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Osnabrück (ots) - Angesichts des Umfragehochs der AfD und des Vertrauensverlusts
in die einstigen Volksparteien SPD und CDU in Deutschland warnt die Historikerin
Christina Morina im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz) davor,
sich im Kampf gegen den Rechtspopulismus blind auf staatliche Institutionen zu
verlassen. Zwar halte sie die deutsche Verfassungsordnung für "robuster und
wehrhafter als die der USA" und weniger anfällig für autoritäre Machtübernahmen,
weil das Parlament das Machtzentrum bilde, sagte Morina, die ein Jahr in den USA
gelehrt und über die Zeit ein Buch verfasst hat. Letztlich gebe aber nicht das
System, sondern das konkrete Verhalten der Bürger den Ausschlag.
"Hier hilft ein Blick Richtung USA: Dort gibt es eine über 250 Jahre gewachsene
zivilgesellschaftliche Einsatzbereitschaft und ein weit verbreitetes
Verantwortungsgefühl für das Gemeinwesen", sagte Morina im Gespräch mit noz. Für
die Bundesrepublik stelle sich daher die entscheidende Frage, ob es hierzulande
genügend Menschen gebe, die sich im Alltag aktiv für die liberale Demokratie und
die Werte des Grundgesetzes einsetzen. "Es reicht nicht, nur auf Parteien,
Verbote oder das Verfassungsgericht zu vertrauen. Es kommt auf die Breite der
Gesellschaft an und darauf, wie sie sich zu ihrer Ordnung verhält", mahnte die
Professorin der Universität Bielefeld.
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