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Düsseldorf (ots) - Hören und Sehen verbinden uns mit der Welt: mit Menschen,
Orten und Informationen. Bleiben Hör- oder Sehprobleme unbehandelt, kann das den
Alltag erschweren und die Gehirngesundheit beeinflussen. Anlässlich des
Welt-Alzheimertags am 21. September veröffentlicht die gemeinnützige Alzheimer
Forschung Initiative e. V. (AFI) den zweiten Teil ihrer dreiteiligen Presseserie
zur Demenzprävention. Im Fokus stehen Hör- und Sehschwächen - zwei oft
unterschätzte Risikofaktoren für die Gehirngesundheit.
Unbehandelte Schwerhörigkeit gilt bereits seit Längerem als wichtiger
beeinflussbarer Risikofaktor für Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Seit dem
Bericht der Lancet Commission im Jahr 2024 rückt auch unbehandelter Sehverlust
stärker in den Fokus. Insgesamt benennt der Bericht 14 modifizierbare
Risikofaktoren für Demenz. Weltweit könnten demnach theoretisch rund 45 Prozent
der Demenzfälle verzögert oder verhindert werden, wenn diese Risikofaktoren
gezielt angegangen würden.
"Unbehandelte Hör- und Sehprobleme können dazu führen, dass Menschen weniger
Reize aufnehmen und sich aus Gesprächen oder Aktivitäten zurückziehen. Das
verringert die geistige Aktivität und die soziale Teilhabe, die beide wichtig
für die Gehirngesundheit sind", erklärt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der
Abteilung Wissenschaft der AFI.
Was passiert im Gehirn, wenn das Hör- und Sehvermögen nachlassen?
Menschen mit Hör- und Sehproblemen können weniger Reize und Informationen
verarbeiten. Oft ziehen sie sich auch zurück, weil sie Gesprächen schlechter
folgen können oder sich in ungewohnter Umgebung unsicher fühlen. "Wer soziale
Kontakte meidet, fordert sein Gehirn weniger. Bei Schwerhörigkeit werden
außerdem Umgebungsgeräusche weniger wahrgenommen, die das Gehirn ebenfalls aktiv
halten. Die Folge: Die geistige Leistungsfähigkeit kann abnehmen und das Risiko
für Demenzerkrankungen wie Alzheimer kann steigen", erklärt Pfitzer-Bilsing.
Altersbedingter Hörverlust tritt häufig ab der Lebensmitte auf und nimmt mit dem
Alter zu. Auch die Sehkraft lässt mit zunehmendem Alter nach. Bereits ab Mitte
40 fällt das Sehen in der Nähe schwerer, später können Erkrankungen wie Grauer
Star oder Makuladegeneration hinzukommen.
Gut hören und sehen zu können ist aber nicht nur für Gespräche wichtig. Gerade
das Sehen entscheidet im Alltag oft darüber, wie selbstständig und sicher
Menschen unterwegs sind. Ob Fahrpläne lesen, Hinweisschilder erkennen, eine
Karten-App nutzen, Nachrichten schreiben oder Online-Banking erledigen - all das
setzt voraus, dass Informationen gut wahrgenommen und verarbeitet werden können.
Was hilft, um gegenzusteuern?
"Schwerhörigkeit wird oft noch nicht ernst genug genommen. Während es normal
ist, im Alter irgendwann eine Brille zu tragen, tun sich viele Menschen mit
Hörhilfen schwer - mit möglichen Folgen für den Alltag und die Gehirngesundheit.
Deshalb sollte man sein Hörvermögen regelmäßig in einer HNO-Praxis oder bei
einem Hörakustiker überprüfen lassen. In den meisten Fällen kann ein Hörgerät
dabei helfen, Defizite auszugleichen", erläutert Pfitzer-Bilsing. Wird eine
Hörhilfe ärztlich verordnet, beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen in
der Regel an den Kosten bis zu festgelegten Festbeträgen. Ist die
Schwerhörigkeit krankheitsbedingt, sollte die Ursache behandelt werden.
Wichtig ist es, sich früh genug darum zu kümmern. Pfitzer-Bilsing ergänzt: "Wenn
man zu lange mit einer Schwerhörigkeit lebt, kann sich das Gehirn an die
fehlenden Höreindrücke gewöhnen. Wenn das Hören dann mit einem Hörgerät
korrigiert wird, erscheinen Stimmen und Geräusche anfangs oft ungewohnt oder
unangenehm laut - und das Hörgerät landet in der Schublade. Das ist natürlich
nicht hilfreich."
Auch wer schlechter sieht, sollte die Ursachen fachärztlich abklären und
behandeln lassen. Sehhilfen wie eine Brille sowie die Behandlung von
Augenkrankheiten können dazu beitragen, die Sehkraft länger zu erhalten. "Wer
gut hört und sieht, kann weiterhin aktiv am Leben teilnehmen und Gesprächen
besser folgen", betont Pfitzer-Bilsing.
Quellen:
Livingston, Gill, et al. "Dementia prevention, intervention, and care: 2024
report of the Lancet standing Commission." The Lancet 404.10452 (2024): 572-628.
Griffiths, Timothy D., et al. "How can hearing loss cause dementia?" Neuron
108.3 (2020): 401-412.
Paik, Ji-Sun, et al. "Low vision and the risk of dementia: a nationwide
population-based cohort study." Scientific Reports 10.1 (2020): 9109.
Redaktionsservice: Factsheet zur Demenzprävention
Die AFI bietet Redaktionen ein kostenloses Factsheet zur Alzheimer- und
Demenzprävention an. Es fasst die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse,
darunter die Ergebnisse der Lancet Commission 2024 zu 14 modifizierbaren
Risikofaktoren, verständlich zusammen. Das Factsheet zeigt, welche Faktoren die
Gehirngesundheit beeinflussen und welche Maßnahmen Menschen selbst ergreifen
können, um ihr Risiko zu senken.
Zum Factsheet : https://www.alzheimer-forschung.de/factsheet-vorbeugen
Über die Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist ein gemeinnütziger Verein, der
das Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats e.V. trägt. Seit 1995 fördert
die AFI mit Spendengeldern Forschungsprojekte engagierter Demenzforscherinnen
und -forscher. Seit 2025 stellt die AFI auch Fördergelder für Pflegeforschung
bereit. Mit kostenlosen Broschüren und auf der Website informiert die AFI über
die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzen. Seit seiner Gründung konnte der
Verein mehr als 470 Forschungsaktivitäten mit über 20,7 Millionen Euro
unterstützen und rund eine Million Ratgeber und Broschüren verteilen.
Botschafterin der AFI ist die Journalistin und Sportmoderatorin Okka Gundel.
Weitere Informationen zur Arbeit des Vereins und zu Spendenmöglichkeiten finden
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