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Wiesbaden (ots) - Wildtierschutz Deutschland: Landesregierung in Wiesbaden plant
Wolfsjagd ohne wissenschaftliche Grundlage
Mit scharfer Kritik reagiert Wildtierschutz Deutschland auf den von der
Hessischen Landesregierung veröffentlichten Wolfsmanagementplan. Nach Auffassung
der Naturschutzorganisation verstößt der Plan in wesentlichen Punkten gegen die
Vorgaben der FFH-Richtlinie und gefährdet den ohnehin noch kleinen Wolfsbestand
in Hessen.
Zwar wurde der Wolf auf europäischer Ebene inzwischen in Anhang V der
FFH-Richtlinie eingestuft. Damit sind unter bestimmten Voraussetzungen jagdliche
Eingriffe grundsätzlich möglich. Der europäische Gesetzgeber hat jedoch
ausdrücklich festgelegt, dass jede Entnahme nur zulässig ist, wenn der günstige
Erhaltungszustand der Population dauerhaft gewährleistet bleibt. Genau diesen
Nachweis bleibt die Landesregierung schuldig.
Besonders problematisch ist die vorgesehene Möglichkeit, jährlich bis zu 40
Prozent der Jungwölfe eines Rudels zu töten. Weder liefert der Managementplan
eine wissenschaftlich belastbare Herleitung dieser Quote, noch wird
nachvollziehbar dargelegt, weshalb ausgerechnet eine derart hohe Entnahme mit
der langfristigen Sicherung der hessischen Wolfspopulation vereinbar sein soll.
Dabei verschweigt der Managementplan einen entscheidenden Umstand: Hessen
verfügt nach wie vor nur über eine kleine, im Aufbau befindliche
Wolfspopulation. Jeder zusätzliche Abschuss wirkt sich dort erheblich stärker
aus als in Bundesländern mit deutlich größeren Beständen. Gerade deshalb
verlangt Artikel 14 der FFH-Richtlinie eine besonders sorgfältige
populationsbiologische Prüfung. Eine solche sucht man im Managementplan jedoch
vergeblich.
Ebenso fehlt der wissenschaftliche Nachweis, dass die geplanten Abschüsse ihr
erklärtes Ziel - die Verringerung von Nutztierrissen - überhaupt erreichen
können. Zahlreiche internationale Studien zeigen vielmehr, dass Eingriffe in
Wolfsrudel keineswegs automatisch zu weniger Übergriffen auf Weidetiere führen.
Durch die Zerstörung stabiler Rudelstrukturen können Konflikte sogar zunehmen.
Dennoch verzichtet die Landesregierung auf eine unabhängige
Schaden-Nutzen-Analyse und belastbare Wirksamkeitsprüfung ihrer Maßnahmen.
Der Managementplan legt darüber hinaus weder nachvollziehbare Schwellenwerte
fest, bei deren Unterschreiten Abschüsse ausgesetzt werden müssten, noch
beschreibt er ein adaptives Management, das auf neue wissenschaftliche
Erkenntnisse oder eine Verschlechterung des Erhaltungszustands reagieren würde.
Stattdessen sollen weitreichende Eingriffe ermöglicht werden, ohne deren
Auswirkungen auf die hessische Wolfspopulation wissenschaftlich abzusichern.
"Die Herabstufung des Wolfs bedeutet keinen Freibrief für eine politisch
motivierte Bejagung", erklärt Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz
Deutschland. "Die FFH-Richtlinie verpflichtet Hessen weiterhin, jede Entnahme
wissenschaftlich zu begründen und sicherzustellen, dass sich der
Erhaltungszustand der Population nicht verschlechtert. Genau diesen Nachweis
bleibt der Managementplan schuldig."
Nach Auffassung von Wildtierschutz Deutschland besteht deshalb ein erhebliches
Risiko, dass die vorgesehenen Maßnahmen den ohnehin fragilen Wolfsbestand in
Hessen weiter schwächen. Eine Bejagung auf Grundlage unzureichender
populationsbiologischer Daten widerspricht dem Vorsorgeprinzip des europäischen
Naturschutzrechts und könnte sich als rechtswidrig erweisen.
Wildtierschutz Deutschland fordert die Hessische Landesregierung auf, den
Managementplan grundlegend zu überarbeiten. Vor jeder jagdlichen Nutzung des
Wolfs müssen eine unabhängige populationsbiologische Bewertung, eine
wissenschaftlich belastbare Risikoanalyse sowie eine objektive Prüfung der
Wirksamkeit und Verhältnismäßigkeit der vorgesehenen Maßnahmen erfolgen.
"Wer den Wolf bejagen will, trägt die Beweislast", so Kauertz abschließend.
"Nicht Naturschutzverbände müssen nachweisen, dass Abschüsse schaden - die
Landesregierung muss belegen, dass sie dem Erhalt der Art nicht schaden. Diesen
Beleg bleibt sie bis heute schuldig."
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Über Wildtierschutz Deutschland e.V. (WTSD):
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