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Unterschleißheim (ots) - Nierenschwäche und Nierenversagen zählen zu den
folgenschwersten chronischen Erkrankungen und entwickeln sich häufig schleichend
über viele Jahre. Die Ursachen sind oftmals Diabetes oder Bluthochdruck.
Wenn die Nieren ihre lebenswichtigen Funktionen nicht mehr ausreichend erfüllen
können, wird eine Nierenersatztherapie notwendig. Die Dialyse ist dabei ein
gängiges Verfahren, um Schadstoffe aus dem Blut zu entfernen und den Körper zu
entlasten. In Deutschland sind rund 100.000 - vor allem ältere Menschen - auf
eine solche Behandlung angewiesen. Neben der Hämodialyse im Dialysezentrum
stehen auch die Möglichkeit einer Behandlung zuhause - die Heimdialyse und hier
vor allem die Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse, PD) - sowie die Option einer
Nierentransplantation zur Verfügung. Von allen Organen, die versagen könnten,
sind die Nieren mit am besten behandelbar. Dank medizinischen Fortschritts
können Betroffene meistens noch viele Jahre weiterleben, im Falle einer
Bauchfelldialyse haben sie sogar kaum Mobilitätseinschränkungen.
Prof. Dr. Martin K. Kuhlmann ist ein führender deutscher Nephrologe und Chefarzt
am Vivantes Klinikum im Friedrichshain (Berlin). Er setzt sich intensiv für die
Früherkennung chronischer Nierenkrankheiten sowie die Etablierung von
Heimdialyseverfahren, insbesondere der Bauchfelldialyse, ein.
Herr Prof. Dr. Kuhlmann, wie lässt sich die Nierenfunktion messen?
Die Funktion der Nieren wird anhand der glomerulären Filtrationsrate, GFR,
beurteilt, die über die Kreatinin-Konzentration im Blut ermittelt wird.
Strukturelle Schäden lassen sich im Urin erkennen: Findet sich dort Albumin,
weist das auf eine Schädigung der Nierenfilter hin. Der wichtigste Marker im
Urin ist der Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR). Zusammen mit der GFR ermöglicht
er eine zuverlässige Früherkennung - wird jedoch noch viel zu selten eingesetzt.
Die Früherkennung von Nierenerkrankungen ist wichtig, um rechtzeitig behandeln
und das Fortschreiten aufhalten oder verlangsamen zu können.
Bei Nierenversagen denken viele Menschen an langwierige Blutwäsche in einem
Dialysezentrum. Ist die Bauchfelldialyse, die zuhause durchgeführt wird, genauso
sicher und gut anwendbar wie die Hämodialyse im Zentrum?
Wenn eine Bauchfelldialyse möglich ist - was bei über 50 Prozent der Patienten
der Fall ist - stellt sie eine gleichwertige Alternative dar. Sie bietet zudem
den Vorteil, dass sie flexibel zuhause oder im Alltag durchgeführt werden kann,
anstatt mehrmals pro Woche mehrere Stunden in ein Dialysezentrum zu gehen.
Wie funktioniert die Bauchfelldialyse?
Die Bauchfelldialyse nutzt das gut durchblutete Bauchfell als natürlichen
Filter. Dazu wird eine sterile Dialyselösung in den Bauchraum eingebracht, wo
Abfallstoffe und überschüssige Substanzen per Diffusion aus dem Blut in die
Lösung übergehen. Danach wird die verbrauchte Flüssigkeit mit den Schadstoffen
abgelassen und durch frische ersetzt. In der klassischen Form erfolgt dieser
Wechsel viermal täglich und dauert rund 30 Minuten. Die Lösung wird über einen
dauerhaft im Bauch platzierten Katheter ein- und abgeleitet, zwischen den
Wechseln bleibt sie im Bauch. Alternativ können die Wechsel der Lösung nachts
automatisch über ein Gerät (Cycler) erfolgen.
Für wen ist diese Versorgung geeignet?
Die Bauchfelldialyse ist ein für alle Altersgruppen geeignetes
Heimdialyseverfahren: Jüngere Patienten bevorzugen die Bauchfelldialyse, weil
sie dadurch unabhängiger leben können, und auch viele ältere Patienten nutzen
sie.
Welche Rolle könnte die Bauchfelldialyse künftig für ein nachhaltigeres, weniger
kostenintensives Gesundheitssystem spielen?
Patienten können die Behandlung selbstständig zuhause durchführen, was
angesichts des Fachkräftemangels entlastet und mehr Selbstbestimmung im Alltag
ermöglicht. Zudem verbessert sie oft Mobilität und Lebensqualität. Dialyse
bleibt jedoch insgesamt teuer (ca. 50.000 EUR pro Jahr und Patient). Bei der
Zentrumsdialyse entstehen zusätzlich Transportkosten durch regelmäßige Fahrten
ins Zentrum.
Wie verbreitet ist die Bauchfelldialyse bei uns?
Der Anteil liegt in Deutschland mit etwa sieben bis acht Prozent vergleichsweise
niedrig, andere Heimdialyseverfahren spielen praktisch keine Rolle. Anders ist
dies beispielsweise in Mexiko und Hongkong mit einem Anteil von 60 bis 75
Prozent. Aber auch in Deutschland steigen die Zahlen langsam. Moderne PD-Systeme
ermöglichen heute auch ein digitales Monitoring der Therapie aus der Ferne.
Wie verändert denn diese technologische Entwicklung die nephrologische
Versorgung?
Moderne Geräte für die nächtliche Bauchfelldialyse übertragen Behandlungsdaten
automatisch, sodass Ärzte frühzeitig Abweichungen erkennen und reagieren können.
Das erhöht die Sicherheit und ermöglicht eine kontinuierliche Betreuung auch aus
der Ferne. Zusätzlich finden regelmäßige persönliche Kontrolltermine statt.
Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung der Vantive Health
Germany GmbH , Unterschleißheim.
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