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Hamburg (ots) -
- Deutschland mit zweithöchstem hitzebedingten Verlust an Wirtschaftsleistung in
Europa 2026
- Nord- und Osteuropa erwärmen sich besonders stark in vergangenen Jahrzehnten
- El Niño könnte 2027 weltweit 451 Milliarden US-Dollar Wirtschaftsleistung
kosten
- Anpassung und Prävention werden zum Schlüssel für wirtschaftliche Resilienz
Extremwetterereignisse wie Hitze verursachen zunehmend erhebliche
wirtschaftliche Kosten. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste gemeinsame Studie
von Allianz und Allianz Trade. Der erstmals veröffentlichte und künftig jährlich
erscheinende "Allianz Climate Risk Tracker" analysiert mit zwei neuen
Indikatoren, dem Climate Change Score und dem Climate Stress Score, wie stark
sich das Klima einzelner Länder bereits verändert hat und wie hoch die aktuelle
physische Klimabelastung ist [1]. Zudem berechnet die Studie die konkreten
wirtschaftlichen Einbußen durch die Hitzewellen 2026 in Europa und mögliche
Auswirkungen eines starken El Niño auf Wachstum und Inflation im Jahr 2027.
"Hitze ist ein vielfach unterschätztes Risiko", sagt Frank Sommerfeld, CEO der
Allianz Versicherungs-AG. "Sie belastet Menschen, Infrastruktur und Wirtschaft
gleichermaßen und verschärft viele bestehende Gefahren wie Dürre, Waldbrände und
Extremwetter."
Die Studie zeigt, dass gerade Extremwetter zunehmend zu einer wirtschaftlichen
Belastungsprobe wird. In den vergangenen fünf Jahren lagen die wirtschaftlichen
Schäden in Deutschland insgesamt bei rund 50 Mrd. EUR und damit im
Jahresdurchschnitt knapp doppelt so hoch wie in den Jahren 2000 bis 2019. Damit
sind die Schäden hierzulande deutlich schneller gestiegen als im globalen
Maßstab (+54%). Die versicherten Schäden stiegen im gleichen Vergleich um 80%
(weltweit: 76 %) auf jährlich knapp 17 Mrd. EUR. Damit waren in diesem Zeitraum
nur 33,5 % (weltweit: 32,8%) der wirtschaftlichen Schäden versichert.
"Die Allianz Studie macht deutlich: Deutschland ist von klimabedingten Schäden
besonders stark betroffen. Um die Risiken zu begrenzen, müssen die
Treibhausgasemissionen deutlich sinken und die Maßnahmen zur Anpassung an
zunehmende Hitze konsequent vorangetrieben werden", sagt Sommerfeld.
Hitze verursacht in Deutschland zweithöchsten absoluten Wirtschaftsverlust in
Europa
Gerade auf Hitze ist Deutschland aktuell noch nicht ausreichend vorbereitet.
Entsprechend sind die Auswirkungen hierzulande ein größerer Wirtschaftsfaktor
als in vielen anderen europäischen Ländern.
"Allein die Hitzewellen des Sommers 2026 dürften die deutsche
Wirtschaftsleistung um insgesamt rund 25 Mrd. Euro schmälern", sagt Milo
Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Damit verzeichnet Deutschland nach Italien mit 28 Mrd. Euro den zweithöchsten
absoluten hitzebedingten Wirtschaftsverlust unter den 30 untersuchten
europäischen Ländern, noch vor Frankreich mit 20 Mrd. Euro. Insgesamt summieren
sich die geschätzten Verluste in Europa auf 113 Mrd. Euro [2]."
Die Einbußen entstehen vor allem durch eine hitzebedingte geringere
Arbeitsproduktivität, längere Pausen und Fehlzeiten sowie nur teilweise Zugang
zu Kühlung. Daraus resultieren Produktionsausfälle sowie eine geringere
Wertschöpfung, die zu Einbußen beim BIP führen.
2027 droht mit El Niño der nächste teure Belastungstest
Während die Hitzewellen in Europa für 2026 überstanden sind, wirft das nächste
Klimaphänomen bereits seine Schatten voraus: 2027 drohen weitere wirtschaftliche
Risiken durch den sehr starken El Niño.
"El Niño mag geografisch weiter entfernt sein als eine Hitzewelle im
europäischen Sommer - tatsächlich sind die wirtschaftlichen Folgen aber auch in
Europa spürbar, sowohl bei der Wirtschaftsleistung als auch durch eine
möglicherweise steigende Lebensmittelinflation", sagt Bogaerts.
Die Studie berechnet in einem Szenario auf Basis der Temperaturwirkungen des
starken El Niño 2023/2024 die Auswirkungen auf 144 Volkswirtschaften [3]:
"Unter dem Strich könnte El Niño die untersuchten Volkswirtschaften 2027 rund
392 Mrd. EUR (451 Mrd. US-Dollar) Wirtschaftsleistung kosten", sagt Hazem
Krichene, Senior Klimaökonom bei der Allianz. "China, die USA und Indien würden
zusammen fast 60 % der Bruttoverluste tragen."
Aber auch an Europa ginge dies nicht spurlos vorbei: Den 27 EU-Staaten droht ein
möglicher Nettoverlust bei der Wirtschaftsleistung von rund 21 Mrd. EUR ( 24
Mrd. US-Dollar; 0,09 % des BIP). Deutschland könnte rund 5,5 Mrd. EUR (6,3 Mrd.
US-Dollar Wirtschaftsleistung; ca. 0,1 % des BIP) verlieren. Gleichzeitig könnte
die deutsche Inflationsrate um 0,13 Prozentpunkte (pp), die
Nahrungsmittelinflation um 0,21pp höher ausfallen. EU-weit liegen die
geschätzten Effekte bei +0,31pp für die Gesamtinflation und +0,5pp für
Nahrungsmittelpreise.
Temperatur-Ranking: Nord- und Osteuropa erwärmt sich besonders stark
"Wirtschaftliche Schäden durch den Klimawandel dürften uns auch in den kommenden
Jahren begleiten, denn gerade Nord- und Osteuropa haben sich im
Temperatur-Ranking der vergangenen Jahrzehnte besonders stark nach oben bewegt",
sagt Krichene.
Norwegen weist 2025 unter den betrachteten Schwerpunktländern mit +3,74°C
gegenüber der historischen Referenz (1950 - 1970) den höchsten Temperaturanstieg
auf und rangiert weltweit auf Platz drei. Auch die Schweiz, Schweden, Estland,
Finnland und die Slowakei liegen mehr als 2,6°C über ihrem historischen Niveau..
Deutschland liegt bei der Entwicklung der Temperatur-Veränderung im oberen
Mittelfeld der betrachteten Länder.
Erstmals betrachtet die Studie mit dem Climate Change Score (CCS) und dem
Climate Stress Score (CSS) zwei unterschiedliche Dimensionen des Klimarisikos.
Während der CCS misst, wie stark sich die klimatischen Bedingungen gegenüber
1950 bis 1970 verändert haben, bildet der CSS die aktuelle Belastung durch
Hitze, Dürre und Starkniederschläge ab. Besonders hoch ist die kombinierte
Belastung unter anderem in Nigeria, den Philippinen, Malaysia, Brasilien, Côte
d'Ivoire, Marokko und der Türkei. Deutschland liegt bei beiden Indikatoren
vergleichsweise niedrig, auf Rang 132 beim Climate Change Score und Rang 134
beim Climate Stress Score unter 175 untersuchten Ländern und Gebieten.
Extremwetter: Deutschland langfristig im Mittelfeld, 2025 vergleichsweise
glimpflich
Auch bei den direkten ökonomischen Schäden durch Extremwetter zeigt sich ein
stark differenziertes Bild. Kleine Volkswirtschaften können durch einzelne
Katastrophen einen erheblichen Teil ihrer Wirtschaftsleistung verlieren. 2025
entsprachen die Schäden in Jamaika 39,4 % des BIP, in Südsudan 5, 2 %, in Sri
Lanka 4,1 % und in Thailand 2,9 %.
Deutschland kam 2025 vergleichsweise glimpflich davon: In der zugrunde liegenden
Datenbank wurde für Deutschland 2025 kein entsprechendes Extremwetterereignis
mit ökonomischen Schäden erfasst. Im langjährigen Durchschnitt seit 2000
verzeichnet Deutschland jährlich hingegen knapp sechs erfasste
Extremwetterereignisse, die durchschnittlich rund 0,1% des BIP pro Jahr an
Schäden verursachen. Damit liegt Deutschland international im Mittelfeld (Platz
137 von insgesamt 227 Ländern).
"Ein ruhigeres Jahr wie 2025 ist eine kurze Verschnaufpause, aber keine
dauerhafte Entwarnung", sagt Krichene. "Der Hitze-Sommer 2026 zeigt, wie schnell
sich das Blatt wenden kann. Entscheidend ist deshalb, rechtzeitig in Anpassung
und Vorsorge zu investieren. Dauerhafte Prävention, vorausschauende Finanzierung
und klare Verantwortlichkeiten sind wirtschaftlich sinnvoller als immer höhere
Ausgaben für die Reparatur bereits eingetretener Schäden."
Prävention schlägt Reparatur
Der internationale Vergleich zeigt: Länder mit etablierten Frühwarnsystemen,
Risikokarten, vorausschauender Finanzierung und klaren Zuständigkeiten sind
besser auf Klimarisiken vorbereitet als Staaten, die vor allem nach einer
Katastrophe reagieren. So investiert Marokko bereits seit 2016 mit Unterstützung
der Weltbank in Frühwarnsysteme und Risikokartierung. Auch Europa verstärkt
seine Vorsorge, unter anderem mit einer Fazilität der Europäischen Investment
Bank (EIB) von 15 Mrd. Euro für Wasser-Resilienz von 2025 bis 2027. Dennoch
bleibt die Anpassung vielerorts lückenhaft. Entscheidend ist daher der Wechsel
vom Krisenmanagement zur Prävention: Investitionen vor einer Katastrophe stärken
die wirtschaftliche Resilienz und können künftige Schäden begrenzen.
Die vollständige Studie (ENG, pdf) finden Sie hier:
https://bit.ly/4d3caDK
[1] Die Berechnungen basieren auf Analysen des Tools ClimRad, eine von Allianz
Research gemeinsam mit EarthianAI entwickelte Klimaanalyseplattform, die
Extremwetterereignisse und deren wirtschaftliche Folgen modelliert.
[2] Berechnet wurden die wirtschaftlichen Folgen der jeweils intensivsten
fünftägigen Hitzeperiode zwischen Juni und August in 30 europäischen Ländern.
Die Analyse berücksichtigt dabei neben der Temperatur auch Luftfeuchtigkeit und
Bevölkerungsverteilung.
[3] Bei den Berechnungen handelt es sich um eine Sensitivitätsanalyse basierend
auf historischen Wetter- und Temperaturdaten eines starken El Niño, nicht um
eine (Temperatur-)Prognose. Berücksichtigt werden die temperaturbedingten
Effekte von El Niño; zusätzliche Schäden etwa durch Dürren, Überschwemmungen
oder Waldbrände sind darin nicht enthalten.
Allianz Trade ist weltweiter Marktführer im Kreditversicherungsgeschäft und
anerkannter Spezialist für Bürgschaften und Garantien, Inkasso sowie Schutz
gegen Betrug oder politische Risiken. Allianz Trade verfügt über mehr als 100
Jahre Erfahrung und bietet seinen Kunden umfassende Finanzdienstleistungen an,
um sie im Liquiditäts- und Forderungsmanagement zu unterstützen.
Über das unternehmenseigene Monitoring-System verfolgt und analysiert die
Allianz Trade Gruppe täglich die Insolvenzentwicklung von mehr als 83 Millionen
kleiner, mittlerer und multinationaler Unternehmen und hat sofortigen Zugriff
auf die Daten von 289 Mio. Unternehmen in mehr als 160 Ländern. Insgesamt
umfassen die Expertenanalysen Märkte, auf die 92% des globalen
Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen.
Mit dieser Expertise macht die Allianz Trade Gruppe den Welthandel sicherer und
gibt den weltweit über 75.000 Kunden das notwendige Vertrauen in ihre Geschäfte
und deren Bezahlung. Als Tochtergesellschaft der Allianz und mit einem AA-Rating
von Standard & Poor's ist die Holding von Allianz Trade mit Sitz in Paris im
Schadensfall der finanzstarke Partner an der Seite seiner Kunden.
Das Unternehmen ist in über 40 Ländern vertreten und beschäftigt mehr als 5.900
Mitarbeiter weltweit. 2025 erwirtschaftete die Allianz Trade Gruppe einen
konsolidierten Umsatz von EUR 4 Milliarden und versicherte weltweit
Geschäftstransaktionen im Wert von EUR 1.400 Milliarden.
Weitere Informationen auf http://www.allianz-trade.de
Hinweis bezüglich zukunftsgerichteter Aussagen
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Erwartungen und andere zukunftsgerichtete Aussagen enthalten, die auf aktuellen
Einschätzungen und Annahmen der Geschäftsführung basieren, und bekannte und
unbekannte Risiken sowie Unsicherheiten beinhalten, aufgrund derer die
tatsächlichen Ergebnisse, Entwicklungen oder Ereignisse von den hier gemachten
Aussagen wesentlich abweichen können. Neben zukunftsgerichteten Aussagen im
jeweiligen Kontext spiegelt die Verwendung von Wörtern wie "kann", "wird",
"sollte", "erwartet", "plant", "beabsichtigt", "glaubt", "schätzt",
"prognostiziert", "potenziell" oder "weiterhin" ebenfalls eine
zukunftsgerichtete Aussage wider. Die tatsächlichen Ergebnisse, Entwicklungen
oder Ereignisse können aufgrund verschiedener Faktoren von solchen
zukunftsgerichteten Aussagen beträchtlich abweichen. Zu solchen Faktoren gehören
u.a.: (i) die allgemeine konjunkturelle Lage einschließlich der
branchenspezifischen Lage für das Kerngeschäft bzw. die Kernmärkte der
Allianz-Gruppe, (ii) die Entwicklung der Finanzmärkte einschließlich der
"Emerging Markets" einschließlich Marktvolatilität, Liquidität und
Kreditereignisse, (iii) die Häufigkeit und das Ausmaß der versicherten
Schadenereignisse einschließlich solcher, die sich aus Naturkatastrophen
ergeben; daneben auch die Schadenkostenentwicklung, (iv) Stornoraten, (v) Ausmaß
der Kreditausfälle, (vi) Zinsniveau, (vii) Wechselkursentwicklungen
einschließlich des Wechselkurses EUR-USD, (viii) Entwicklung der
Wettbewerbsintensität, (ix) gesetzliche und aufsichtsrechtliche Änderungen
einschließlich solcher bezüglich der Währungskonvergenz und der Europäischen
Währungsunion, (x) Änderungen der Geldpolitik der Zentralbanken bzw.
ausländischer Regierungen, (xi) Auswirkungen von Akquisitionen, einschließlich
der damit verbundenen Integrationsthemen, (xii) Umstrukturierungsmaßnahmen,
sowie (xiii) allgemeine Wettbewerbsfaktoren jeweils in einem örtlichen,
regionalen, nationalen oder internationalen Rahmen. Die
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