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Garmisch-Partenkirchen (ots) - Das neue Altersvorsorgedepot sorgt für
Gesprächsstoff. Es verspricht mehr Flexibilität und bessere Renditechancen als
die klassische Riester-Rente. Gleichzeitig fragen sich viele Frauen ab 45
Jahren, ob sich ein Einstieg oder Umstieg noch lohnt - oder ob die verbleibende
Zeit bis zum Ruhestand dafür zu kurz ist. Wer die falsche Entscheidung trifft,
verschenkt im schlimmsten Fall wertvolle Zeit und Geld für den Ruhestand.
Für viele Frauen kann das Altersvorsorgedepot eine interessante Ergänzung oder
Alternative sein - entscheidend ist aber, die persönliche Lebenssituation und
den Zeithorizont realistisch zu bewerten. Nachfolgend erfahren Sie, worauf
Frauen ab 45 beim neuen Altersvorsorgedepot achten sollten, welche Unterschiede
zur Riester-Rente bestehen und für wen sich ein Umstieg lohnen kann.
Mehr Kapitalmarkt, weniger Garantie
Ein wesentlicher Unterschied zur bisherigen Riester-Rente liegt in der
Geldanlage. Bei Riester musste grundsätzlich gewährleistet sein, dass zu Beginn
der Auszahlungsphase mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen vorhanden
sind. Diese Garantie schafft Sicherheit, schränkt jedoch zugleich eine
konsequente Kapitalmarktanlage ein. Ein Teil des Vermögens muss defensiv
investiert werden, wodurch Renditechancen verloren gehen können.
Beim neuen Altersvorsorgedepot können Anlegerinnen dagegen bewusst auf eine
Beitragsgarantie verzichten und beispielsweise breit gestreut über Aktienfonds
oder ETFs investieren. Damit steigt zwar das Risiko zwischenzeitlicher Verluste,
zugleich kann das Vermögen stärker an der langfristigen Entwicklung der
Kapitalmärkte teilhaben.
Wer die Anlage nicht selbst steuern möchte, kann das vorgesehene Standarddepot
nutzen. Dabei wird das Kapital auf einen chancenorientierten und einen
risikoärmeren Fonds verteilt. Nähert sich der Ruhestand, soll das Anlagerisiko
schrittweise sinken. Zudem sind die Effektivkosten beim Standarddepot gesetzlich
auf maximal ein Prozent pro Jahr begrenzt. Für andere Varianten gilt diese
Grenze nicht automatisch.
Ab 45 zählt die individuelle Rechnung
Auch mit 45, 50 oder später kann ein Einstieg sinnvoll sein. Allerdings gewinnt
mit zunehmendem Alter der Vergleich mit einem gewöhnlichen privaten ETF-Depot an
Bedeutung. Denn neben der staatlichen Förderung muss auch die spätere
steuerliche Belastung berücksichtigt werden.
Während der Ansparphase werden Erträge innerhalb des geförderten Depots nicht
laufend besteuert und können weiter investiert werden. In der Auszahlungsphase
unterliegen die geförderten Zahlungen jedoch grundsätzlich dem persönlichen
Einkommensteuertarif. Bei einem privaten ETF-Depot wird dagegen bei einer
Veräußerung grundsätzlich nur der erzielte Gewinn besteuert.
Gerade für Frauen ab 45 sollte deshalb nicht allein die Förderung den Ausschlag
geben. Entscheidend ist, wie viele Jahre das Kapital noch arbeiten kann, welche
Kosten entstehen und welcher Steuersatz im Ruhestand zu erwarten ist. Wer später
neben der gesetzlichen Rente weitere steuerpflichtige Einkünfte erzielt, sollte
diesen Effekt besonders genau berücksichtigen.
Je kürzer die Ansparphase, desto weniger Zeit haben zudem Förderung und
Steuerstundung, um zusätzliche Rendite zu erwirtschaften. Deshalb kann auch eine
Kombination sinnvoll sein: Ein Teil der Vorsorge läuft über das geförderte
Depot, während zusätzlich flexibel in einem privaten ETF-Depot Vermögen
aufgebaut wird.
Riester nicht vorschnell aufgeben
Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, sollte diesen nicht allein wegen der
neuen Möglichkeiten aufgeben. Bei einem förderunschädlichen Wechsel kann das
vorhandene geförderte Vermögen grundsätzlich in das neue System übertragen
werden, ohne die bisherige Förderung zurückzahlen zu müssen.
Ob das vorteilhaft ist, hängt jedoch vom bestehenden Vertrag ab. Attraktive
Garantiezinsen können ebenso für einen Verbleib sprechen wie hohe Kinderzulagen
bei geringem Eigenbeitrag. Hohe Abschluss-, Verwaltungs- oder Fondskosten sowie
eine sehr defensive Anlage können einen Wechsel dagegen interessanter machen.
Vor einem Wechsel lohnt es sich deshalb, die Konditionen des bestehenden
Riester-Vertrags genau mit denen des neuen Altersvorsorgedepots zu vergleichen.
Neben den Gesamtkosten spielen die verfügbaren ETFs und Fonds, die mögliche
Aktienquote, Anpassungsmöglichkeiten sowie die Bedingungen der späteren
Auszahlung eine Rolle. Das Altersvorsorgedepot ist nicht automatisch günstig
oder passend, nur weil es mehr Freiheiten eröffnet.
Renditechancen und Sicherheit ausbalancieren
Der Verzicht auf eine Garantie bringt stärkere Kursschwankungen mit sich. Bei
einem ausreichend langen Anlagehorizont muss das kein grundsätzliches Problem
sein. Allerdings sollten Aktienquote und Anlageauswahl zur persönlichen
Risikobereitschaft und zur verbleibenden Zeit bis zum Ruhestand passen.
Auch ETF ist nicht gleich ETF. Ein breit gestreuter Welt-ETF unterscheidet sich
hinsichtlich Diversifikation und Risiko deutlich von einem Branchen-, Themen-
oder Länder-ETF. Einige Jahre vor der geplanten Entnahme kann es zudem sinnvoll
sein, das Risiko schrittweise zu reduzieren. Beim Standarddepot soll diese
Anpassung automatisch erfolgen.
Daneben bleibt finanzielle Flexibilität wichtig. Da das Altersvorsorgedepot
zweckgebunden ist, lässt sich nicht jederzeit frei auf das Kapital zugreifen,
ohne möglicherweise Förderungen oder steuerliche Vorteile zu verlieren. Eine
ausreichende Liquiditätsreserve sollte deshalb bestehen bleiben.
Das Altersvorsorgedepot erweitert die Möglichkeiten der geförderten
Altersvorsorge deutlich. Gerade für Frauen ab 45 ist es jedoch weder automatisch
die bessere Riester-Rente noch grundsätzlich einem privaten ETF-Depot überlegen.
Entscheidend bleibt die individuelle Rechnung aus Förderung, Kosten, Steuern,
Anlagehorizont und persönlichem Sicherheitsbedürfnis.
Über Katharina Dauenhauer:
Katharina Dauenhauer ist unabhängige Honorar-Finanzanlagenberaterin, Mentorin
für Vermögensaufbau für Frauen und Gründerin der Dauenhauer Consulting GmbH. Mit
ihrer Erfahrung im Bankwesen, in der Lehre und Beratung vermittelt sie
Finanzwissen verständlich und praxisnah. Ihr Schwerpunkt liegt auf der
finanziellen Beratung von Frauen ab 45. Zudem ist sie Autorin des Buches "Jetzt
oder nie - Investieren für Frauen ab 45+". Weitere Informationen:
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