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Berlin (ots) - Der administrative Aufwand in Arztpraxen wächst seit Jahren und
bindet wertvolle Ressourcen. Digitale Lösungen können dazu beitragen, Prozesse
effizienter zu gestalten, medizinisches Personal zu entlasten und mehr Raum für
eine patientenorientierte Versorgung zu schaffen. Damit durchgängig digitale
Abläufe gelingen, reicht es jedoch nicht, einzelne Aufgaben, etwa
Terminvereinbarungen, Formulare oder Überweisungen zu digitalisieren.
Entscheidend sind verlässliche Grundlagen: eindeutige Identifikation, sichere
digitale Nachweise und interoperable Infrastrukturen. Denn Versichertendaten
müssen korrekt zugeordnet, Berechtigungen geprüft und sensible Gesundheitsdaten
kontrolliert weitergegeben werden können. An dieser Stelle setzt die EUDI-Wallet
an. Als digitale Brieftasche für das Smartphone soll sie ab 2027 einen
europaweit einheitlichen Rahmen für digitale Identitäten und Nachweise schaffen.
Für das Gesundheitssystem eröffnet das die Möglichkeit, sichere Identitäten und
vertrauenswürdige Nachweise in bestehende Infrastrukturen einzubinden - und
digitale Prozesse einfacher, sicherer und nutzerfreundlicher zu gestalten.
Janina Buchholz ist Expertin für Digitale Identitäten bei der Bundesdruckerei.
Sie hat im Rahmen von EU-Pilotprojekten für die Bundesregierung die Leitung der
nationalen Expertengruppe bestehend aus Bundesministerium für Gesundheit (BMG),
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Gematik GmbH und
Redcare Pharmacy verantwortet. Zudem hat sie mit ihrem Team der Bundesdruckerei
einen technischen Prototypen für die EUDI-Wallet entwickelt.
Frau Buchholz, was kann die EUDI-Wallet im Gesundheitswesen leisten?
In der Bundesdruckerei haben wir die gesamte Nutzerreise im Gesundheitswesen
betrachtet, Potenziale der EUDI-Wallet identifiziert und diese Ende-zu-Ende
prototypisch entwickelt - von der Anmeldung in der Arztpraxis über Telemedizin
bis hin zur Einlösung von eRezepten. Versicherte registrieren sich dabei mittels
EUDI-Wallet in der App ihrer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung.
Anschließend laden sie ihre digitale Gesundheitsidentität samt Stammdaten in die
Wallet und verifizieren sich per QR-Code oder NFC in der Arztpraxis. Die
Versichertendaten werden sicher an das Praxisverwaltungssystem übertragen,
können aber auch für eRezepte in Apotheken genutzt werden - sogar EU-weit.
Entscheidend für uns als Technologieunternehmen des Bundes ist dabei neben der
sicheren Datenübermittlung auch die nachhaltige Integration in die heterogene
Systemlandschaft des Gesundheitswesens. Unser Prototyp zeigt, wie sich die
EUDI-Wallet in die vorhandene Telematikinfrastruktur, Praxisverwaltungssyteme,
Kartenlesegeräte und Konnektoren einbinden lässt - mit geringem
Anpassungsaufwand und echtem Mehrwert für alle Beteiligten.
Welche konkreten Vorteile bietet die EUDI-Wallet im Praxisalltag gegenüber der
heutigen Gesundheitskarte?
Digitale Identitäten sind zentraler Hebel für effizientere Prozesse und
Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen, doch die bisherige Verbreitung
nationaler Lösungen wie der GesundheitsID ist mit einstelliger Nutzungsquote
sehr gering. Zugleich ist der Aufbau dieser Infrastruktur technisch und
finanziell aufwendig und bislang nur begrenzt nutzerfreundlich.
Ab 2027 soll die EUDI-Wallet allen Bürgerinnen und Bürgern als kostenloses,
interoperables und standardisiertes Identifizierungsmittel zur Verfügung stehen.
Entlang der Versorgungskette integriert, kann sie medienbruchfreie und
einheitliche Prozesse ermöglichen.
Für den Praxisalltag würde das bedeuten: Patientinnen und Patienten melden sich
komfortabel per Smartphone an, Praxen sparen Zeit und arbeiten mit verifizierten
Daten. Kostenträger senken Kosten und steigern ihre Effizienz - durch schlankere
Infrastruktur und optimierte Prozesse.
Wie bleiben Datenschutz und Datensouveränität bei der Nutzung der Wallet
gewährleistet?
Gerade im Gesundheitswesen ist Vertrauen entscheidend. Datenschutz und
-souveränität sind wesentliche Prinzipien der EUDI-Wallet: Nutzende sollen ihre
Daten stets selbstbestimmt weitergeben können. Verschlüsselung, Datenminimierung
und der dezentrale Ansatz sollen sensible Informationen schützen. Der
europäische Rechtsrahmen rund um eIDAS und DSGVO, einheitliche
Zertifizierungsschemata sowie das zugrunde liegende Vertrauensmodell schaffen
Sicherheit und Vertrauen.
Was ist mit Personen, die kein Smartphone besitzen?
Nicht jeder verfügt über ein Smartphone oder fühlt sich sicher im Umgang mit
digitalen Anwendungen. Daher muss die EUDI-Wallet inklusiv gestaltet werden.
Analoge Alternativen sollten weiterhin bestehen, um niemanden von der Versorgung
auszuschließen.
Klar ist aber auch: Um die EUDI-Wallet entsteht ein Ökosystem, das
Identifizierung und digitale Nachweise europaweit nutzbar macht. Mit jedem
weiteren Anwendungsfall steigt die Attraktivität ihrer Nutzung - für Bürgerinnen
und Bürger, Verwaltung und Wirtschaft.
Mehr Informationen zur Bundesdruckerei unter: https://www.bundesdruckerei.de/de
Pressekontakt:
N: Marc Thylmann, Pressesprecher der Bundesdruckerei GmbH
T: +49 (0)30 25 98 - 28 10
E: mailto:marc.thylmann@bdr.de
W: https://www.bundesdruckerei.de/?etcc_cmp=EUDI&etcc_med=HB_Online
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/14611/6301693
OTS: Bundesdruckerei Gruppe GmbH
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