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Mainz (ots) - Kürzere Strecken, geringerer Treibstoffverbrauch, neue Optionen in
unsicheren Zeiten: Arktische Schifffahrtsrouten rücken angesichts geopolitischer
Spannungen zunehmend in den Fokus. Doch trotz wachsender Aufmerksamkeit werden
sie den globalen Handel in den kommenden Jahren nicht grundlegend verändern. Das
zeigt eine Analyse des internationalen Kreditversicherers Coface.
Der globale Seehandel ist das Rückgrat der Weltwirtschaft. Mehr als 80% aller
Waren werden über den Seeweg transportiert - und das entlang weniger,
hochkonzentrierter Routen zwischen Ostasien, Europa und Nordamerika. Diese
starke Bündelung macht das System effizient, aber anfällig. Die Spannungen rund
um die Straße von Hormus, Störungen im Roten Meer und Handelskonflikte haben
diese Verwundbarkeit zuletzt deutlich gemacht. Vor diesem Hintergrund könnten
arktische Seewege an Bedeutung gewinnen. Durch das Abschmelzen des Eises werden
sie zumindest zeitweise besser befahrbar und könnten Distanzen zwischen Asien,
Europa und Nordamerika um bis zu 40% verkürzen. Das verspricht kürzere
Lieferzeiten und geringere Kosten - und macht sie in einem volatilen Umfeld zu
einer potenziell attraktiven Alternative.
Container außen vor, Nischenpotenzial bei Rohstoffen
Das wirtschaftliche Potenzial arktischer Seewege bleibt allerdings vorerst
begrenzt. "Besonders der Containerverkehr als zentrales Element des Welthandels
ist auf den arktischen Routen aktuell nicht wettbewerbsfähig. Ausschlaggebend
sind hohe Kosten und die Notwendigkeit, kleinere, speziell ausgerüstete Schiffe
einzusetzen. Dadurch werden Skaleneffekte verhindert", erklärt Coface-Volkswirt
Markus Kuger.
Anders sieht es bei Rohstoffen aus. Vor allem beim Transport von Öl, Gas und
anderen Massengütern eröffnen sich Chancen. Hier könnten die kürzeren Routen
insbesondere bei Flüssigfracht Kostenvorteile von bis zu 45 bis 50% bringen.
Auch bei trockenen Massengütern wie Metallen oder Agrarprodukten zeichnen sich
wirtschaftliche Vorteile ab - vor allem, wenn die Navigation ohne Eisbrecher
möglich ist. Dennoch bleibt das Potenzial begrenzt: Schätzungen zufolge könnten
kurzfristig nur etwa 3,5% des Handels zwischen den großen Wirtschaftsregionen
über arktische Routen laufen.
Handelsströme geraten in Bewegung
Zwar bleibt der Gesamteffekt moderat, dennoch zeichnen sich mögliche Gewinner
und Verlierer ab. "Profitieren dürften vor allem rohstoffreiche Regionen wie die
USA, Kanada und die nordischen Länder. Sie könnten ihre Exportwege nach Asien
effizienter gestalten und sich so Wettbewerbsvorteile sichern", sagt Markus
Kuger. Für einzelne Handelsströme könnten bis zu 7% der Exporte künftig über
arktische Routen abgewickelt werden. Das entspräche einem Handelsvolumen im
zweistelligen Milliardenbereich.
Auf der anderen Seite geraten klassische Knotenpunkte unter Druck. Länder wie
Ägypten und Panama, deren Einnahmen stark von ihren Kanälen abhängen, könnten
langfristig Einbußen verzeichnen. Auch große Umschlaghäfen entlang der
traditionellen Asien-Europa-Route, etwa in Südostasien, sehen sich
perspektivisch mit einer möglichen Verschiebung von Warenströmen konfrontiert.
Arktis als geopolitisches Spannungsfeld
Neben den wirtschaftlichen Impulsen gewinnt die Arktis vor allem geopolitisch an
Bedeutung. Die Region entwickelt sich zu einem strategischen Raum, in dem große
Mächte um Einfluss, Ressourcen und Infrastruktur konkurrieren. Während Russland
große Teile der Nordostpassage kontrolliert und China seine Präsenz ausbaut,
versuchen auch die USA, ihre Rolle in der Region zu stärken. "Die Nutzung
arktischer Routen ist weiterhin saisonabhängig, die Eisbedingungen bleiben
schwer kalkulierbar und der Einsatz von Eisbrechern ist oft unverzichtbar. Damit
ist die Arktis derzeit weniger eine neue Handelsroute mit disruptivem Potenzial
als vielmehr ein Schauplatz wachsender geopolitischer Rivalitäten und
strategischer Interessen", so Markus Kuger.
Weitere Informationen sowie die gesamte Studie zum Download:
http://www.coface.de
Pressekontakt:
Coface, Niederlassung in Deutschland
Sebastian Knierim - Pressesprecher -
Tel. 06131/323-335
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OTS: Coface Deutschland
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