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Bonn (ots) - Am 15.Juli 1946 erreichte das US-Frachtschiff "American Ranger"
Bremerhaven. An Bord befanden sich rund 36.000 CARE-Pakete, die von dort aus an
die notleidende Bevölkerung in Deutschland verteilt wurden. Knapp 20 Kilogramm
schwer und gefüllt mit nahrhaften Lebensmitteln wie Milchpulver, Fett und Zucker
wurde das CARE-Paket für Millionen Deutsche zu einem Symbol für Menschlichkeit
und Hoffnung.
" Ich habe als kleiner Junge Bomben erlebt, Krieg und Hunger. Es war eine
verdammt harte Zeit und der Hunger spielte eine große Rolle. Irgendwann im
Herbst 1946 kam ich nach Hause, und es war ein CARE-Paket da. Darin waren Tee
und Kaffee, aber das Größte war das Fleisch in Dosen. Davon haben wir tagelang
gelebt", erinnert sich Franz Müntefering, Bundesminister und Vizekanzler a. D.
22 Wohlfahrtsverbände in den USA hatten sich zusammengeschlossen, um notleidende
Menschen in Europa zu unterstützen. Daraus wurde eine der weltweit größten
Hilfsaktionen und schließlich die internationale Hilfsorganisation CARE.
Insgesamt 100 Millionen CARE-Pakete wurden verschickt, davon zehn Millionen nach
Deutschland. Eine besondere Rolle spielten die Pakete auch während der Berliner
Luftbrücke: CARE leistete rund 60 Prozent der privaten Hilfe. Täglich gelangten
etwa 1.000 CARE-Pakete in die abgeriegelte Stadt - gefüllt mit Kleidung,
Werkzeugen und Lebensmitteln.
Anita Stapel aus Berlin erhielt 1949 ein CARE-Paket und erinnert sich : " Ich
war so dankbar, als ich fast verhungert war, dass wir dieses Paket bekamen. Ich
trug das Paket durch die ganze Stadt. Es war ja fast so schwer, wie ich selbst.
Es zu öffnen, war wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten auf einem Tag. Und dass
Menschen, die noch vor kurzem unsere Feinde waren, für uns spendeten und so ein
Paket schickten, das fand ich unglaublich."
Es gibt nur noch wenige Zeitzeug:innen, die sich an die Unterstützung erinnern,
die Deutschland in den Not- und Krisenzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten
hat. Dabei ist es heute wichtiger denn je, den humanitären Gedanken von damals
fortzutragen. Konflikte, Hunger, Armut und Vertreibung bringen immer mehr
Menschen in Not; über 117 Millionen sind weltweit auf der Flucht. Der globale
humanitäre Bedarf steigt, gleichzeitig geraten viele Krisen aus dem öffentlichen
Blickfeld - und Solidarität sowie Finanzierung von Hilfe und Unterstützung
nehmen massiv ab.
" Die weltweiten Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären
Hilfe verändern die Arbeit von Hilfsorganisationen grundlegend", sagt Prof. Dr.
Claudia Warning , Präsidentin von CARE Deutschland. "Nicht nur die USA, sondern
auch zahlreiche andere große Geber, darunter Deutschland, reduzieren ihre Mittel
massiv. Seit 2022 wurde der Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung um 27 Prozent gekürzt, die Mittel für humanitäre
Hilfe sogar um 70 Prozent."
Für Hilfsorganisationen wie CARE und ihre Partnerorganisationen in über 100
Ländern bedeutet das: Programme müssen gekürzt oder ganz eingestellt werden.
Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von CARE Deutschland , erklärt: "Besonders
dramatisch ist die Lage für lokale Partnerorganisationen, die wegen
ausbleibender Finanzierung schließen müssen. Damit bricht ein zentraler Teil des
Hilfssystems weg. Wie gefährlich das ist, zeigt der jüngste Ebola-Ausbruch in
der Demokratischen Republik Kongo: Wenn Gesundheitsstationen fehlen, werden
Ausbrüche später erkannt und Risiken für ganze Regionen steigen. Frauen und
Mädchen zahlen dabei oft den höchsten Preis. Schutz vor Gewalt, Versorgung
während Schwangerschaft und Geburt, Bildung und Unterstützung in Krisen sind
lebenswichtig - werden aber häufig als Erstes gestrichen. So gefährden die
Kürzungen nicht nur Leben, Gesundheit und Zukunftschancen heute, sondern
schaffen gerade in der Gesundheitsversorgung die Krisen von morgen."
Anlässlich des 80-jährigen Geburtstags des CARE-Pakets fordert CARE: Es braucht
eine Erneuerung der weltweiten Solidarität und Menschlichkeit sowie verlässliche
Unterstützung für Menschen in Not.
Hinweis für Redaktionen: Historisches und aktuelles Bildmaterial sowie
Informationen rund um die CARE-Pakete finden Sie hier (https://www.care.de/ueber
-uns/wir-sind-care/das-care-paket/80-jahre-care-paket-materialien-zu-geschichte-
solidaritaet-und-humanitaerer-hilfe/) (Verwendung mit Copyright: CARE
Deutschland). Auf Anfrage vermitteln wir Interviews mit
CARE-Paket-Empfänger:innen sowie Zeitzeug:innen.
CARE wurde 1945 gegründet, um Not und Hunger im Nachkriegseuropa zu lindern mit
mehr als 100 Millionen CARE-Paketen. Heute ist die Organisation in über 100
Ländern aktiv und unterstützt Menschen weltweit im Kampf gegen Armut mit dem
Schwerpunkt auf humanitärer Nothilfe, Geschlechter- und Klimagerechtigkeit. Seit
1980 ist CARE Deutschland e.V. mit Hauptsitz in Bonn - und einem Büro in Berlin
- Teil des internationalen CARE-Netzwerks.
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CARE Deutschland e.V.
Uta Gaiser-Hood
Mobil: +49 (0) 179 100 17 19
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OTS: CARE Deutschland e.V.
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