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Berlin (ots) - 150 in Berlin lebende Jüdinnen und Juden fordern in einem offenen
Brief eine rot-grün-rote Koalition und widersprechen damit dem Zentralrat der
Juden.
Eine der Unterzeichnerinnen ist die Schriftstellerin Eva Menasse. Radio3 von rbb
sagte sie, der Zentralrat der Juden in Deutschland habe schon lange nicht mehr
die Deutungsmacht, das sehr vielfältige und komplexe Leben von Jüdinnen und
Juden in Deutschland abzubilden oder gar zu vertreten.
In Berlin lebten sehr viele junge und mittelalte Israelis, weil sie es in ihrem
Heimatland nicht mehr aushielten. Es gebe aber auch eine sehr, sehr große
palästinensische Community. Da seien die Probleme viel brennender und sei der
Wunsch nach Verständigung viel größer, als sich der Vorsitzende des Zentralrats
der Juden, Josef Schuster, das nur im Ansatz vorstellen könne.
Menasse sieht die Linke in Berlin als Vermittlerin zwischen Juden und
Palästinensern. Für sie und viele ihrer Freunde sei sie die einzige Partei in
Deutschland, die diesen Spalt versucht zu moderieren, der zwischen Kritik an
Israel und einem eingewurzelten Antisemitismus, der in Deutschland seit vielen
Jahrhunderten vorhanden sei, bestehe.
Menasse glaubt, dass sich Elif Eralp gegen Antisemitismus einsetzt. Mit ihr habe
Berlin vielleicht die Möglichkeit, dass zum ersten Mal eine Frau mit einem
Migrationshintergrund Regierende Bürgermeisterin von Berlin wird. Und
ausgerechnet sie sei wahrscheinlich die Einzige im ganzen Kandidatenfeld, die
ganz bestimmt keine Nazis in ihrer Großelterngeneration habe.
Die Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Linke seien politisch motiviert, meint
Menasse: "Dieses politische Instrument wird von den Rechten bedient, aber leider
auch von sich für linkshaltenden Journalisten und Politikern in den letzten
Jahren. Der Antisemitismusvorwurf wird freihändig gegen alles geschwungen, was
in irgendeiner Weise migrantisch oder links aussieht. Das ist ein Rechtsruck,
der hier passiert ist in den letzten Jahren und der durchaus auch von früher für
liberal gehaltenen Zeitungen und Rundfunkanstalten bedient worden ist."
Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden Schuster hatte sich noch am Wahlabend
besorgt über das Ergebnis der Linken in Berlin geäußert. Die ehemalige
Vorsitzende Charlotte Knobloch erklärte, die Linke sei wegen ihres
Antisemitismus für Juden nicht wählbar.
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