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Berlin (ots) - Martialisches ist geplant: Auf das Treffen vom Montagabend, bei
dem rund zwei Dutzend Unterstützerstaaten weitere Militärhilfen für die Ukraine
beschließen wollen, soll in Paris eine Parade der französischen Streitkräfte
folgen, wie es sie noch nie gegeben hat. 6800 Soldaten sollen aufmarschieren, 30
Prozent mehr Kampfjets, Panzer, Raketenwerfer und Co. ihre Stärke demonstrieren.
Die Teilnehmer des Gipfels der "Koalition der Willigen" werden dem Spektakel an
Frankreichs Nationalfeiertag beiwohnen, unter ihnen der ukrainische Präsident
Selenskyj und Bundeskanzler Merz.
Vor 2022 hätte wohl niemand geglaubt, dass es derart teure wie kindische
Machtdemonstrationen im aufgeklärten Europa jemals wieder geben würde. Stets
hatte die westliche Presse mit einer gewissen Faszination auf die martialischen
Moskauer Militärparaden geblickt - und sie vom Standpunkt des angeblich so viel
zivilisierteren Westens spöttisch kommentiert. Jetzt ist also auch die "freie
Welt" zurück im 20. Jahrhundert. Die Pariser Parade ist sichtbarster Ausdruck
einer regressiven Entwicklung, die von den Rüstungskonzernen befeuert wird.
Diplomaten spielen im außen- und sicherheitspolitischen Diskurs auch des Westens
keine Rolle mehr.
Stattdessen geht es immer nur um noch mehr Munition für Patriot-Raketenabwehr
und um Zigtausende Drohnen, die modern, weitreichend, tödlich und präzise und
vergleichsweise billig sind. Und an deren Weiterentwicklung nach praktischer
Erprobung auf dem Schlachtfeld im Osten man brennend interessiert ist. Aus der
vor allem für ukrainische und russische Soldaten zehntausendfach todbringenden
Logik scheint unter den Staats- und Regierungschefs, die im Élysée-Palast
zusammentrafen, niemand herauszuwollen.
Dass auch Putin im Kreml das nicht will, liegt auf der Hand. Die Fortsetzung des
Krieges hält ihn derzeit noch an der Macht. Dennoch wäre es am militärisch auch
ohne die derzeit laufende Aufrüstung überlegenen Westen, Verhandlungen
anzustoßen, um endlich das Leid der Soldaten in den Schützengräben dieses
furchtbaren Abnutzungskrieges zu beenden. Der hat mutmaßlich schon
Hunderttausende Leben gefordert; und weitere Hunderttausende sind lebenslang
versehrt. Sie haben Gliedmaßen, das Augenlicht, ihr Gesicht verloren, und das
mehr als ein Jahrhundert nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, aus dessen
Barbarei die Menschheit damals gelernt haben wollte.
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