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"nd.DieWoche": Finanzpolitischer Rechtsruck - Kommentar zu den deutschen Kürzungswünschen zum EU-Haushalt

27.08.2026 19:15 Uhr nd.DerTag / nd.DieWoche

Berlin (ots) - Es erinnert an die schlimmsten Zeiten der neoliberalen Sparkonflikte in der EU: Friedrich Merz hat die Regierungschefs von drei anderen Nettozahlerländern ins Bundeskanzleramt eingeladen, um mit ihnen über den Finanzrahmen für den Brüsseler Haushalt für die Jahre 2028 bis 2034 zu sprechen. Diese Staatengruppe soll sich per Rotstift in Stellung bringen für die ab Herbst anstehenden Schlussverhandlungen.

Damit setzt der konservative deutsche Kanzler wieder auf eine Unsitte, die die EU lange Zeit lähmte und für böses Blut sorgte. Nettozahler kündigten immer wieder die Solidarität mit ärmeren Mitgliedstaaten auf und erstritten, allen voran die Briten, sogar Rabatte auf Kosten der Nettonehmer, die nach wie vor die Mehrheit der 27 Mitgliedsländer stellen. Das erinnerte an das ständige Gepoltere aus dem wohlhabenden Bayern gegen den innerdeutschen Länderfinanzausgleich.

In der Corona-Zeit wurde offensichtlich, dass finanzieller Zusammenhalt das wichtigste Gut der EU darstellt. Hohe Kredite, die Erhöhung der Brüsseler Eigenmittel und gemeinsame Schulden sorgten dafür, dass alle halbwegs unbeschadet durch die schwere Pandemie-Wirtschaftskrise kamen.

Doch nun will Merz die Finanzkonflikte zu neuem Leben erwecken. Für seine Kürzungsforderungen ist hier viel Raum, denn es geht um sehr große Summen. Die erste Vorlage der Europäischen Kommission sah einen Gesamtetat von rund 1,76 Billionen Euro vor, und ein Kompromissvorschlag der zyprischen Ratspräsidentschaft lag kaum darunter. Der CDU-Politiker sucht nun Verbündete, um mehrere Hundert Milliarden Euro zu streichen. Und es geht ihm nicht nur um Zahlen, sondern auch um strukturelle Verschiebungen: Mehr Geld soll es für Aufrüstung und Wettbewerbsfähigkeit geben und kaum weniger für den größten Posten, die Agrarsubventionen. Von diesen Ausgaben profitiert die deutsche Wirtschaft massiv.

An den Kragen gehen soll es dagegen vor allem der Regionalförderung und dem Europäischen Sozialfonds, der unter anderem Projekte für Langzeitarbeitslose, gegen Kinderarmut oder für Frauen im ländlichen Raum fördert. Dieser soll zu einer Art "Resterampe" degradiert werden, wie etwa die SPD im Europaparlament kritisiert. Merz dürfte darauf spekulieren, dass bei knappen Mitteln die Verteilungskämpfe unter armen Staaten in Süd- und Osteuropa zunehmen werden, was diese von Italien, Spanien und Polen angeführte Ländergruppe weiter schwächen würde. Letztlich käme es zu einem finanzpolitischen Rechtsruck, zumal nach deutschen Vorstellungen auch die nationale Souveränität bei der Mittelvergabe gestärkt werden soll.

Einen "bezahlbaren und modernisierten" EU-Haushalt nennt der Bundeskanzler seine Kürzungsideen. Fehlt nur noch das Wort "Reformen". Sozialer Ausgleich und das Ziel der Kohäsion gerieten nach den deutschen Vorgaben in der Europäischen Union mal wieder völlig aus dem Blick. Wenn es ums Geld geht, gibt es aus konservativer Sicht eben weder Freunde noch Bündnispartner.

Pressekontakt:

nd.DerTag / nd.DieWoche Redaktion

Telefon: 030/2978-1722

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Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - nd.DerTag / nd.DieWoche
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