|
Mainz (ots) - Im Nachgang zu den Landtagswahlen am vergangenen Sonntag hat
Bundeskanzler Friedrich Merz angekündigt, seinen Reformkurs fortsetzen zu
wollen. Dass ihm das im Großen und Ganzen gelingen wird, glauben aber nur 28
Prozent der Befragten, 67 Prozent bezweifeln das (Rest zu 100 Prozent hier und
im Folgenden jeweils "weiß nicht"). Während sich etwas mehr als die Hälfte (53
Prozent) der CDU/CSU-Anhänger in dieser Frage optimistisch äußert, überwiegen in
allen anderen Anhängergruppen die Zweifel. Reformbedarf besteht aber, darin sind
sich die Deutschen einig: 85 Prozent und klare Mehrheiten in allen
Anhängergruppen halten grundlegende Reformen, die auch zu finanziellen
Belastungen und Einschnitten führen, für wichtig. Für insgesamt 12 Prozent sind
sie nicht so oder gar nicht wichtig.
Bundeskanzler Merz: Kanzlerschaft und Arbeit
Zweifel gibt es in Bezug auf Friedrich Merz nicht nur an der Fortsetzung seines
Reformkurses, sondern auch an der seiner Kanzlerschaft. Rund zwei Drittel aller
Befragten (65 Prozent) glauben nicht, dass Friedrich Merz bis zur nächsten
regulären Bundestagswahl im Frühjahr 2029 Bundeskanzler bleibt. 31 Prozent
rechnen mit seinem Verbleib im Amt, darunter 49 Prozent der CDU/CSU- und 43
Prozent SPD-Anhänger. Zudem erreicht die Unzufriedenheit mit seiner Arbeit
erneut einen Höchstwert: 79 Prozent der Deutschen meinen, Merz mache als
Bundeskanzler einen eher schlechten Job, nur noch 17 Prozent sprechen von guten
Leistungen.
Top Ten
Bei der Beurteilung nach Sympathie und Leistung ("Was halten Sie von?") liegt
Verteidigungsminister Boris Pistorius nach wie vor auf Platz eins. Er wird auf
der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 1,4 (hier und im
Folgenden Vergleichswert von August: 1,3) beurteilt. Es folgen Cem Özdemir mit
0,9 (0,9) und Johann Wadephul mit 0,4 (0,1). Danach kommen - bereits im
Negativbereich - Markus Söder mit minus 0,3 (minus 0,6), Alexander Dobrindt mit
minus 0,4 (minus 0,4), Lars Klingbeil mit minus 0,5 (minus 0,6), Bärbel Bas mit
minus 0,9 (minus 0,8), Heidi Reichinnek mit minus 1,1 (minus 0,8) und Friedrich
Merz mit minus 1,9 (minus 1,9). Schlusslicht bleibt Alice Weidel mit minus 2,4
(minus 2,5).
Projektion: AfD baut Vorsprung aus
Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, würde sich die CDU/CSU in
der Projektion auf 21 Prozent (minus 1) verschlechtern und die AfD könnte auf 28
Prozent (plus 1) zulegen. Die SPD käme leicht verbessert auf 13 Prozent (plus
1), die Grünen erhielten unverändert 14 Prozent, die Linke bliebe bei 12 Prozent
(unverändert). Die FDP stünde nur noch bei 3 Prozent (minus 1), alle anderen
Parteien würden zusammen 9 Prozent (unverändert) erzielen, darunter keine
Partei, die mindestens drei Prozent erreichen würde. Mit diesem Ergebnis wäre
Schwarz-Rot weit entfernt von einer parlamentarischen Mehrheit.
Bundesregierung: Streit und Arbeit
Bei den letzten Landtagswahlen haben CDU und SPD zum Teil massive Verluste
erlitten. 53 Prozent glauben, dass deshalb der Streit in der Bundesregierung
jetzt eher zunehmen wird, 7 Prozent erwarten weniger Streit und für 37 Prozent
wird sich am Verhältnis von Union und SPD nicht viel ändern. Was die Arbeit der
Bundesregierung ganz allgemein betrifft, stellen so viele Befragte wie noch nie
in dieser Legislaturperiode (74 Prozent) der schwarz-roten Koalition ein
schlechtes Zeugnis aus, lediglich 20 Prozent sind noch mit ihrer Arbeit
zufrieden. Mehrheitlich kritisch äußern sich fast alle Parteianhängerschaften,
von den CDU/CSU-Anhängern ist knapp die Hälfte (49 Prozent) unzufrieden.
AfD nach den Landtagswahlen
Die AfD hat bei den letzten Landtagswahlen hingegen sehr gute Wahlergebnisse
erzielt. Dass das für Deutschland insgesamt eher schlecht ist, meinen etwa zwei
Drittel (68 Prozent) der Befragten, darunter 71 Prozent im Westen und 55 Prozent
im Osten. 21 Prozent aller Befragten bewerten die AfD-Erfolge als eher gut für
unser Land und für 8 Prozent spielt das keine große Rolle. Neben
Mecklenburg-Vorpommern wurde die AfD auch in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft. Wenn
sie hier den Ministerpräsidenten stellen würde, fänden das 59 Prozent schlecht,
darunter 61 Prozent der West- und 49 Prozent der Ostdeutschen. Insgesamt knapp
ein Viertel (24 Prozent) fände einen AfD-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt
gut und 15 Prozent wäre das egal.
Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU
Weiterhin wird über eine mögliche Kooperation der CDU mit AfD oder Linke
gesprochen. Bisher lehnt die CDU eine politische Zusammenarbeit mit beiden
Parteien grundsätzlich ab. Während es 59 Prozent der Befragten richtig finden,
dass die CDU eine Kooperation mit der AfD ablehnt (nicht richtig: 38 Prozent),
unterstützen lediglich 38 Prozent die Abgrenzung zur Linke. 57 Prozent halten
diese für nicht richtig. In der Unions-Anhängerschaft befürworten 67 Prozent die
Brandmauer zur AfD (nicht richtig: 31 Prozent) und 59 Prozent die zur Linke
(nicht richtig: 38 Prozent).
Steigende Energiepreise und Tankrabatt
Der Großteil der Befragten (78 Prozent) ist der Meinung, die Bundesregierung tue
zu wenig gegen die steigenden Energiepreise, für 5 Prozent tut sie zu viel und
für 12 Prozent sind die Maßnahmen so gerade richtig. Den von der Regierung
angekündigten Tankrabatt, also die Senkung der Energiesteuer auf Diesel und
Benzin um 17 Cent pro Liter, finden 50 Prozent gut, 44 Prozent finden das nicht
gut. Am kritischsten sind dabei die Anhänger der Grünen (63 Prozent).
Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer
Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 22.
bis zum 24. September 2026 bei 1.346 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten
telefonisch und online erhoben. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch
Mobilfunknummern berücksichtigt. Die Befragung ist repräsentativ für die
wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich beträgt bei einem
Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert
von 10 Prozent rund +/-zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung:
CDU/CSU 20 Prozent, AfD 23 Prozent, SPD 15 Prozent, Grüne 20 Prozent, Linke 12
Prozent, FDP 3 Prozent. Das nächste Politbarometer sendet das ZDF am Donnerstag,
8. Oktober 2026
Kontakt
Bei Fragen zur Pressemitteilung erreichen Sie die ZDF-Kommunikation per E-Mail
unter pressedesk@zdf.de oder telefonisch unter 06131 - 70-12108.
Pressefotos
Pressefotos zur Sendung erhalten Sie als Download
(https://presseportal.zdf.de/presse/politbarometer) (nach Log-in), per E-Mail
unter pressefoto@zdf.de oder telefonisch unter 06131 - 70-16100.
Weitere Informationen
- Informationen zur Methodik der Umfrage und zu den genauen Frageformulierungen
finden Sie auch auf https://forschungsgruppe.de/ .
- Hier finden Sie das "ZDF-Politbarometer" im Web und in der App des ZDF. (https
://eur01.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.zdf.de%2Fpoliti
k%2Fpolitbarometer&data=05%7C02%7CKuehnel.C%40zdf.de%7Ce6f3f7502d58478074a908de1
dd5a362%7C6725721fbd874b29a9be94b6260500e3%7C0%7C0%7C638981000581403940%7CUnknow
n%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFO
IjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=ZmKM8UsVwoHndTLKnP2bqNvWJ7C2evbY
lkbjsLDkqv4%3D&reserved=0)
Pressekontakt:
ZDF-Kommunikation
pressedesk@zdf.de
Folgen Sie uns gerne auch bei LinkedIn (https://www.linkedin.com/company/zdf/).
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/7840/6358871
OTS: ZDF
|