Seite zu Favoriten hinzufügen / Link zu ihrer Webseite einrichten 

Deutschland

Top-News



DPolG Niedersachsen: Anschlag im Umfeld des Berliner CSD: Sicherheitsbehörden wirksam ausstatten

30.07.2026 12:16 Uhr DPolG Niedersachsen

Hannover (ots) - DPolG Niedersachsen fordert moderne Datenanalyse, elektronische Fußfessel für Gefährder und eine Reform des Jugendstrafrechts

Nach dem Anschlag im Umfeld des Christopher Street Days in Berlin fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) Niedersachsen konkrete Konsequenzen. Der Fall zeige erneut, dass vorhandene Erkenntnisse schneller zusammengeführt, terroristische Gefährder wirksamer überwacht und schwerste Straftaten angemessen sanktioniert werden müssten. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und der queeren Community. Wer Menschen angreift, weil sie frei und selbstbestimmt leben, greift unsere offene Gesellschaft und ihre Werte an", erklärt Patrick Seegers, Landesvorsitzender der DPolG Niedersachsen. "Neben Trauer und Anteilnahme braucht es jetzt eine ehrliche Analyse und konkrete Konsequenzen." Der Anschlag unterstreiche die Notwendigkeit einer modernen verfahrensübergreifenden Datenanalyse. Relevante Informationen seien häufig in unterschiedlichen Verfahren, Behörden und technischen Systemen gespeichert. "Die Polizei hat vielfach kein Erkenntnisproblem, sondern ein Strukturproblem bei der Auswertung vorhandener Informationen. Kein Mensch kann die täglich entstehenden Datenmengen dauerhaft manuell überblicken und alle relevanten Verbindungen rechtzeitig erkennen", erklärt Christian-Tobias Gerlach, stellvertretender Landesvorsitzender der DPolG Niedersachsen. Eine moderne Analyseplattform könne Datenbestände strukturieren, Zusammenhänge sichtbar machen und die polizeiliche Bewertung unterstützen. Sie ersetze weder den Menschen noch eine rechtsstaatliche Entscheidung. "Wir brauchen endlich eine leistungsfähige Datenanalysesoftware und eine verfassungskonforme gesetzliche Grundlage für die Polizei Niedersachsen. Datenschutz und Gefahrenabwehr dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden", so Gerlach. Zudem fordert die DPolG Niedersachsen, die bestehenden Möglichkeiten der elektronischen Aufenthaltsüberwachung terroristischer Gefährder konsequenter anzuwenden und zu einem aktiven Warn- und Interventionssystem weiterzuentwickeln. "Eine elektronische Fußfessel kann einen entschlossenen Täter nicht allein aufhalten. Sie kann aber Verstöße gegen Aufenthaltsvorgaben sichtbar machen und eine schnelle polizeiliche Reaktion ermöglichen", erklärt Seegers. "Nach dem Vorbild elektronischer Schutzsysteme bei häuslicher Gewalt brauchen wir definierte Verbots- und Schutzzonen, automatische Warnmeldungen und verbindliche Interventionsabläufe." Darüber hinaus fordert die DPolG Niedersachsen eine Reform der Anwendung des Jugendstrafrechts auf Heranwachsende zwischen 18 und unter 21 Jahren. Das erste eigenständige deutsche Jugendgerichtsgesetz trat 1923 in Kraft. Mehr als ein Jahrhundert später müsse geprüft werden, ob seine Anwendung auf volljährige Täter bei schwersten vorsätzlichen Gewalt-, Tötungs- und Staatsschutzdelikten noch der heutigen Lebenswirklichkeit und dem Gewicht dieser Taten gerecht werde. "Wer volljährig ist und bewusst einen Menschen tötet, schwerste Gewalttaten begeht oder einen terroristischen Anschlag vorbereitet, muss sich nach Auffassung der DPolG grundsätzlich nach Erwachsenenstrafrecht verantworten", fordert Gerlach. Bei einem eng definierten Katalog schwerster vorsätzlicher Gewalt- und Tötungsdelikte sowie terroristischer und extremistischer Staatsschutzdelikte müsse die Anwendung des Jugendstrafrechts auf Heranwachsende ausgeschlossen werden. Persönliche Reife und individuelle Entwicklung könnten weiterhin bei Strafzumessung und Vollzug berücksichtigt werden. "Absolute Sicherheit wird es nicht geben. Der Staat muss aber alle rechtsstaatlich vertretbaren Möglichkeiten nutzen, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und die Bevölkerung wirksam zu schützen", erklärt Patrick Seegers abschließend.

Rückfragen bitte an:

DPolG Niedersachsen Christian-Tobias Gerlach Telefon: 0151-15700177 E-Mail: kontakt@dpolg.org https://www.dpolg.org/

Weiteres Material: http://presseportal.de/blaulicht/pm/162835/6324128 OTS: DPolG Niedersachsen


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - DPolG Niedersachsen
Für den Inhalt übernehmen wir keine Verantwortung