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Berlin/Kyjiw (ots) -
- Kinder fordern Mitsprache bei Wiederaufbaumaßnahmen ein
- Programme zur psychologischen Betreuung unverzichtbar
- Gleiche Chancen für alle: Wiederaufbau soll ausnahmslos jedem Kind
zugutekommen
Vor der internationalen Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Danzig fordern Kinder
und Jugendliche in der Ukraine, dass ihre Rechte und Interessen in den
Mittelpunkt gestellt werden. In einem offenen Brief appellieren die 16
Mitglieder der Kinderberatungsgruppe von Save the Children an die teilnehmenden
Staats- und Regierungschef*innen, ihrem Recht auf Bildung, Wohnraum und
Gesundheitsversorgung bei den Maßnahmen Vorrang einzuräumen.
"Wir haben bei Kerzenschein gelernt. Wir saßen in Luftschutzbunkern statt in
Klassenzimmern. Einige von uns legten Prüfungen direkt nach einer Nacht ab, die
von Luftalarm unterbrochen wurde", schreiben die Kinder. Sie fordern einen
zuverlässigen Internetzugang und die nötige Ausstattung, um sich auf Prüfungen
vorbereiten können. Zudem drängen sie auf angemessenen Wohnraum für Kinder und
Jugendliche, die ihr Zuhause verloren haben, sowie auf den Ausbau
psychologischer und psychosozialer Unterstützung. Die 18-jährige Dasha sagt:
"Krieg hinterlässt Narben, die nicht immer sichtbar sind. Viele von uns brauchen
psychologische Unterstützung, um das Erlebte zu verarbeiten und weiterzumachen."
Die Kinder fordern echte Mitsprache in Form eines Jugendrates sowie Garantien
dafür, dass der Wiederaufbau ausnahmslos jedem Kind zugutekommt.
Vier Jahre nach der Eskalation des Krieges erleben Kinder in der Ukraine eine
sich verschärfende humanitäre Krise. Seit Februar 2022 wurden mindestens 3.500
Kinder getötet oder verletzt, und viele weitere sind Traumata, Verlust und
Unsicherheit ausgesetzt. In den mehr als 1.500 Kriegstagen wurden 3,9 Millionen
Menschen innerhalb des Landes vertrieben (https://ots.de/mezOGk) , darunter etwa
860.000 Kinder. Etwa 5,8 Millionen Menschen
(https://data.unhcr.org/en/situations/ukraine) flohen ins Ausland.
"Der Krieg hat ihnen die Kindheit geraubt und ihr Leben für immer verändert.
Jetzt ist es entscheidend, endlich die Bedürfnisse und Perspektiven der Kinder
in der Ukraine in den Mittelpunkt zu stellen. Kinder haben ein Recht darauf, den
Wiederaufbau ihres Landes mitzugestalten", sagt Florian Westphal,
Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, der zuletzt im Februar 2026
die Ukraine besuchte.
Save the Children fordert eine ausreichende Finanzierung der humanitären Hilfe
in der Ukraine sowie ein sofortiges Ende der Angriffe auf Zivilist*innen und
zivile Infrastruktur, darunter Wohnhäuser, Schulen und Krankenhäuser.
Save the Children ist seit 2014 in der Ukraine tätig. Seit Beginn des
landesweiten Kriegeshat die Kinderrechtsorganisation ihre Unterstützung für
Kinder und Familien deutlich ausgeweitet und mehr als 4,7 Millionen Menschen
erreicht, darunter mehr als 1,9 Millionen Kinder.
Hinweise an die Redaktion:
Der Brief in voller Länge:
Liebe Staats- und Regierungschefs der Welt,
ein Land kann nicht verlieren, wenn seine Kinder an es glauben. Und wir glauben
daran. Wir sind die Kinder und Jugendlichen der Ukraine. Und wir haben bereits
drei verschiedene Lebensabschnitte durchlebt. Wir erinnern uns an den Frieden.
Wir leben im Krieg. Und wir denken bereits über den Wiederaufbau nach. Denn wir
sind es, die hier leben werden. Wir werden hier träumen. Wir werden hier die
Zukunft gestalten. Und wir möchten, dass ihr uns zuhört.
Wir möchten euch einen Einblick in unseren Alltag geben. Wir haben bei
Kerzenschein gelernt. Wir saßen in Luftschutzbunkern statt in Klassenzimmern.
Einige von uns haben Prüfungen direkt nach einer Nacht abgelegt, die von
Luftschutzsirenen unterbrochen wurde. Manche sind aus ihrer Heimat geflohen und
wissen noch immer nicht, ob sie jemals zurückkehren werden. Einige von uns haben
Behinderungen, und für sie war jeder einzelne Tag doppelt so schwer. Manchmal
ist es sehr schwer, die Kraft zu finden, weiterzumachen. Manchmal wünscht man
sich einfach, dass jemand neben einem steht und sagt: "Alles wird gut." Aber wir
hören nicht auf. Wir machen weiter. Denn wir geben nicht auf.
Wir wissen, dass ihr Erwachsenen gerade darüber entscheidet, wie unser Land in
Zukunft aussehen wird. Aber wenn diese Entscheidungen ohne uns getroffen werden,
werden viele von uns einfach weggehen. Nicht, weil wir die Ukraine nicht lieben.
Sondern weil wir nicht das Gefühl haben werden, dass dieses Land auch unser Land
ist. Und dann wird niemand mehr da sein, um eine neue Gesellschaft aufzubauen.
Diejenigen, die gegen uns kämpfen, glauben, sie würden gewinnen. Aber sie haben
bereits verloren. Denn wir sind hier. Wir schreiben diesen Brief. Und wir geben
nicht auf.
Deshalb fordern wir konkrete Maßnahmen. Richten Sie einen Jugendrat für den
Wiederaufbau ein, damit unsere Stimme wirklich Gehör findet. Stellen Sie uns
zuverlässiges Internet und Lernmaterialien zur Verfügung, denn die Prüfungen
wurden zwar nicht abgesagt, aber Online-Unterricht ist nahezu unmöglich. Fördern
Sie Stipendien für ein Studium im Ausland. Starten Sie Programme zur
psychologischen Betreuung von Jugendlichen - sie sind für unser Wohlbefinden
unverzichtbar. Helft denen, die ihr Zuhause verloren haben; Wohnprogramme für
Jugendliche und Binnengeflüchtete sind von großer Bedeutung. Und stellt sicher,
dass der Wiederaufbau ausnahmslos jedem Kind zugutekommt. Macht Notunterkünfte
für Kinder mit Behinderungen zugänglich. Macht Schulen für alle zugänglich.
Stellt sicher, dass jedes Kind - unabhängig davon, ob es eine Behinderung hat,
sein Zuhause verlassen hat oder geblieben ist - gleiche Chancen hat. Denn
Wiederaufbau ohne Inklusion ist kein echter Wiederaufbau. Und unterstützt unsere
Kultur und Kreativität, denn ein geeintes Land beginnt mit einer geeinten
Jugend.
Ein Land kann nicht verlieren, wenn seine Kinder an es glauben. Wir glauben
daran. Von ganzem Herzen. Nehmt uns mit, und gemeinsam werden wir es schaffen.
Mit Liebe und Hoffnung,
die Kinder und Jugendlichen in der Ukraine
Über Save the Children
Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und
Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und
Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte
unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 100 Ländern tätig. Save
the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen.
Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und
sicher leben sowie frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können - seit
über 100 Jahren.
Pressekontakt:
Save the Children Deutschland e.V.
Pressestelle
Tel.: +49 (0)30 - 27 59 59 79 - 236
Mail: mailto:presse@savethechildren.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/106106/6301621
OTS: Save the Children Deutschland e.V.
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