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Berlin (ots) - Ein falscher Klick reicht. Dann steht plötzlich die Produktion
still, Kundendaten sind weg oder die Buchhaltung kommt nicht mehr an ihre
Systeme. Cyberangriffe treffen längst nicht mehr nur Banken, Kliniken oder
internationale Konzerne. Auch Mittelständler geraten ins Visier. Gerade dort
finden Kriminelle oft einfache Einfallstore: alte Zugänge, schwache Passwörter,
unklare Zuständigkeiten.
Der Mittelstand unterschätzt dabei oft, wie professionell und gleichzeitig
simpel viele Angriffe heute ablaufen. Welche Angriffsmuster aktuell besonders
häufig auftreten und wie Firmen sich schützen können, erklärt dieser Beitrag.
Wer hinter den Angriffen steckt
Grundsätzlich lassen sich drei Gruppen von Angreifern unterscheiden, die den
Mittelstand ins Visier nehmen.
Zur ersten Gruppe zählen staatliche oder staatsnahe Akteure, deren Ziel Sabotage
ist. Sie versuchen, IT-Systeme außer Betrieb zu setzen, Geschäftsprozesse zu
stören oder kritische Infrastrukturen unbrauchbar zu machen. Daneben agieren
staatliche oder staatsnahe Gruppen, die vor allem an Informationen interessiert
sind. Sie möchten Know-how, Geschäftsgeheimnisse, technische Daten oder andere
sensible Informationen aus Unternehmen abgreifen.
Die dritte Gruppe bilden klassische Cybercrime-Organisationen. Ihr Motiv ist
finanzieller Natur. Häufig verschlüsseln sie Daten, entwenden Informationen oder
kombinieren beide Methoden. Anschließend setzen sie Unternehmen unter Druck -
entweder mit der Drohung, gestohlene Daten zu veröffentlichen, oder mit der
Forderung nach einem Lösegeld für die Wiederherstellung der Systeme.
Spear-Phishing wird immer überzeugender
Nach wie vor beginnt ein Großteil erfolgreicher Angriffe mit einer E-Mail.
Allerdings hat sich die Vorgehensweise in den vergangenen Jahren deutlich
verändert. Während klassisches Phishing oft leicht zu erkennen war, setzen
Angreifer heute zunehmend auf Spear-Phishing - also gezielt personalisierte
Nachrichten.
Dafür nutzen sie öffentlich verfügbare Informationen aus sozialen Netzwerken wie
LinkedIn, von Unternehmenswebseiten oder aus Pressemitteilungen. Mithilfe
künstlicher Intelligenz entstehen daraus täuschend echte, personalisierte
E-Mails. Wie überzeugend solche Angriffe inzwischen sind, zeigt ein Fall aus der
Beratungspraxis: Kriminelle kopierten die Webseite eines Unternehmens nahezu
identisch und veröffentlichten sie unter einer leicht veränderten
Internetadresse. Mitarbeitende erhielten individuell formulierte E-Mails und
gelangten über einen Link auf die gefälschte Seite. Dort gaben zahlreiche
Beschäftigte ihre Zugangsdaten ein - in dem Glauben, sich auf der echten
Unternehmenswebseite anzumelden.
Warum auch kleine Unternehmen betroffen sind
Viele mittelständische Unternehmen gehen noch immer davon aus, für
Cyberkriminelle uninteressant zu sein. Diese Annahme entspricht jedoch längst
nicht mehr der Realität.
Die meisten Angriffe starten heute automatisiert. Kriminelle scannen das
Internet nach erreichbaren Systemen, sammeln E-Mail-Adressen aus öffentlichen
Quellen oder erzeugen sie anhand typischer Namensmuster. Erst wenn ein erster
Angriff erfolgreich war, beschäftigen sich die Täter näher mit dem betroffenen
Unternehmen.
Die Unternehmensgröße spielt daher zu Beginn eines Angriffs oft keine Rolle.
Gerade automatisierte Angriffswellen treffen Organisationen unabhängig davon, ob
sie international tätig sind oder nur wenige Dutzend Mitarbeitende beschäftigen.
Technische Schwachstellen bleiben ein Einfallstor
Neben Phishing zählen ungepatchte Systeme und veraltete IT-Infrastrukturen
weiterhin zu den häufigsten Ursachen erfolgreicher Angriffe. Gerade im
Mittelstand sind IT-Landschaften häufig über viele Jahre gewachsen. Alte Server,
Spezialsoftware, unzureichend dokumentierte Abhängigkeiten oder unklare
Verantwortlichkeiten erschweren es, Sicherheitslücken zeitnah zu erkennen und zu
schließen.
So stand in einem mittelständischen Unternehmen ein geschäftskritischer Server
mit einer Spezialanwendung rund 15 Jahre ohne Sicherheitsupdates direkt im
Internet. Der Hersteller der Software existierte nicht mehr, und aus Angst vor
einem Ausfall wagte niemand eine Aktualisierung. Genau solche Altlasten suchen
Angreifer gezielt. Unternehmen bemerken dies oftmals erst, wenn Schadsoftware
bereits aktiv ist oder Daten verschlüsselt wurden.
Informationssicherheit endet nicht an der Firewall
Doch nicht jeder Angriff erfolgt ausschließlich digital. Auch physische
Sicherheitslücken können den Einstieg erleichtern. Ein bekanntes Beispiel ist
ein präparierter USB-Stick, der bewusst auf einem Firmenparkplatz oder im
Eingangsbereich platziert wird. Beschriftungen wie "Vertraulich",
"Geschäftsführung" oder "Gehälter" sollen Neugier wecken.
Ebenso relevant ist der Zugriff über externe Dienstleister. Reinigungskräfte,
Handwerksbetriebe oder Wartungsunternehmen befinden sich häufig außerhalb der
regulären Arbeitszeiten in den Räumlichkeiten. Bereits Fotos von Whiteboards,
offenliegenden Unterlagen, Zugangskarten oder technischen Einrichtungen können
ausreichen, um einem Angreifer wertvolle Informationen über interne Abläufe,
Sicherheitsmaßnahmen oder mögliche Angriffspunkte zu liefern.
Dieses Beispiel verdeutlicht, dass Informationssicherheit weit über technische
Schutzmaßnahmen hinausgeht. Unternehmen sollten deshalb nicht nur ihre IT
absichern, sondern ebenso klare Regeln für den Zugang zu Gebäuden, den Umgang
mit externen Dienstleistern und den Schutz sensibler Informationen im
Arbeitsalltag etablieren.
Cyberrisiken erfordern ein Umdenken
Cyberangriffe sind längst kein Problem mehr, das ausschließlich große Konzerne
betrifft. Während viele international tätige Unternehmen ihre
Sicherheitsstrukturen über Jahre hinweg ausgebaut haben, bestehen im Mittelstand
häufig noch organisatorische und technische Schwachstellen. Wer
Informationssicherheit ausschließlich als technische Aufgabe versteht oder davon
ausgeht, aufgrund seiner Unternehmensgröße nicht betroffen zu sein, unterschätzt
die heutige Bedrohungslage. Ein wirksamer Schutz beginnt deshalb nicht erst nach
einem Vorfall, sondern mit einem realistischen Verständnis der aktuellen Risiken
und klar geregelten Sicherheitsmaßnahmen im gesamten Unternehmen.
Über Joachim Reinke
Joachim Reinke ist Experte für Informationssicherheit und Mitglied des Teams von
einfachISO. Er begleitet IT-Dienstleister, Software-Agenturen und
SaaS-Unternehmen auf ihrem Weg zur ISO 27001-Zertifizierung. Sein Schwerpunkt
liegt auf klar strukturierten, praxisnahen Lösungen speziell für kleine und
mittlere Unternehmen. Bereits über 100 Unternehmen hat er erfolgreich bis zur
Zertifizierung geführt. Weitere Informationen unter: https://einfachiso.de/
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einfachISO GmbH
Vertreten durch: Jörn Bungartz, Joachim Reinke
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