|
Berlin (ots) - Mit rund 55 Prozent sind die deutschen Gasspeicher aktuell so
gering gefüllt wie seit Beginn der vergleichbaren Aufzeichnungen nicht mehr.
Zugleich nimmt die Intensität der politischen Debatte zu, wie Deutschland sicher
durch den kommenden Winter kommt. Der Verband Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft
warnt jedoch vor einer verkürzten Betrachtung: Der Speicherfüllstand allein
entscheidet nicht über die Versorgungssicherheit. Lieferverträge, Speicher,
Pipelineimporte und LNG greifen ineinander. Darüber hinaus ist die deutsche
Gasinfrastruktur heute deutlich widerstandsfähiger aufgestellt als noch 2022.
Die ungewöhnlich niedrigen Speicherfüllstände sorgen derzeit für Verunsicherung.
Sie sind ein wichtiger Indikator für die Vorsorge vor dem Winter, bilden die
Versorgungslage aber nicht allein ab. Entscheidend ist, ob ausreichend Gas
beschafft ist und über eine leistungsfähige Infrastruktur nach und durch
Deutschland transportiert werden kann. Versorger und Händler sichern ihre
Lieferverpflichtungen über unterschiedliche Wege ab: durch langfristige
Lieferverträge, kurzfristige Beschaffung, Pipelinegas, LNG und gespeicherte
Mengen.
Dr. Timm Kehler, Vorstand des Verbandes Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft
stellt daher klar: "Wer seinen Gasbedarf für den Winter bei einem verlässlichen
Lieferanten vertraglich abgesichert hat, kann sich auf die vereinbarten Mengen
verlassen. Ein ungünstiger Sommer-Winter-Spread kann zusätzliche
Einspeicherungen wirtschaftlich unattraktiver machen - bestehende
Lieferverpflichtungen hebt er nicht auf." Auch die Terminmärkte signalisieren
derzeit keine erwartete Mengenknappheit zum Ende des Winters. Gleichzeitig
werden die zur Absicherung bestehender Lieferverpflichtungen benötigten Mengen
beschafft und eingespeichert.
Deutschland ist dafür heute auch deutlich robuster aufgestellt als zu Beginn der
Energiekrise 2022. Die Branche hat in LNG-Terminals, neue Importwege und die
Leistungsfähigkeit der Gasnetze investiert. Besonders grundlegend war die
Umstellung der Gasflüsse: Über Jahrzehnte war das deutsche Netz vor allem darauf
ausgelegt, große Mengen russischen Gases von Ost nach West zu transportieren.
Nach dem Wegfall dieser Lieferungen wurden an zahlreichen Stellen technische
Voraussetzungen geschaffen, um Gas auch in umgekehrter Richtung transportieren
zu können. Diese Reverse-Flow-Möglichkeiten sorgen heute dafür, dass Gas aus
westlichen und südlichen Importpunkten wesentlich flexibler in Deutschland und
Europa verteilt werden kann. Damit ist auch ein breiter Zugriff auf die
europäischen Speicherkapazitäten möglich.
"Die niedrigen Speicherstände dürfen wir nicht kleinreden. Sie sind aber auch
kein Beleg dafür, dass Deutschland vor einer Versorgungslücke steht. Die Branche
hat seit 2022 erhebliche Investitionen getätigt und ihre Lieferwege breiter
aufgestellt. Jetzt muss die Politik Einspeicherung erleichtern und zugleich
regulatorische Risiken für Importe beseitigen", sagt Kehler. Kurzfristig könnten
dazu unnötige Kostenbelastungen der Speichernutzung abgebaut werden. Dazu zählt
beispielsweise die Konvertierungsumlage, eine Umlage für den Ausgleich
unterschiedlicher Gasqualitäten.
Gasspeicher bleiben ein wichtiger Baustein der Versorgungssicherheit. Händler
und Versorger lagern dort Gasmengen, mit denen sie bestehende
Lieferverpflichtungen gegenüber ihren Kunden erfüllen. Darüber hinaus schaffen
Speicher einen zusätzlichen Puffer für unvorhersehbare Ereignisse - etwa
technische Ausfälle oder Störungen von Importwegen. Deshalb ist es sinnvoll,
angesichts der derzeitigen Marktbedingungen zusätzliche Einspeicherung zu
erleichtern. Da die geplante strategische Gasreserve erst im nächsten Jahr zu
Verfügung stehen wird, müssen Anreize geschaffen werden, um ausreichende Mengen
auch für die zweite Winterhälfte verfügbar zu halten. Das stärkt die
Versorgungssicherheit gerade bei späten Kälteperioden und stellt zusätzliche
Flexibilität für Industrie- und Gewerbekunden bereit, die kurzfristig Gas am
Markt beschaffen.
Gleichzeitig darf die Politik die Beschaffung von Gas nicht selbst unnötig
erschweren. Die europäische Methanverordnung und offene Fragen bei ihrer
Umsetzung schaffen für Importeure weiterhin erhebliche Rechtsunsicherheiten. Das
betrifft insbesondere langfristige Lieferbeziehungen, die für eine verlässliche
Versorgung gerade in einem zunehmend vom globalen LNG-Markt geprägten Umfeld
wichtig sind. Bundesregierung und EU-Kommission müssen deshalb zügig für klare
und praktikable Rahmenbedingungen und eine rechtssichere Übergangslösung sorgen.
Zu einer resilienten Versorgung gehört schließlich auch, vorhandene heimische
Gasressourcen dort zu nutzen, wo dies wirtschaftlich und unter hohen
Umweltstandards möglich ist.
Pressekontakt:
DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT e.V.
Neustädtische Kirchstraße 8
10117 Berlin
Charlie Grüneberg
Leiter Kommunikation
T +49 171 2402630
mailto:presse@gas-h2.de
http://www.gas-h2.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/112647/6348202
OTS: DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT e.V.
|