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Vaduz (ots) - Steigen die Zinsen weiter oder folgt schon bald eine Kehrtwende?
Für Sparerinnen und Sparer ist diese Frage derzeit besonders relevant. Die
Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Einlagenzins im Juni auf 2,25 Prozent
angehoben und im Juli unverändert gelassen. Zugleich erwartet das ifo Institut
für Deutschland 2027 eine Inflationsrate von 3,0 Prozent.
Bernhard Schmitt, Head of Equity & Multi Manager Management bei der
Liechtensteinischen Landesbank und Anlageexperte bei willbe, erwartet deshalb
stärkere Zinsschwankungen. Eine Rückkehr zu dauerhaft extrem niedrigen oder
negativen Zinsen hält er jedoch für unwahrscheinlich.
"Kurzfristig können die Zinsen wieder sinken. Langfristig dürften sie dennoch
höher bleiben als in den Jahren vor der Inflationswelle", sagt Schmitt. "Eine
möglich zukünftige Zinssenkung wäre deshalb noch keine Rückkehr zur
Nullzinswelt."
Höhere Staatsausgaben halten den Zinsdruck aufrecht
Dafür, dass die Zinsen langfristig höher bleiben, sprechen steigende
Staatsausgaben und Defizite. Hinzu kommen umfangreiche Investitionen in
Infrastruktur und Verteidigung sowie geopolitische Risiken und höhere Energie-
und Produktionskosten. Nach der aktuellen Prognose der Europäischen Kommission
dürfte die deutsche Staatsschuldenquote von 63,5 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 auf 68,0 Prozent im Jahr 2027 steigen.
Höhere Staatsausgaben stützen die Nachfrage und schwächen damit einen Teil der
bremsenden Wirkung höherer Leitzinsen ab. Zugleich muss der zusätzliche
Finanzierungsbedarf über neue Staatsanleihen gedeckt werden.
"Der Staat drückt mit höheren Ausgaben aufs Gaspedal, während die Zentralbank
auf der Bremse steht", erklärt Schmitt. "Je stärker der Staat die Nachfrage
stimuliert, desto schwieriger kann es für die Notenbanken werden, die Inflation
dauerhaft auf zwei Prozent zurückzuführen."
Hinzu kommt, dass die Wirtschaft höhere Finanzierungskosten bisher besser
verkraftet hat als vielfach erwartet. Auch die europäische Konjunktur hat sich
trotz höherer Energiepreise und einer restriktiveren Geldpolitik vergleichsweise
widerstandsfähig gezeigt. Solange höhere Zinsen die Nachfrage nicht deutlich
bremsen, haben die Notenbanken weniger Anlass, rasch zu lockern.
Gegen dauerhaft hohe Zinsen sprechen das strukturell schwache Wachstum, die
Alterung der Bevölkerung und die geringe Produktivitätsdynamik. Wahrscheinlicher
als ein stetiger Zinsanstieg ist daher ein Umfeld, in dem die Zinsen stärker
schwanken, im Durchschnitt aber über dem Niveau der Nullzinsjahre liegen.
Ein Prozentpunkt weniger Zins bedeutet 200 Euro weniger Ertrag
Für Sparer ist diese Entwicklung unmittelbar relevant. Tagesgeld etwa bleibt
aufgrund seiner täglichen Verfügbarkeit eine geeignete Lösung für die
finanzielle Reserve. Sein Zinssatz ist jedoch variabel und orientiert sich am
Geldmarkt.
Wie stark sich bereits eine moderate Zinsänderung auswirkt, zeigt eine einfache
Modellrechnung: Bei 20.000 Euro Tagesgeld und einem aktuellen Zinssatz bei der
Geldanlage-App willbe von 2,15 Prozent entstehen innerhalb eines Jahres 430 Euro
Zinsen vor Steuern. Sinkt der Zinssatz auf 1,15 Prozent, reduziert sich der
Ertrag auf 230 Euro. Das sind 200 Euro weniger pro Jahr.
Wer damit rechnet, dass die Zinsen in den kommenden Jahren sinken, kann einen
Teil seines Geldes zu einem festen Zinssatz anlegen. Dabei muss nicht der
gesamte Betrag für dieselbe Dauer gebunden werden.
"Eine Staffelung unterschiedlicher Laufzeiten kann sinnvoller sein, als das
gesamte Kapital zu einem einzigen Zeitpunkt festzulegen", sagt Schmitt. "So wird
regelmäßig ein Teil des Geldes frei und kann zu den dann geltenden Konditionen
neu angelegt werden."
Anleihen sind zurück oder: Sparer haben wieder mehr Auswahl
Auch Anleihen werden durch das höhere Zinsniveau wieder interessanter. Sie
bieten einen laufenden Ertrag und können im Kurs steigen, wenn die Marktzinsen
später fallen. Bei Unternehmensanleihen sollten Anleger allerdings prüfen, ob
der zusätzliche Ertrag das höhere Risiko rechtfertigt.
Aktien bleiben für den langfristigen Vermögensaufbau wichtig. Sie müssen sich
heute aber wieder an verzinsten Alternativen messen lassen. Das erhöht den Druck
auf hoch bewertete oder stark verschuldete Unternehmen. Höhere Zinsen allein
sind allerdings kein Grund für fallende Aktienkurse, solange steigende Umsätze
und Gewinne die höheren Finanzierungskosten ausgleichen.
"Die Rückkehr der Zinsen sollte Anleger nicht zwangsläufig defensiver, aber
wählerischer machen", fasst Schmitt zusammen. "In der Nullzinswelt mussten sie
immer höhere Risiken eingehen, um überhaupt einen Ertrag zu erzielen. Heute
müssen sie nicht mehr jedes Risiko und jede Bewertung akzeptieren."
willbe ist die Investment-App für Tages- und Festgelder sowie Gold der
Liechtensteinischen Landesbank. (http://www.willbe-invest.com/de)
Quellen und Hinweise: Europäische Zentralbank, Europäische Kommission, ifo
Institut und willbe; Stand: 9. September 2026. Das Rechenbeispiel ist eine
vereinfachte Modellrechnung vor Steuern und unterstellt einen über zwölf Monate
unveränderten Zinssatz. Kapitalmarktanlagen sind mit Kurs- und Verlustrisiken
verbunden.
Pressekontakt:
Cordin Camenzind
Head Group Content Marketing
LLB
mailto:cordin.camenzind@llb.li
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OTS: Liechtensteinische Landesbank AG
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