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Download der Studie DOWNLOAD
https://wiiw.ac.at/viewing-the-reconstruction-of-ukraine-as-a-strategic-op
portunity-for-europe-dlp-7707.pdf
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Wien (ots) - EU und Deutschland könnten bei Industrie, Energie, Rohstoffen und
Verteidigung profitieren; Nutzen überwiegt Kosten bei weitem; Marshallplan für
die Ukraine notwendig
Der Wiederaufbau der Ukraine wird eines der größten wirtschaftlichen Projekte
Europas seit dem Zweiten Weltkrieg. Mit Stand Ende 2025 wurden die dafür
benötigten Mittel auf mehr als 500 Mrd. Euro geschätzt. Bis Kriegsende dürfte
diese Summe noch einmal deutlich steigen. Für die Ukraine ist ein solcher Betrag
selbst nicht zu stemmen.
In die Bresche wird daher in erster Linie die EU springen müssen. Für Europa ist
der Wiederaufbau der Ukraine jedoch nicht nur eine finanzielle Belastung,
sondern - bei richtiger Umsetzung - vor allem auch eine strategische Investition
in die eigene wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, militärische Sicherheit und
geostrategische Autonomie. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Wiener
Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw).
"Richtig gestaltet, kann der Wiederaufbau der Ukraine Europas Lieferketten
stärken, neue industrielle Kapazitäten schaffen und die Abhängigkeit von
kritischen Energie- und Rohstoffimporten reduzieren", sagt Olga Pindyuk,
Ukraine-Expertin am wiiw und Autorin der Studie.
Marshallplan für die Ukraine
Die Dimension der Aufgabe übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Ukraine
bei weitem. Ihr Bruttoinlandsprodukt belief sich 2025 auf rund 190 Mrd. Euro.
Würde das Land den Wiederaufbau selbst finanzieren, müsste es laut Studie über
zehn Jahre hinweg jährlich etwa 15% seiner Wirtschaftsleistung dafür aufbringen,
wohlgemerkt unter der Annahme eines nominellen BIP-Wachstums von
durchschnittlich 15% pro Jahr. Gleichzeitig liegt die ukrainische
Staatsverschuldung bereits heute bei über 100% des BIP.
Das wiiw warnt deshalb vor einer Finanzierung über neue Kredite, weil damit in
der Ukraine eine Schuldenspirale in Gang gesetzt werden könnte. "Die Ukraine
muss ihren Wiederaufbau primär über Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden
müssen, finanzieren können. Damit sollte auch möglichst viel privates Kapital
angezogen werden", erklärt Pindyuk und verweist auf den Marshallplan für
Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieser bestand ebenfalls zu mehr als 90%
aus Zuschüssen.
Die bislang von der EU vorgesehenen Mittel reichen für den Wiederaufbau
allerdings nicht aus. Für den EU-Finanzrahmen 2028 bis 2034 sind gemäß dem
aktuellen Vorschlag jährlich rund 13,5 Mrd. Euro für die Ukraine budgetiert.
Nach Berechnungen der Studie wären jedoch mindestens 32 Mrd. Euro an EU-Geldern
pro Jahr notwendig - also mehr als das Doppelte.
Bessere Absicherung von Risiken privater Investoren
Da mit diesen öffentlichen Geldern auch massiv privates Kapital angelockt werden
soll - vor allem in Form von ausländischen Direktinvestitionen - plädiert die
Studie auch für einen deutlichen Ausbau der staatlichen Kreditgarantien und
Risikoausfallversicherungen für Investoren. Gleichzeitig muss die Ukraine auch
Reformen in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, Justiz, Korruptionsbekämpfung und
der Übernahme von EU-Standards entscheidend voranbringen, um das Vertrauen der
Investoren zu stärken.
EU-Integration vorantreiben
Die Erfahrungen von Südkorea nach dem Koreakrieg haben gezeigt, dass eine
erfolgreiche wirtschaftliche Erholung nicht allein von der Höhe der Finanzhilfe
abhängt. Entscheidend waren eine klare staatliche Entwicklungsstrategie, eine
starke Eigenverantwortung der Regierung bei der Umsetzung und die
wirtschaftliche Integration mit dem Ausland.
"Der Wiederaufbau des Landes sollte deshalb eng mit dem EU-Beitrittsprozess der
Ukraine verknüpft werden", so Pindyuk. "Je stärker die Ukraine in den
europäischen Binnenmarkt und europäische Wertschöpfungsketten integriert wird,
desto größer werden die wirtschaftlichen Vorteile für beide Seiten sein. Die
EU-Osterweiterung hat das eindrücklich vor Augen geführt."
Chance für Europas Industrie
Für die EU könnte der Wiederaufbau erhebliche wirtschaftliche Vorteile bringen.
Die Ukraine bietet laut Studie angesichts ihrer Größe und ihrer gut
ausgebildeten Bevölkerung großes Potenzial als Produktionsstandort und
Absatzmarkt und könnte enger in europäische Wertschöpfungsketten integriert
werden.
Insbesondere in der Autoindustrie, in der Rüstungsindustrie, in der Luftfahrt
und Elektronikindustrie könnten neue Produktionskapazitäten dazu beitragen,
Lieferketten zu verkürzen und Europas Abhängigkeit von außereuropäischen
Produktionsstandorten zu reduzieren. Auch bei erneuerbaren Energien verfügt das
Land über großes Potenzial und könnte damit maßgeblich zur Energiesicherheit und
Dekarbonisierung Europas beitragen.
Von besonderer strategischer Bedeutung sind ihre Rohstoffvorkommen. In der
Ukraine gibt es Lagerstätten von 25 der 34 von der EU als kritisch eingestuften
Rohstoffe wie Lithium, Titan oder Mangan. Eine stärkere wirtschaftliche
Integration sollte Europa dabei helfen, die große Abhängigkeit von China in
diesem Bereich zu reduzieren.
Drohnentechnologie und militärische Innovation
Auch für Europas Verteidigungsfähigkeit könnte die Ukraine künftig eine wichtige
Rolle spielen. Eine stärkere Einbindung der ukrainischen Hersteller in die
europäische Rüstungsindustrie könnte Produktionskapazitäten erhöhen,
Innovationen beschleunigen und dazu beitragen, bestehende Engpässe bei der
europäischen Aufrüstung schneller zu überwinden.
Die seit Kriegsbeginn stark ausgebaute ukrainische Verteidigungsindustrie
verfügt über umfangreiche praktische Erfahrung bei der Entwicklung und
Produktion moderner Waffensysteme, insbesondere bei Drohnen, elektronischer
Kriegsführung und digitalen Gefechtsführungssystemen. Davon dürfte insbesondere
die deutsche Rüstungsindustrie technologisch profitieren.
Die gesamte Studie steht hier zum Download zur Verfügung
(https://wiiw.ac.at/p-7707.html) .
Download der Studie DOWNLOAD (https://wiiw.ac.at/viewing-the-reconstruction-of-u
kraine-as-a-strategic-opportunity-for-europe-dlp-7707.pdf)
Pressekontakt:
Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw)
Mag. Andreas Knapp
Telefon: +43 680 1342 785
E-Mail: mailto:knapp@wiiw.ac.at
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/148268/6357231
OTS: Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wii
w)
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