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Wiesbaden (ots) - Richtige Ladung, falscher Lkw: Über sogenannte
Phantomfrachtführer schleusen sich Kriminelle in Transportabläufe und
unterschlagen ganze Warenladungen. Oft geht der Schaden in die Millionen. Die
Experten der KRAVAG Versicherung beobachten dabei neue Betrugsmaschen: Betrüger
hacken sich in die IT-Systeme der Speditionen.
Betrugsfälle durch sogenannte Phantomfrachtführer erreichen alarmierende
Ausmaße. "Die Fallzahlen sind in den vergangenen zwei Jahren rasant gestiegen",
sagt Alexander Gsell, Jurist bei der KRAVAG. Im Wochentakt erhält er neue
Meldungen betroffener Kunden. Schon 2025 verschwand laut Gesamtverband der
Versicherer rein rechnerisch jeden dritten Tag eine komplette Lkw-Ladung in
Deutschland. Die Schadensummen liegen dabei regelmäßig im sechsstelligen
Bereich, häufig sogar in Millionenhöhe. "Für die Speditionen, die einem Betrüger
aufgesessen sind, kommt zum Schaden noch die Gefahr eines Reputationsverlusts -
sie verlieren das Vertrauen ihrer Kunden, und damit Aufträge."
Das Vorgehen der Phantomfrachtführer ist ebenso dreist wie wirkungsvoll:
Kriminelle bewerben sich über Online-Frachtbörsen - eine Art digitaler
Marktplatz für Transportaufträge - um Frachten. Sie geben sich als seriöse,
bekannte Speditionen aus, lassen ihren Lkw beladen und verschwinden dann mit der
Ware. Längst geht es den Betrügern nicht mehr nur um Metalle wie Kupfer oder
Messing: "Von Elektronik bis hin zu Kleidung und Kaffee wird mittlerweile
eigentlich alles unterschlagen", sagt der KRAVAG-Transportexperte. "Damit ist
auch jeder Transport potenziell gefährdet."
Großteil der Fälle: gefälschte E-Mail-Adressen
Bisher setzten die Kriminellen vor allem auf Identitätsdiebstahl per E-Mail. Die
Betrugsmasche: Die E-Mail-Adresse einer renommierten Spedition wird minimal
verändert - ein zusätzlicher Buchstabe, ein vertauschtes Zeichen, ein
eingefügter Bindestrich. "Wer nicht ganz genau hinsieht, bemerkt die Täuschung
nicht", erklärt KRAVAG-Experte Alexander Gsell. Erforderliche Dokumente wie die
Versicherungsbestätigung oder EU-Lizenzen werden gefälscht. "Der Aufwand für die
Kriminellen ist sehr gering", weiß der KRAVAG-Jurist. Sie müssen dann nur noch
einen Auftrag ergattern und die Ladung mit dem Lkw abholen.
Auch die Branche hat dazugelernt: Erste Frachtbörsen bieten inzwischen
automatische E-Mail-Prüftools an, die E-Mail-Adressen verifizieren. Speditionen
schulen ihre Disponenten gezielter. Deswegen weichen die kriminellen Banden
jetzt auf neue Methoden aus. "Wir stellen fest, dass sich die Kriminellen
zunehmend in die IT-Systeme der Speditionen hacken", berichtet Alexander Gsell.
Sind die Kriminellen erst einmal im System, haben sie Zugriff auf den
E-Mail-Account. "Von diesem Account aus können sie Transportaufträge annehmen
und vergeben. Sie können sogar in den Frachtbörsen-Account eingreifen und
E-Mail-Adressen ändern. Andere haben dann keine Chance, zu erkennen, dass die
Spedition gehackt wurde und sie gar nicht mit dem echten Unternehmen
kommunizieren", sagt Gsell. Die bisherige Schutzmaßnahme - das genaue Prüfen der
E-Mail-Adresse - greift bei dieser Methode nicht.
Vor allem kleine Unternehmen sind gefährdet
Besonders gefährdet sind kleine Speditionen ohne eigene IT-Abteilung. Ihnen rät
KRAVAG-Experte Gsell, ihre Software-Systeme konsequent auf dem neuesten Stand zu
halten, alle Sicherheitsupdates zeitnah einzuspielen und aktuelle
Schadsoftware-Programme einzusetzen. Ebenso wichtig: "Mitarbeiter müssen
sensibilisiert werden, nicht vorschnell auf Links zu klicken oder unbekannte
Anhänge zu öffnen - denn häufig ist genau das das Einfallstor für die Hacker",
sag Gsell. Speditionen sollten ihre Mitarbeiter regelmäßig schulen und
verdächtige Vorgänge sofort hinterfragen.
Bei vielen innerdeutschen Warentransporten ist eine Versicherung Pflicht - die
sogenannte Verkehrshaftungsversicherung. Diese tritt ein, wenn die Ware
beschädigt, zerstört oder gestohlen wird. "Voraussetzung ist allerdings, dass
der Versicherte alle Obliegenheiten erfüllt. Er hat eine Mitwirkungspflicht",
erklärt der KRAVAG-Jurist. Dazu gehört beispielsweise, dass Dokumente und
E-Mail-Adressen gründlich geprüft werden. Ausführliche Tipps zur
Schadenverhütung gibt es hier. (https://www.kravag.de/dam/jcr:8eaaee9c-9908-4778
-b68f-8a8466446057/26-2900-001_03_25_FL_Phantomfrachtfuehrer_Flyer_DINA5_web.pdf
)
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Christina Orgnon
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OTS: KRAVAG
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