (0)176 30040892
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/181638/6296873
OTS: Animal Equality Germany e.V.
|