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Gleisdorf (ots) - Kommt ein Kind mit einer schlechten Note nach Hause, reagieren
viele Eltern reflexartig mit mehr Lernen, strengeren Regeln oder Konsequenzen.
Doch zusätzlicher Leistungsdruck kann das eigentliche Problem sogar verschärfen.
Denn hinter schlechten Noten stecken nicht immer fehlender Fleiß oder mangelnde
Disziplin - häufig spielen Unsicherheit, Überforderung oder fehlendes Vertrauen
in die eigenen Fähigkeiten eine entscheidende Rolle.
Eine schlechte Note ist zunächst nur ein Ergebnis - keine Erklärung. Wenn Eltern
sofort den Druck erhöhen, ohne zu verstehen, warum das Kind Schwierigkeiten hat,
entsteht schnell ein Kreislauf aus Angst, Frust und noch schlechterer Leistung.
In diesem Beitrag wird erklärt, wie Eltern auf schlechte Noten richtig
reagieren, warum Vertrauen und Ursachenforschung oft wichtiger sind als
zusätzlicher Lerndruck und wie Kinder wieder mehr Sicherheit und Motivation beim
Lernen entwickeln können.
Erst verstehen, dann reagieren
Diese Situation kennen gewiss viele Eltern: Das Kind kommt mit einer schlechten
Note nach Hause und sofort setzen die Sorgen ein. Dabei werden schlechte Noten
oft vorschnell als Beleg dafür gewertet, dass ein Kind zu wenig gelernt, sich
nicht genug angestrengt oder schlicht nicht diszipliniert genug gearbeitet hat.
Genau darin liegt jedoch ein großer Denkfehler. Eine Note zeigt zunächst nur das
Ergebnis einer Situation, aber noch lange nicht deren Ursache.
Die Gründe können vielseitig sein: Vielleicht wurde der Stoff nicht verstanden,
vielleicht war die Nervosität zu groß, vielleicht steht die Angst vor Fehlern im
Weg. Auch innerer Druck kann dazu führen, dass zusätzliche Kontrolle oder noch
mehr Lernen die Lage eher verschärft als verbessert. Sinnvoll ist deshalb ein
anderer Blick: Eltern sollten nicht zuerst die Note bewerten, sondern klären,
was für das Kind tatsächlich schwierig war. Erst wenn die Hintergründe sichtbar
werden, lässt sich entscheiden, ob mehr Übung nötig ist - oder ob zunächst etwas
ganz anderes gebraucht wird.
Wenn Druck zum Kreislauf wird
Kommt ein Kind bereits enttäuscht oder verunsichert nach Hause und erlebt dort
sofort weiteren Druck, kann sich daraus schnell ein belastender Kreislauf
entwickeln: Auf die schlechte Note folgt die Angst vor der Reaktion, daraus
wächst noch mehr Unsicherheit und bei der nächsten Prüfung steht nicht mehr nur
der Stoff im Vordergrund, sondern die Sorge, erneut zu versagen. Dann geht es
irgendwann nicht mehr nur um Mathematik, Deutsch oder Englisch. Es entsteht die
gefährliche innere Überzeugung, etwas grundsätzlich nicht zu können.
Genau an diesem Punkt ist besondere Vorsicht geboten. Eine Note darf niemals zum
Urteil über das Kind werden: Eine Vier sagt nichts über Intelligenz, eine Fünf
nichts über Fleiß - und selbst eine Eins bedeutet nicht automatisch, dass es
einem Kind gut geht. Eltern dürfen Leistung ernst nehmen, sollten aber darauf
achten, dass ihre Beziehung zum Kind nicht an schulische Ergebnisse geknüpft
wird.
Was Kinder wirklich brauchen
Hilfreich ist ein genaueres Hinschauen: Handelt es sich um einen einmaligen
Ausrutscher oder um ein wiederkehrendes Problem in einem bestimmten Fach? Hat
das Kind verstanden, was von ihm verlangt wurde? Traut es sich, Fragen zu
stellen? Besteht Angst davor, Fehler zu machen? Oder ist die allgemeine
Anspannung gerade so hoch, dass Lernen kaum noch gelingen kann?
Aus diesen Fragen ergibt sich, was das Kind wirklich braucht. Manchmal ist es
tatsächlich mehr Übung, manchmal braucht ein Kind aber zuerst wieder Zutrauen in
die eigenen Fähigkeiten. Wer schon mit dem Gedanken an eine Aufgabe herangeht,
sie ohnehin nicht schaffen zu können, wird von zusätzlichen Arbeitsblättern kaum
profitieren. Kinder brauchen Orientierung und Vertrauen zugleich: klare
Erwartungen, aber auch die Sicherheit, dass Schwierigkeiten nicht den eigenen
Wert bestimmen.
Warum kleine Erfolgserlebnisse so wichtig sind
Entscheidend ist, dass Kinder wieder erleben, lernen zu können. Dazu gehört auch
ausprobieren, Fehler zu machen, zu lachen und neu zu beginnen. Genau dadurch
entsteht eine wichtige Erfahrung: Etwas klappt vielleicht nicht sofort, kann
aber dennoch gelingen. Selbstvertrauen wächst nicht allein durch ständiges Lob
und auch nicht dadurch, dass jede Schwierigkeit beseitigt wird. Es entsteht,
wenn ein Kind merkt: Das war schwer, ich bin drangeblieben, und am Ende hat es
funktioniert. Deshalb hilft weder das Schönreden noch die schnelle Konsequenz.
Eine schlechte Note ist ein Signal, genauer hinzusehen - kein Grund, ein Kind
unter noch mehr Druck zu setzen.
Über Marco Schnabl:
Marco Schnabl ist Gründer von body'n brain® und Entwickler des
Neuro-Fitness-Konzepts. Seit über 23 Jahren beschäftigt er sich in der Praxis
damit, wie Gehirn, Körper und Nervensystem zusammenspielen und wie Kinder durch
einfache, spielerische Impulse beim Lernen unterstützt werden können. Sein
Leitgedanke: Der Mensch gehört wieder in den Mittelpunkt. Weitere Informationen
unter: https://kindertrainer.info/
Pressekontakt:
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Ruben Schäfer
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