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Steigen die Zinsen weiter? Was Sparer jetzt beachten sollten / Bernhard Schmitt, Anlageexperte bei willbe, der Geldanlage-App der Liechtensteinischen Landesbank, erwartet stärkere Zinsschwankungen. (FOTO)

10.09.2026 14:18 Uhr Liechtensteinische Landesbank AG

Vaduz (ots) - Steigen die Zinsen weiter oder folgt schon bald eine Kehrtwende? Für Sparerinnen und Sparer ist diese Frage derzeit besonders relevant. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Einlagenzins im Juni auf 2,25 Prozent angehoben und im Juli unverändert gelassen. Zugleich erwartet das ifo Institut für Deutschland 2027 eine Inflationsrate von 3,0 Prozent.

Bernhard Schmitt, Head of Equity & Multi Manager Management bei der Liechtensteinischen Landesbank und Anlageexperte bei willbe, erwartet deshalb stärkere Zinsschwankungen. Eine Rückkehr zu dauerhaft extrem niedrigen oder negativen Zinsen hält er jedoch für unwahrscheinlich.

"Kurzfristig können die Zinsen wieder sinken. Langfristig dürften sie dennoch höher bleiben als in den Jahren vor der Inflationswelle", sagt Schmitt. "Eine möglich zukünftige Zinssenkung wäre deshalb noch keine Rückkehr zur Nullzinswelt."

Höhere Staatsausgaben halten den Zinsdruck aufrecht

Dafür, dass die Zinsen langfristig höher bleiben, sprechen steigende Staatsausgaben und Defizite. Hinzu kommen umfangreiche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung sowie geopolitische Risiken und höhere Energie- und Produktionskosten. Nach der aktuellen Prognose der Europäischen Kommission dürfte die deutsche Staatsschuldenquote von 63,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 auf 68,0 Prozent im Jahr 2027 steigen.

Höhere Staatsausgaben stützen die Nachfrage und schwächen damit einen Teil der bremsenden Wirkung höherer Leitzinsen ab. Zugleich muss der zusätzliche Finanzierungsbedarf über neue Staatsanleihen gedeckt werden.

"Der Staat drückt mit höheren Ausgaben aufs Gaspedal, während die Zentralbank auf der Bremse steht", erklärt Schmitt. "Je stärker der Staat die Nachfrage stimuliert, desto schwieriger kann es für die Notenbanken werden, die Inflation dauerhaft auf zwei Prozent zurückzuführen."

Hinzu kommt, dass die Wirtschaft höhere Finanzierungskosten bisher besser verkraftet hat als vielfach erwartet. Auch die europäische Konjunktur hat sich trotz höherer Energiepreise und einer restriktiveren Geldpolitik vergleichsweise widerstandsfähig gezeigt. Solange höhere Zinsen die Nachfrage nicht deutlich bremsen, haben die Notenbanken weniger Anlass, rasch zu lockern.

Gegen dauerhaft hohe Zinsen sprechen das strukturell schwache Wachstum, die Alterung der Bevölkerung und die geringe Produktivitätsdynamik. Wahrscheinlicher als ein stetiger Zinsanstieg ist daher ein Umfeld, in dem die Zinsen stärker schwanken, im Durchschnitt aber über dem Niveau der Nullzinsjahre liegen.

Ein Prozentpunkt weniger Zins bedeutet 200 Euro weniger Ertrag

Für Sparer ist diese Entwicklung unmittelbar relevant. Tagesgeld etwa bleibt aufgrund seiner täglichen Verfügbarkeit eine geeignete Lösung für die finanzielle Reserve. Sein Zinssatz ist jedoch variabel und orientiert sich am Geldmarkt.

Wie stark sich bereits eine moderate Zinsänderung auswirkt, zeigt eine einfache Modellrechnung: Bei 20.000 Euro Tagesgeld und einem aktuellen Zinssatz bei der Geldanlage-App willbe von 2,15 Prozent entstehen innerhalb eines Jahres 430 Euro Zinsen vor Steuern. Sinkt der Zinssatz auf 1,15 Prozent, reduziert sich der Ertrag auf 230 Euro. Das sind 200 Euro weniger pro Jahr.

Wer damit rechnet, dass die Zinsen in den kommenden Jahren sinken, kann einen Teil seines Geldes zu einem festen Zinssatz anlegen. Dabei muss nicht der gesamte Betrag für dieselbe Dauer gebunden werden.

"Eine Staffelung unterschiedlicher Laufzeiten kann sinnvoller sein, als das gesamte Kapital zu einem einzigen Zeitpunkt festzulegen", sagt Schmitt. "So wird regelmäßig ein Teil des Geldes frei und kann zu den dann geltenden Konditionen neu angelegt werden."

Anleihen sind zurück oder: Sparer haben wieder mehr Auswahl

Auch Anleihen werden durch das höhere Zinsniveau wieder interessanter. Sie bieten einen laufenden Ertrag und können im Kurs steigen, wenn die Marktzinsen später fallen. Bei Unternehmensanleihen sollten Anleger allerdings prüfen, ob der zusätzliche Ertrag das höhere Risiko rechtfertigt.

Aktien bleiben für den langfristigen Vermögensaufbau wichtig. Sie müssen sich heute aber wieder an verzinsten Alternativen messen lassen. Das erhöht den Druck auf hoch bewertete oder stark verschuldete Unternehmen. Höhere Zinsen allein sind allerdings kein Grund für fallende Aktienkurse, solange steigende Umsätze und Gewinne die höheren Finanzierungskosten ausgleichen.

"Die Rückkehr der Zinsen sollte Anleger nicht zwangsläufig defensiver, aber wählerischer machen", fasst Schmitt zusammen. "In der Nullzinswelt mussten sie immer höhere Risiken eingehen, um überhaupt einen Ertrag zu erzielen. Heute müssen sie nicht mehr jedes Risiko und jede Bewertung akzeptieren."

willbe ist die Investment-App für Tages- und Festgelder sowie Gold der Liechtensteinischen Landesbank. (http://www.willbe-invest.com/de)

Quellen und Hinweise: Europäische Zentralbank, Europäische Kommission, ifo Institut und willbe; Stand: 9. September 2026. Das Rechenbeispiel ist eine vereinfachte Modellrechnung vor Steuern und unterstellt einen über zwölf Monate unveränderten Zinssatz. Kapitalmarktanlagen sind mit Kurs- und Verlustrisiken verbunden.

Pressekontakt:

Cordin Camenzind Head Group Content Marketing LLB mailto:cordin.camenzind@llb.li

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/165330/6349560 OTS: Liechtensteinische Landesbank AG


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Liechtensteinische Landesbank AG
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