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Sperrfrist: 28.06.2026 18:00
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Köln (ots) - Düsseldorf (ots) - Mitglieder eines privaten Rettungsdienstes in
Duisburg sollen laut WDR-Recherchen mit Patientinnen und Patienten unmenschlich
umgegangen sein. Sie sollen hilflose und bewusstlose Personen fotografiert und
verhöhnt haben. In einem Fall soll eine Frau sogar bewusst gefährdet worden
sein.
Die Vorwürfe richten sich gegen Mitarbeiter des privaten
Rettungsdienstunternehmens Falck, die auf der Feuerwache 3 in Duisburg im
Einsatz sind oder waren. Das WDR-Magazin Westpol und das Landesstudio Duisburg
haben über Monate zu diesen Vorwürfen recherchiert und mit Zeugen gesprochen,
die die Angaben bestätigen.
Demnach soll sich auf der Wache ab April 2025 eine Gruppe von fünf
Falck-Mitarbeitern zusammengefunden haben, die sich selbst "HiLo-Gruppe" genannt
habe. "HiLo" ist im Rettungsdienst die Abkürzung für "hilflose Person".
"Die haben Patienten, die sauerstoffpflichtig sind, die Treppe runtergehen
lassen ohne Sauerstoff, weil der unten im Auto war", beschreibt es der
Rettungsdienstler Paul (Name geändert), "Patienten, die eigentlich hätten
getragen werden müssen, mussten die Treppe runterlaufen, weil ein Kollege dann
gesagt hat: Ich habe heute schon mal getragen, jetzt ist Schluss." Patienten
sollen auch rassistisch beleidigt worden sein.
Falck, ein dänisches Unternehmen und im Auftrag der Stadt Duisburg dort im
Rettungsdienst tätig, bestätigt auf WDR-Anfrage, dass solche und ähnliche
Vorwürfe intern gemeldet worden sind. Man sei diesen auch nachgegangen, sie
hätten sich aber "nicht ausreichend erhärten lassen". Und weiter: "Wir sind im
Zuge unserer Untersuchungen an die Grenzen dessen gestoßen, was uns als
Unternehmen mit eigenen Mitteln möglich ist."
Die Staatsanwaltschaft, die andere Ermittlungsbefugnisse hätte, wurde vom
Unternehmen nicht eingeschaltet. Diese prüft mittlerweile nach anonymen
Hinweisen, ob sie Ermittlungen aufnimmt.
Wie dem WDR mehrere Insidereidesstattlich versichern, geht es auch um mögliche
Straftaten: Falck-Mitarbeiter sollen Fotos von Patientinnen und Patienten
gemacht haben und hätten diese über Privathandys geteilt und auf der Wache
herumgezeigt. Es seien auch Genitalien und Wunden fotografiert worden, und sogar
Menschen, die sich das Leben genommen hatten.
Als besonders schockierend beschreiben mehrere Team-Mitglieder einen Tag im Juli
2025. "Da wurde ich von einem Kollegen empfangen, der mir ein Foto eines
Einsatzes aus der Nacht zeigt, wo er eine adipöse, sehr dicke Patientin, die
medizinisch versorgt wurde, im Bett fotografiert hat", erinnert sich Sören (Name
geändert), ein anderer Falck-Mitarbeiter, "das war wirklich herabwürdigend, das
war menschenunwürdig." Der Transport der Frau soll wegen ihres Gewichts extrem
aufwändig gewesen sein. "Da fielen dann so Sätze wie: das dicke, fette Vieh
wollte einfach nicht verrecken", erinnert sich Paul.
Am selben Tag sei auch das Foto einer anderen Patientin herumgezeigt worden, die
drogensüchtig sei und regelmäßig transportiert werden müsse. Eine Aufnahme, die
diese Situation zeigen soll, liegt dem WDR vor. Es sei geprahlt worden: Diese
Patientin habe man bei einer früheren Fahrt hinten auf dem Sitz statt der Liege
transportiert - und sie dabei bewusst nicht angeschnallt. Dann soll absichtlich
gebremst worden sein. Die Frau sei dann vor das Staufach geknallt, das dem Sitz
gegenüber liegt. "Da wurde bewusst kalkuliert, dass sich diese Patientin schwer
verletzt", sagt Sören.
Falck schreibt auf WDR-Anfrage, man habe auch gemeinsam mit dem Auftraggeber,
der Stadt Duisburg, "alle verfügbaren Mittel eingesetzt, um den Sachverhalt
intern aufzuklären". Über das "anonyme Whistleblower-System" oder auch die
"Meldekanäle der Stadt Duisburg" seien aber keine "Hinweise zu den beschriebenen
Vorwürfen bei uns eingegangen".
Doch die Stadt Duisburg kritisiert diese Stellungnahme von Falck scharf. Erst im
Mai 2026 habe Falck die Stadt erstmals über "interne Gerüchte bezüglich
Anfertigung von Fotodokumenten" informiert. In diesem Gespräch habe der
Geschäftsführer mitgeteilt, dass es bereits seit Oktober 2025 "Gerüchte" im
Unternehmen über Verfehlungen gebe. Die Stadt stellt klar: "Die bisherige
Mitteilung, dass die interne Prüfung bislang keine Bestätigung der Vorwürfe
ergeben habe, reicht nicht aus."
Falck hat inzwischen eine Anwaltskanzlei mit einer "umfassenden
Compliance-Untersuchung" beauftragt. Diese befrage "Zeugen sowie potenziell
betroffene Personen" und werte Dokumente aus. Eine "abschließende Bewertung" sei
"derzeit noch nicht möglich". Einer der beschuldigten Mitarbeiter hat im
Frühjahr das Unternehmen verlassen. Ein anderer wurde jetzt, nach der Anfrage
des WDR, entlassen.
Programmhinweis: Westpol, 28.06.2026, 19:30 Uhr im WDR Fernsehen.
Pressekontakt:
WDR Landespolitik
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/179961/6303789
OTS: WDR Newsroom
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