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Berlin (ots) - Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat in ihrer Rede zur
Lage der Union (SOTEU) die Entschiedenheit Europas betont, seinen eigenen Weg zu
gehen. Vor den Abgeordneten des Europäischen Parlaments beschrieb von der Leyen
die aktuelle Lage so: "Unsere Union ist stärker als je zuvor. Gleichzeitig kann
es sich auch so anfühlen, als wäre unsere Union so gefährdet wie nie zuvor.
Diese beiden Aussagen mögen widersprüchlich erscheinen. Aber sie sind beide
wahr. Und sie sind ein Spiegel dieser außergewöhnlichen Zeiten. Dieses komplexen
Zeitalters großer Möglichkeiten und großer Gefahren, durch die alle Länder
hindurchnavigieren müssen. In dieser Welt hat sich Europa entschieden, seinen
eigenen Weg zu gehen. Und nun entsteht ein stärkeres, ein unabhängigeres
Europa."
Im Folgenden ein Überblick über die Rede der Kommissionspräsidentin,
zusammengefasst in zehn großen Themenblöcken mit zentralen Zitaten
undangekündigten Initiativen:
1. Wettbewerbsfähigkeit
Von der Leyen verwies darauf, dass die Kommission zum Amtsantritt Ende 2024
einen kühnen Plan geschmiedet habe: "Eine Wirtschaft aufzubauen, in der
Innovation und Energie sich über Grenzen hinwegbewegen; in der Unternehmen
europaweit im Wettbewerb stehen und wachsen und in der Ersparnisse unsere
Zukunft finanzieren. Das ist die Logik des Draghi- und des Letta-Berichts. Und
gemeinsam liefern wir."
- Die politische Einigung auf den Fahrplan "Ein Europa, ein Markt " liegt vor,
bis Ende 2028 soll die historische Generalüberholung des Binnenmarkts
abgeschlossen sein.
- Mit Blick auf den Abbau von Bürokratie betonte von der Leyen die Notwendigkeit
eines Paktes gegen Gold-plating (Übererfüllung von gemeinsam beschlossenen
EU-Richtlinien auf nationaler Ebene).
- Es wird eine neue Europäische Gesellschaft für kritische Rohstoffe gegründet,
um das für E-Autos, Chips und Batterien, Clean-Tech und Verteidigung Benötigte
zu beschaffen und zu lagern.
- Neues Bankenpaket mit dem Fokus auf Vereinfachung und der Überwindung der
Zersplitterung.
2. Klimaresilienz und Umwelt
"Es waren die heißesten Sommermonate aller Zeiten - aber vielleicht die kühlsten
der kommenden Jahre. Die Wissenschaft sagt uns ganz klar: Europa erwärmt sich
doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Natürlich ist der Übergang
kompliziert. Und wir werden uns auf dem Weg anpassen und lernen müssen. Es
besteht jedoch kein Zweifel: Europa kann, muss und wird bei seinen Klimazielen
Kurs halten."
- Im Oktober stellt die Kommission einen neuen Rahmen für die Klimaresilienz
vor. Darin werden die 100 am meisten gefährdeten Gebiete in Europa aufgeführt,
jeweils mit einer Risikoabschätzung und Vorschlägen, auf welcher Ebene dagegen
vorgegangen werden muss.
- Die Kommission wird eine Allianz für Klimaversicherung ins Leben rufen, um
Versicherungslücken zu schließen.
- Es wird einen Europäischen Plan für Hitzewellen geben, mit dem Fokus auf
besseren Frühwarnsystemen und Krisenvorsorge im Gesundheitswesen.
- Die Kommission startet eine neue europäische Wasserinitiative zur Verbesserung
des Risikomanagements, denn Landwirte und Industrie benötigen Wasser.
- Angesichts der verheerenden Waldbrände hat die Kommission Fachleute um
Vorschläge für eine europäische Feuerwehrflotte gebeten sowie um Input für die
Bereiche Vorsorge, Prävention, zivil-militärische Zusammenarbeit sowie der
Bedarf an weiteren neuen Kapazitäten.
3. Nutzung künstlicher Intelligenz
"Ich bin zuversichtlich, dass KI das Potenzial hat, der Menschheit einen Nutzen
zu bringen - wenn wir es richtig angehen. Aber - wie jede leistungsstarke neue
Technologie birgt KI ebenso viele Möglichkeiten wie Risiken. Ohne uns mit diesen
Risiken auseinanderzusetzen, werden wir niemals in der Lage sein, die
Möglichkeiten der KI zu erschließen."
- Einladung der wichtigsten Frontier-Labs (Pionierlabore) zu einer Runde, die
erörtert, wie Europa die laufenden Bemühungen der Industrie zur Erschließung
neuer Grenzen unterstützen kann.
- Weitere Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Partnern wie Kanada und UK, etwa in
den Bereichen Modellbewertung, Verifizierung und Frühwarnung.
- Im November werden wegweisende Initiativen vorgestellt für fünf der
hochwertigsten Wirtschaftszweige, in denen industrielle KI über das größte
Potenzial verfügt: Gesundheit, Verkehr, Landwirtschaft und Lebensmittel,
Spitzenfertigung sowie Verteidigung und Weltraum.
4. Eine faire Union
"Heimat ist kein Privileg, Pflege ist kein Privileg, Wohnen ist kein Privileg.
Das sind Rechte. [...] Die Zeiten können sich ändern, Technologien können sich
ändern, aber unsere Werte nicht. In Europa stehen die Menschen immer an erster
Stelle."
- Bis zum Jahresende wird die Kommission einen Rechtsakt für hochwertige
Arbeitsplätze vorlegen. Dabei geht es um den Erwerb von Qualifikationen, die
Qualität von Arbeitsplätzen und faire Chancen für die Arbeitskräfte.
- Es wird ein europäischer Pflege-Deal auf den Weg gebracht, um die
Herausforderungen durch den demografischen Wandel anzugehen.
- Gemeinsam mit dem Rat wird es einen Gipfel geben, um die dauerhaften
Grundsätze der europäischen sozialen Säule zu bekräftigen.
5. Europa in der Welt - stärkere Partnerschaften
"Partnerschaften sind eine strategische Entscheidung Europas. Sie sind aber auch
die Konsequenz der Erschütterungen im internationalen regelbasierten Handel.
Einige mögen Alleingänge für die richtige Antwort halten. Aber das ist keine
Option für uns. Europa wird immer an vorderster Stelle dabei sein, wenn es darum
geht, das regelbasierte System zu verteidigen. Aber wir können nicht länger
darauf vertrauen, dass dieses System der einzige Weg ist, unsere Interessen zu
sichern. Oder dass seine Regeln uns vor den komplexen Bedrohungen schützen,
denen wir gegenüberstehen. In dieser neuen Welt müssen wir unsere
Partnerschaften dringend neu denken. Und globale Koalitionen bilden, die unsere
Widerstandsfähigkeit und unsere Demokratien schützen."
- Die EU will die Partnerschaft mit Kanada auf das höchstmögliche Niveau bringen
und den Weg dafür ebnen, dass das Land das erste assoziierte EU-Mitglied wird.
Zudem soll eine Allianz für die Zukunft aufgebaut werden.
- Investitionen in den "mittleren Korridor": Dieses internationale
Konnektivitätsprojekt wird den Südkaukasus und Zentralasien direkt mit dem
europäischen Markt verbinden.
- Ein regionaler Konnektivitätsgipfel in Zusammenarbeit mit dem bulgarischen
Ministerpräsidenten.
6. Sicherheit Europas
"Europas Glaube an die Zusammenarbeit ruht seit jeher im Streben nach Frieden.
Er ist unsere Raison d'être. Heute ist dieser Frieden bedroht. [...] Wir sollten
uns keine Illusionen darüber machen, was gerade geschieht: die hybriden
Bedrohungen, mit denen Europa konfrontiert war, sind immer weniger hybrid und
immer weniger bloße Bedrohungen."
- Vorschlag für eine neue Europäische Sicherheitsstrategie , gemeinsam mit der
Hohen Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas.
- Ein Notfall-Mechanismus analog zum Artikel 4 des NATO-Vertrags . Wird er von
einem Mitgliedstaat ausgelöst, würden alle Mitgliedstaaten über eine
koordinierte europäische Reaktion beraten.
- Ein Europäischer Sicherheitsrat , der eng mit Partnern wie Kanada, Norwegen,
dem Vereinigten Königreich und der Ukraine zusammenarbeitet.
- Ein europäisches Instrument für strategische Enabler , das vollständig auf die
NATO abgestimmt ist, um die benötigten Systeme bereitzustellen - von Luft- und
Raketenabwehr über strategischen Transport und Luft-Luft-Betankung bis hin zu
Weltraum und Cybersicherheit.
7. Sicherheit der Ukraine
"Die Ukrainer kämpfen für etwas. Sie kämpfen für den Fortbestand ihres Staates,
ihrer Identität und ihrer Freiheit. Und sie kämpfen auch für unsere Freiheit und
unsere Selbstbestimmung. Unsere Aufgabe bleibt es, die Ukraine dabei nach besten
Kräften zu unterstützen."
- Unterstützung der Ukraine im anstehenden Winter , insbesondere durch
humanitäre Hilfe und Energiehilfe.
- Gemeinsam mit der Ukraine einen Raketenabwehrmechanismus entwickeln, beginnend
mit dem Raketenabwehrprojekt "Freya".
- Programm für gemeinsame Projekte mit ukrainischen Unternehmen , das aus den
verbleibenden SAFE-Mitteln finanziert werden soll.
- Druck auf Russland durch Sanktionen weiter erhöhen und die Umgehung von
Sanktionen bekämpfen.
8. Schutz unserer Grenzen
"Schutzlose Menschen werden ausgenutzt. Von herzlosen Menschenhändlern und
Schleppern. Von unseren Widersachern. Deshalb haben wir Sanktionsregelungen
vorgeschlagen, um die Kriminellen dort zu treffen, wo es ihnen am meisten
wehtut. [...] Wir halten uns stets an unsere Werte und an die Grundrechte. Doch
beim Schutz unserer Grenzen machen wir keine Zugeständnisse. Wer in unsere Union
kommt und unter welchen Umständen, das entscheiden wir in Europa. Nicht die
Schlepper und Menschenhändler."
- Weitere Umsetzung des Migrations- und Asylpakets , das nun einen gemeinsamen
europäischen Rahmen mit Verantwortlichkeiten für alle und Solidarität für alle
bietet.
- Ein europäischer Rahmen für Notfallmaßnahmen , der nach festgelegten Kriterien
ausgelöst wird.
- Frontex weiter stärken , insbesondere um Rückführungen zu beschleunigen.
- Verbesserung der Frühwarnsysteme , auch in Partnerschaft mit Drittstaaten.
- Eine Initiative für Qualifizierung und Beschäftigung junger Menschen im
Mittelmeerraum , um jungen Menschen sinnvolle Perspektiven zu bieten - damit
sie nicht gezwungen sind, ihr Leben zu riskieren.
9. Soziale Medien - Schutz unserer Kinder
"Was wir erleben, ist eine umfassende Vereinnahmung unserer Kinder. Eine
Vereinnahmung ihrer Aufmerksamkeit, ihrer Konzentrationsfähigkeit, ihres
Verstandes. Kinder werden so ihrer Kindheit beraubt. Was unsere Kinder brauchen,
ist Zeit, um sich selbst zu finden, mit anderen aufzuwachsen. Sich mit all den
Gefühlen und Entscheidungen auseinanderzusetzen, aus denen das reale Leben
besteht. Sie brauchen sogar Zeit, sich zu langweilen. Denn dann müssen sie ihre
Vorstellungskraft einsetzen."
- Am morgigen 17. September wird der "EU KIDS ACT " vorgelegt: dieser
Gesetzesvorschlag verfolgt einen schrittweisen Ansatz und berücksichtigt die
besonderen Bedürfnisse der jeweiligen Altersgruppen: keine sozialen Medien
unter 13 Jahren; keine persönlichen Konten unter 15 Jahren. Für Jugendliche
zwischen 13 und 15 Jahren nur "Mini-Konten" (von den Eltern eingerichtet und
beaufsichtigt), für alle Konten von unter 18-Jährigen ist eine sichere
Gestaltung vorgeschrieben.
- Umkehr der Beweislast : Plattformen müssen nachweisen, dass sie für Kinder
sicher sind.
- Im Herbst soll ein " Digital Fairness Act " vorgeschlagen werden, um das
Problem des süchtig machenden Designs anzugehen.
10. Eine stärkere Union
"Europa wird seinen Werten stets treu bleiben. Unsere Union wurde als
Friedensprojekt gegründet. Auf dass unsere tragische Vergangenheit einer
gemeinsamen Zukunft für die Europäerinnen und Europäer weiche. Jahrzehnte später
ist Europa immer noch eine Verheißung für Millionen von Menschen, die manchmal
so weit entfernt leben wie in Kanada. Und doch vergessen wir oft, welche Kraft
immer noch von dieser Verheißung ausgeht."
- Im kommenden Jahr, 70 Jahre nach der Unterzeichnung des Vertrages von Rom,
wird ein Europa-Kongress stattfinden. Es werden Denker, Literatur- und
Kunstschaffende, Forschende, Bürgerinnen und Bürger teilnehmen und die
Zivilgesellschaft wird vertreten sein. Es soll um eine neue Vision gehen, die
die neue Generation von Europäern inspiriert.
- Fahrpläne für die am weitesten fortgeschrittenen Kandidaten im
EU-Beitrittsprozess.
Europa, unser gemeinsames Haus
Ursula von der Leyen schloss ihre Rede vor den Abgeordneten im Europäischen
Parlament mit dem Appell, Europa müsse ein weiteres Mal seine Zukunft in die
Hand nehmen:
"Vergessen wir niemals, wie unsere Union entstand. Völker, die sich so lange
bekriegten, schlossen sich zusammen, um gemeinsam ihr Schicksal zu gestalten.
Ein Schicksal in Frieden und Wohlstand, in Demokratie und Freiheit. Niemals
haben sie festgeschrieben, bis zu welchem Punkt uns dieses Schicksal letztlich
führen soll. Aber jede Generation hat auf dem Erbe der vorherigen aufgebaut.
Schritt für Schritt. Stein für Stein. Natürlich bestehen unsere
Unvollkommenheiten, unsere Vielfalt und unsere Unterschiede auch weiterhin. Aber
genau das macht Europa zu unserem Europa. Zu unserem gemeinsamen Haus."
Den genauen Wortlaut der Rede finden Sie in der vollständigen Pressemitteilung
(https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/speech_26_1868) .
Weitere Informationen:
Hintergrundmaterial zur SOTEU
(https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/state-union_en)
Pressekontakt: Birgit Schmeitzner, Tel.: +49 (30) 2280-2300.
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(https://ec.europa.eu/germany/news/contact_de) .
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Originalfassung kommt auch Maschinenübersetzung zum Einsatz. Die Versionen in
der Originalsprache finden Sie immer hier
(https://ec.europa.eu/commission/presscorner/home/en) .
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OTS: Europäische Kommission
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