|
Berlin (ots) - Schlusslicht bleibt Bremen und fällt am stärksten zurück /
Bildungsniveau sinkt in allen Bundesländern / Bildungserfolg hängt stark von der
sozialen Herkunft ab
Sieger im Bildungsranking der deutschen Bundesländer bleibt auch im
INSM-Bildungsmonitor 2026 Sachsen, gefolgt von Bayern. Dahinter folgen Hamburg,
Baden-Württemberg und das Saarland. Am Ende des Feldes liegen Brandenburg,
Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schlusslicht bleibt Bremen.
Die jährliche Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im
Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand
umfangreicher Indikatoren in verschiedenen Handlungsfeldern, inwieweit ein
Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und
Wachstum fördert. Zugleich untersucht der Bildungsmonitor 2026 im
Schwerpunktthema die soziale Mobilität durch Bildung und die Folgen fehlender
Berufsabschlüsse für Arbeitsmarkt und Wohlstand.
Bildungsmobilität hat zugenommen, ist aber nach wie vor schwach ausgeprägt
In Ergänzung zur aktuellen PISA-Studie zeigt die diesjährige Sonderauswertung
zur Chancengerechtigkeit neben dem kritischen Bild in den Schulen auch eine
positive Entwicklung: Der Bildungsaufstieg junger Erwachsener hat von 2004 bis
2014 und von 2014 bis 2024 zugenommen. Vor allem die berufliche Bildung und die
Hochschulen leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass Jugendliche
Bildungsaufstiege erreichen können. Nach wie vor hängt der Bildungserfolg in den
Schulen aber zu stark von der sozialen Herkunft ab. Gelingt der Zugang zu guter
Bildung in Kita und Schule, können sich die Bildungswege heute häufiger vom
Elternhaus lösen als früher.
Studienleiter und Bildungsökonom Professor Dr. Axel Plünnecke vom IW erklärt:
"Die Daten zeigen, dass Bildung in Deutschland weiterhin Aufstieg ermöglicht und
der Bildungsaufstieg in den letzten zwei Jahrzehnten zugenommen hat. Zugleich
ist jedoch, wie PISA aktuell wieder zeigt, auch die Bildungsarmut gestiegen. Der
Bildungserfolg entscheidet immer stärker darüber, ob Menschen dauerhaft am
Arbeitsmarkt und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Deshalb müssen
wir Bildungsqualität konsequent verbessern und insbesondere diejenigen stärker
fördern, die sonst den Anschluss verlieren."
Ein Fünftel ohne Berufsabschluss gefährdet Fachkräfte und Wohlstand
Neben diesen positiven Signalen macht der Bildungsmonitor 2026 auf ein
gravierendes strukturelles Problem aufmerksam: Knapp ein Fünftel (18,8 Prozent)
der jungen erwachsenen Bevölkerung verfügt über keinen formalen Berufsabschluss.
Die Folgen reichen weit über individuelle Einkommenseinbußen hinaus. Menschen
ohne Abschluss tragen ein deutlich höheres Risiko für Arbeitslosigkeit und
Armut, haben geringere Aufstiegschancen und sind häufiger von gesellschaftlicher
Ausgrenzung betroffen.
Gleichzeitig verschärft der hohe Anteil an Menschen ohne Berufsabschluss den
Fachkräftemangel und belastet damit die wirtschaftliche Entwicklung
Deutschlands. Der Bildungsmonitor sieht deshalb erheblichen Handlungsbedarf -
von der frühen Sprachförderung bis hin zu flexiblen Wegen der beruflichen
Nachqualifizierung.
INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben erklärt: "Trotz einzelner Verbesserungen
bei der Sozialen Mobilität ist der neue Bildungsmonitor insgesamt ein
Armutszeugnis für den Bildungsstandort Deutschland. Das Bildungsniveau sinkt in
allen Bundesländern. Es ist beschämend, dass fast ein Fünftel der Menschen ohne
Abschluss ist. Wir brauchen gezielte Reformen von der frühkindlichen Bildung bis
zur beruflichen Nachqualifizierung, um niemanden zurückzulassen. Da wir kaum
Rohstoffe im Boden haben, müssen wir mehr investieren und vor allem viel
effizienter investieren, um den Rohstoff Bildung zu heben."
Konkrete Handlungsempfehlungen für mehr Bildungsqualität
Aus den Ergebnissen des Bildungsmonitors leitet die INSM vier zentrale
Reformprioritäten ab:
- Gezielte Sprach- und Frühförderung: Verbindliche Sprachtests und frühkindliche
Förderung im Kita-Alter, um Chancengleichheit von Beginn an zu stärken.
- Gezielte Förderung von Risikogruppen: Bildungsinvestitionen stärker auf
Schulen mit hohem Förder- und Armutsrisiko konzentrieren, etwa über Programme
wie das Startchancenprogramm.
- Stärkung der beruflichen Nachqualifizierung: Flexible Wege zum Berufsabschluss
für junge Erwachsene ohne formalen Abschluss schaffen und bestehende Angebote
ausbauen.
- Datengestützte Qualitätsentwicklung: Schulen mehr Gestaltungsspielraum geben
und gleichzeitig regelmäßige, standardisierte Leistungstests zur
Qualitätsentwicklung und Identifikation von Förderbedarfen nutzen.
Die Studie mit allen Länderprofilen und dem Schwerpunktthema "Soziale Mobilität
durch Bildung" wird heute auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt.
Pressekontakt:
Carl-Victor Wachs
Leiter Kommunikation & Pressesprecher
mailto:wachs@insm.de
T +49 176 616 49 030
INSM Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH
Georgenstraße 22
D - 10117 Berlin
http://www.insm.de
Handelsregister Amtsgericht Charlottenburg, HRB 74215B
Umsatzsteuerident-Nummer: DE1230523BB
Vertretungsberechtigter Geschäftsführer: Thorsten Alsleben
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/39474/6351574
OTS: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
|