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Karlsbad (ots) - Ergotherapeut:innen unterstützen Menschen mit einer
Borderline-Symptomatik, die eigenen Verhaltensmuster zu analysieren, sich auf
ihre Ressourcen zu fokussieren und sich besser selbst zu regulieren
Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung, die sich durch das Zusammentreffen
verschiedener Faktoren entwickeln kann. "Menschen mit dieser Form der
Persönlichkeitsstörung fühlen eine innere Zerrissenheit", sagt Inga Löckher,
Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.), und beschreibt,
was in Betroffenen vorgeht: "Viele empfinden ein chronisches Gefühl von Leere,
wenig Selbstvertrauen, Traurigkeit, Angst - etwa vor Ablehnung - und/ oder Wut".
Ergotherapeut:innen erarbeiten mit ihnen Strategien, um die eigenen
Verhaltensmuster zu erkennen, sich selbst besser zu regulieren,
Alltagsstrukturen anzulegen oder zu verändern und das eigene Selbstbild zu
stärken, was in Summe zu mehr Lebensqualität führt.
Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft ist davon auszugehen, dass das
Zusammenwirken bestimmter genetischer Veranlagungen, neurobiologischer
Besonderheiten und psychosozialer Belastungen eine
Borderline-Persönlichkeitsstörung hervorbringen kann. Psychosoziale Belastungen
können Folgen frühkindlicher Traumata nach körperlicher, psychischer oder
sexueller Gewalt, Vernachlässigung oder Misshandlungen sein. "Viele Betroffene
berichten von solchen Erlebnissen, dennoch: nicht jedes belastete Kind
entwickelt eine Borderline-Persönlichkeitsstörung", bestätigt die
Ergotherapeutin Löckher. Auch ein abwertendes Umfeld kann zur Entwicklung einer
Borderline-Persönlichkeitsstörung beitragen. Nicht nur daher, sondern generell
empfiehlt es sich grundsätzlich für das gesamte Umfeld aus Eltern, Angehörigen
und Erziehenden, Kinder mit ihren Emotionen und Anliegen ernst zu nehmen, sie zu
schützen und zu fördern.
Ergotherapeut:innen vermitteln Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung
Zusammenhänge von Aktivitäten und Spannungslevel
Der Leidensdruck von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist
enorm hoch; sie bewegen sich häufig wie regelrechte Überlebenskünstler:innen
durch ihren Alltag. Begleitend zu psychiatrischen Therapien erhalten Sie
beispielsweise Ergotherapie. Ergotherapeut:innen richten ihre Interventionen vor
allem auf die Bewältigung des Alltags aus. Löckher erklärt: "Menschen mit einer
Borderline-Persönlichkeitsstörung empfinden eine erhöhte Grundanspannung".
Ergotherapeut:innen nutzen bei ihrer Arbeit mit Menschen mit einer
Borderline-Persönlichkeitsstörung unter anderem eine sogenannte Spannungsskala
zur subjektiven Einschätzung der eigenen Anspannung, in der sie ihre jeweils
empfundene Anspannung in Werten von 0 bis 100 erfassen. In solche
Spannungslisten tragen Klient:innen von Ergotherapeut:innen anfangs mitunter
stündlich und später in größeren Abständen ihr Spannungslevel und ebenso alle
Aktivitäten und Erlebnisse des Tages ein. Die Analyse der Spannungsliste
verdeutlicht den Klient:innen, welche Schwankungen es gibt und die Zusammenhänge
zwischen Ereignissen wie: "schlecht geschlafen", "gegrübelt" oder "zu spät ins
Bett gegangen" und einem erhöhten Spannungslevel. Die Eintragungen in die
Spannungsliste verdeutlichen im Reflexionsgespräch mit dem oder der
Ergotherapeut:in: die Anspannung lässt sich durch das eigene Verhalten steuern.
Ergotherapeut:innen arbeiten mit Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung
Lösungswege zur besseren Impulssteuerung aus
Ergotherapeut:innen prüfen gemeinsam mit ihren Klient:innen immer auch: Welche
Stressoren gibt es. Manchmal sind Enttäuschungen Auslöser, wenn etwa ein Treffen
abgesagt wurde oder etwas anderes stattgefunden hat, was das negative
Selbstwertgefühl eines Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung
verstärken kann. Oder was er oder sie als Ablehnung der eigenen Person
empfindet, was mögliche Verlustängste schüren kann. In Folge solcher Situationen
können Betroffene in eine sehr hohe Anspannung kommen. Um ihre Anspannung besser
regulieren zu können, legen Ergotherapeut:innen gemeinsam mit ihren Klient:innen
persönliche Skillsketten fest, die sich am jeweiligen Anspannungsgrad
orientieren. Skills können verschiedene Fähigkeiten, Fertigkeiten oder
Handlungen sein. Je nach persönlichen Interessen und Möglichkeiten und abhängig
vom Anspannungsgrad kommen beispielsweise Atemübungen, unterschiedliche
sportliche oder körperliche Aktivitäten wie Spazierengehen, das Anrufen
nahestehender Menschen oder - wenn gar nichts mehr geht - die Seelsorge in
Betracht. Zu wissen, dass und welche Optionen sie haben, gibt Betroffenen
Handlungsspielraum; sie fühlen sich nicht länger handlungsunfähig, sondern haben
eine Wahl und können dank ihrer eigenen oder der Fähigkeiten anderer ihr
Anspannungslevel wieder senken.
Übergeordnete Ziele einer ergotherapeutischen Intervention
In Phasen von Antriebslosigkeit, die die Borderline-Symptomatik begleiten
können, ist eines der übergeordneten Ziele einer ergotherapeutischen
Intervention, die Tagesstruktur Betroffener aufrecht zu erhalten. Menschen mit
dieser Form der Persönlichkeitsstörung stufen sich und ihre Handlungen oftmals
als wertlos ein. Wer es - auch dank der mit Ergotherapeut:innen getroffenen
Verabredungen und Verpflichtungen - schafft, morgens loszuziehen und Dinge zu
erledigen, hat am Abend die Bestätigung: "Ich hatte einen geregelten Tagesablauf
und empfinde mich als selbstwirksam. Grundlage für die Zusammenarbeit von
Ergotherapeut:innen mit Klient:innen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung
ist eine verlässliche, wertschätzende und professionell abgegrenzte
therapeutische Beziehung. Dazu Löckher: "Ergotherapeut:innen schaffen einen
sicheren Rahmen, in dem Klient:innen neue Erfahrungen mit Selbstwirksamkeit,
Kommunikation, Grenzsetzung und Beziehungsgestaltung machen können".
Persönliche Ziele von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung
"Bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung kann selbstverletzendes Verhalten
auftreten; es betrifft jedoch nicht alle Menschen mit dieser Diagnose", betont
die Ergotherapeutin Löckher. Betroffene können ebenso zu einem negativen Umgang
mit sich selbst neigen, was sich etwa in einer Abwertung der eigenen Person
ausdrückt. Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung versuchen mehr
noch als andere, sich selbst zu optimieren. Löckher macht das an einem Beispiel
fest: "Diejenigen meiner Klient:innen, die Kinder haben, sind extrem darauf
bedacht, in ihrer Rolle als Mutter oder Elternteil alles gut und richtig zu
machen - gerade, wenn sie selbst belastende Erfahrungen in ihrer Kindheit
gemacht haben". Sie haben oft Ziele wie: "Ich möchte geduldiger werden" - was im
Übrigen das Ziel vieler Mütter beziehungsweise Eltern oder Elternteile sein
könnte - und arbeiten dann gemeinsam mit ihrer Ergotherapeutin oder ihrem
Ergotherapeuten entsprechende Ideen aus. Man schaut gemeinsam: Was sind
besonders stressige Situationen und sucht dann miteinander nach praktikablen und
alltagstauglichen Lösungen, um Abläufe umzustrukturieren oder Aufgaben
umzuverteilen, damit es zu weniger Überforderung kommt. Zu Überforderung kann es
auch kommen, wenn eine Person mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung etwa
nach einem Burnout wieder in den Beruf einsteigt. Ergotherapeut:innen begleiten
auch solche Phasen. Unter anderem üben sie mit ihren Klient:innen
Kommunikationsstrategien oder machen Rollenspiele, so dass es den Betroffenen
gut gelingt, sich in den Arbeitsalltag zu reintegrieren, gleichzeitig ihre
Bedürfnisse und Rechte durchzusetzen und in angemessener Form klare Grenzen zu
setzen.
Zunehmend mehr soziale Teilhabe durch einen ausgewogeneren Alltag und besseres
Selbstmanagement für Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung
Ergotherapeut:innen analysieren gemeinsam mit den Klient:innen, in welchen
konkreten Betätigungen und Alltagssituationen Anspannung, Impulsivität oder
Vermeidung die Handlungsfähigkeit einschränken und überprüfen diese Aspekte
kontinuierlich im Laufe ihrer Intervention. Sie lassen Klient:innen mit einer
Borderline-Persönlichkeitsstörung die gemeinsam erarbeiteten individuellen
Strategien erproben und in den Alltag übertragen. So kann es langfristig zu
einer besseren Betätigungsbalance - so bezeichnen Ergotherapeut:innen ein
ausgewogenes Verhältnis unterschiedlicher Aktivitäten und Verpflichtungen -
kommen. In Summe verändert sich dadurch die Selbstwahrnehmung von Menschen mit
einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, ihre Selbstsicherheit wächst und die
soziale Teilhabe fällt leichter.
Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den
Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage
des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche . Zum Podcast
gerne hier entlang: https://dve-podcast.podigee.io/ . Außerdem:
https://www.instagram.com/dve_ergotherapie/ und Deutscher Verband Ergotherapie
e.V. - DVE | Facebook
Pressekontakt:
Angelika Reinecke, Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE),
mailto:a.reinecke@dve.info
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/106910/6358071
OTS: Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE)
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