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Berlin (ots) - Heute findet der Living Wage Action Day der Clean Clothes
Campaign (CCC) statt. Der Aktionstag wurde 2024 ins Leben gerufen und verfolgt
ein klares Ziel: weltweit eine Bewegung für existenzsichernde Löhne aufzubauen -
damit alle Arbeiter*innen ihre grundlegenden Bedürfnisse decken und ein Leben in
Würde führen können.
Ein Lohn zum Leben ist ein Menschenrecht
Ein Existenzlohn bedeutet mehr als die bloße Vermeidung extremer Armut. Er soll
es Arbeiter*innen ermöglichen, sich selbst und ihre Familien zu versorgen und
ihre grundlegenden wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte
wahrzunehmen.
Dazu gehören unter anderem Nahrung, angemessener Wohnraum, Energie, Wasser und
Sanitärversorgung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Transport. Ein
Existenzlohn muss innerhalb einer regulären Arbeitswoche verdient werden können
und darf nicht von überlangen oder gesundheitsschädlichen Arbeitszeiten
abhängen.
Gesetzliche Mindestlöhne liegen in der Regel weit unter dem erforderlichen,
existenzsichernden Lohn. In der globalen Bekleidungsindustrie ist die Lücke zum
Existenzlohn besonders groß, zumal die Bezahlung oft noch unter dem Mindestlohn
liegt.
Das bestehende Geschäftsmodell verschärft diese Situation: Niedrige
Einkaufspreise, kurze Lieferfristen, kurzfristige Änderungen von Bestellungen
und hoher Preisdruck setzen Lieferant*innen unter Druck. Dieser Druck wird oft
entlang der Lieferkette an die Beschäftigten weitergegeben werden - durch
niedrige Löhne, Stücklohnsysteme, überlange Arbeitszeiten und unsichere
Beschäftigung.
Kostenminimierung auf der einen Seite und gleichzeitige Profitmaximierung auf
der anderen dürfen nicht auf Kosten der Arbeiter*innen gehen!
Klimagerechtigkeit beginnt mit einem Lohn, der zum Leben reicht
Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie sind zunehmend hohen Temperaturen
ausgesetzt. Wenn die Arbeit wegen Hitze unterbrochen, verkürzt oder verlangsamt
werden muss, verlieren Arbeiter*innen nicht nur Einkommen, sie sind gleichzeitig
mit steigenden Ausgaben für Gesundheit, Strom, Trinkwasser oder Kinderbetreuung
konfrontiert. Wer ohnehin von einem niedrigen Lohn lebt, hat kaum Möglichkeiten,
sich zu schützen. Extreme Hitze ist nicht nur ein Gesundheits- und
Arbeitsschutzproblem, sondern auch eine Lohn- und Sozialfrage.
Hitze darf nicht zu Lohneinbußen führen - Einkommensschutz als Teil des
Hitzeschutzes
Wenn Arbeiter*innen bei extremer Hitze zusätzliche Pausen benötigen, ihre
Arbeitszeit reduziert wird oder Betriebe vorübergehend schließen müssen, darf
dies keinesfalls zu Lohnverlust, dem Wegfall von Boni oder Arbeitsplatzverlust
führen. Vielmehr müssen Menschen das Recht haben, gesundheitsgefährdende Arbeit
abzulehnen oder den Arbeitsplatz zu verlassen - ohne Vergeltungsmaßnahmen oder
Einkommensverlust befürchten zu müssen. Finanziell abhängige Beschäftigte
sollten nicht trotz Gesundheitsrisiken weiterarbeiten müssen.
Schutz vor Hitze muss daher immer auch Einkommensschutz bedeuten: Pausen,
Schichtanpassungen oder Betriebsstillstände dürfen keine finanziellen Nachteile
mit sich bringen. Wenn ein Arbeitsplatz zu heiß für eine sichere Arbeit ist,
muss die Tätigkeit eingestellt werden können - ohne Verlust von Lohn oder
sozialer Absicherung. Die Folgen der Klimakrise dürfen nicht den Arbeiter*innen
aufgebürdet werden.
Modebranche scheitert an Living-Wage-Versprechen
Diese Woche veröffentlichte die CCC die 7. Ausgabe des Fashion Checker
(https://fashionchecker.org/) , eine Monitoring zu Fortschritten bei
existenzsichernden Löhnen in der Modeindustrie. Die Ergebnisse sind alarmierend:
- Nur 4 % der 110 untersuchten Marken berichten von konkreten Fortschritten bei
der Umsetzung von Existenzlöhnen - obwohl 32 % in der Vergangenheit eine
entsprechende Zusage gemacht haben.
- Lohnlücke bleibt dramatisch: Arbeiter*innen verdienen 73 % weniger als den
Existenzlohn in Bangladesch, 74% weniger in Pakistan, 63 % weniger in Serbien
und 66 % weniger in der Türkei.
- Transparenzdefizit: Nur 3 % der Marken veröffentlichen Lohndaten aus ihren
Lieferketten.25 % haben keinen öffentlich zugänglichen Beschwerdemechanismus
für Arbeiter*innen.
- EU-Regulierung (CSDDD): Ab 2029 fällt ein Viertel der Marken unter die
EU-Lieferketten-Sorgfaltspflichtrichtlinie (CSDDD) - doch nur 3 % haben einen
öffentlichen Aktionsplan für Existenzlöhne.
"Jeder Lohn unter dem Existenzlohn ist ein Armutslohn. Seit 2019 haben wir nur
eine 3-%-Verbesserung bei den Living-Wage-Bewertungen gesehen - 96 % der Marken
scheitern aktuell daran, Arbeiter*innen fair zu bezahlen." - Aileen Robinson,
Clean Clothes Campaign
Freiwilligkeit reicht nicht
Freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen reichen nicht aus, um die
strukturellen Probleme der globalen Bekleidungsindustrie zu lösen. Notwendig
sind verbindliche Regeln und Transparenz! Gewerkschaften und demokratisch
gewählte Beschäftigtenvertretungen müssen an Entscheidungen über Arbeitsschutz,
Löhne und Klimaanpassung beteiligt sein. Sie müssen auch bei der Entwicklung von
Gesetzen, Regelungen und verbindlichen Vereinbarungen eine entscheidende Rolle
spielen.
Zulieferer müssen verpflichtet werden, sichere Arbeitsplätze, existenzsichernde
Löhne und den Schutz des Einkommens bei extremer Hitze zu gewährleisten.
Gleichzeitig müssen Marken ihre Einkaufspraktiken ändern: Preise, Lieferfristen
und Produktionsvorgaben dürfen nicht so dazu führen, dass Zulieferer ihre Kosten
auf die Beschäftigten abwälzen.
Marken müssen die erforderlichen finanziellen Mittel bereitstellen, um ihre
Verantwortung entlang der Lieferkette wahrzunehmen.
Ein Existenzlohn ist kein Luxus
Ein Arbeitsplatz, der Menschen nicht ermöglicht, ihre grundlegenden Bedürfnisse
und die ihrer Familien zu decken, ist kein Weg aus der Armut. Und ein
Arbeitsplatz, an dem Beschäftigte zwischen ihrer Gesundheit und ihrem Einkommen
wählen müssen, ist kein sicherer Arbeitsplatz.
Zum Living Wage Action Day 2026 fordern wir deshalb:
- Existenzlohn statt Armutslöhne!
- Einkommensschutz statt Lohnausfall bei Hitze!
- Echte Verantwortung statt freiwilliger Selbstverpflichtungen!
- Keine Kostenabwälzung auf Arbeiter*innen!
Fashion Checker: https://fashionchecker.org/
Weiterführende Infos:
Roadmap: Existenzsichernde Löhne als verbindlicher Maßstab für die Modeindustrie
(https://saubere-kleidung.de/2025/12/roadmap-existenzsichernde-loehne-als-verbin
dlicher-massstab-fuer-die-modeindustrie/)
Squeezed Dry: die Mechanismen hinter der billigen Mode
(https://saubere-kleidung.de/2026/05/squeezed-dry/)
Just Fashion Manifest: Ein Manifest, das die Rechte der Arbeiter*innen mit dem
Einsatz für Klimagerechtigkeit verbindet.
(https://saubere-kleidung.de/manifest/)
Pressekontakt:
Helen Gimber, Koordinatorin, Kampagne für Saubere Kleidung
E-Mail: mailto:koordination@saubere-kleidung.de, Mobil: +49 1511-64 739 42
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/77911/6358747
OTS: Clean Clothes Campaign - Kampagne für Saubere Kleidung
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