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Fulda (ots) - Keine Frage: Zwei Männer können hervorragende Eltern sein -
womöglich sogar bessere als manche Mutter und mancher Vater, deren Nachwuchs
eher Unfall als Ergebnis eines bewussten Kinderwunsches ist. Im Hause Spahn
könnten die Voraussetzungen kaum besser sein: finanzielle Sicherheit, stabile
Verhältnisse und zwei Männer, beseelt vom Kinderglück. Und dennoch muss Jens
Spahn scharf für das kritisiert werden, was er und sein Ehemann getan haben.
Denn genau in seinem Verhalten liegt der Kern aller Politikverdrossenheit im
Land: dass Politiker anders reden, als sie handeln.
Auch Spahns Worte konnten nicht drastisch genug sein, wenn es darum ging,
Leihmutterschaft - für viele Paare die einzige Möglichkeit, Eltern zu werden -
zu verteufeln. "Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr
schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden", sagte der
CDU-Politiker vor einigen Jahren. Diese Haltung hat er öffentlich immer wieder
vertreten. Nun nimmt er genau den Weg in Anspruch, den er anderen moralisch
abgesprochen hat. Das ist heuchlerisch, scheinheilig und bigott.
Man könnte einwenden, der Vorgang, den er via "Bild" an die Nation adressierte,
sei Privatsache und gehe die Öffentlichkeit nichts an. Doch der 46-Jährige ist
kein Hinterbänkler, dem man gerne mal eine Position gegen die eigene Partei
verzeiht. Als Fraktionschef ist er einer der einflussreichsten CDU-Politiker,
der nun deutsches Recht mit Füßen tritt und den Wertekanon seiner Partei
verlässt. Denn mitnichten handelt es sich bei der Frage der Leihmutterschaft um
ein Thema, bei dem ein Politiker die Position beliebig wechseln kann wie die
Meinung zu einem Tempolimit. Hier geht es um essenzielle Fragen des Lebens, die
die Partei mit dem C im Namen sich und den Wählern klar beantwortet hat.
Die Rücktrittsforderungen gegen Spahn sind deshalb nicht aus der Luft gegriffen.
Der vom Volk gewählte Spahn sollte ebendiesem erklären, warum seine bisherige
Überzeugung für ihn nicht mehr gilt - und dann künftig in der Politik mit ganzer
Kraft für die Leihmutterschaft kämpfen. Oder er sollte sich zu Hause voll auf
den kleinen Georg konzentrieren. / Bernd Loskant
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