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Berlin (ots) - Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung heute auf, ein
gesetzliches Recht auf Vergessenwerden für Krebsüberlebende einzuführen. Mit
einem Entschließungsantrag der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD, der im
Rahmen des Gesetzes zur Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie
verabschiedet wird, soll sichergestellt werden, dass eine überstandene
Krebserkrankung nach Ablauf medizinisch begründeter Fristen nicht mehr bei
Kredit- oder Versicherungsverträgen offengelegt werden muss. Frankreich, Belgien
und Spanien haben vergleichbare Regelungen bereits eingeführt.
Carmen Wegge , rechtspolitische Sprecherin:
"Wer den Krebs besiegt hat, darf nicht ein Leben lang von ihm verfolgt werden.
77 Prozent der Betroffenen berichten von konkreten Benachteiligungen beim
Abschluss von Versicherungen oder Krediten, obwohl sie medizinisch längst als
geheilt gelten. Wir machen uns in unserem Entschließungsantrag stark für alle
Krebsüberlebenden: für die junge Frau, der nach dem Mammakarzinom keine
Berufsunfähigkeitsversicherung angeboten wird. Für den Mann, der nach der
Leukämie im Jugendalter keinen Immobilienkredit erhält. Für das Paar, dem nach
einer Krebserkrankung der Adoptionswunsch verwehrt wird. Für alle, die geheilt
sind - und trotzdem nicht loslassen können, weil das System sie nicht lässt. Sie
haben ein Recht auf vollständige gesellschaftliche Teilhabe. Hierfür fordern wir
die Bundesregierung auf, einen Gesetzentwurf vorzulegen, damit Krebsüberlebende
in Zukunft einen einklagbaren Rechtsanspruch haben, wie das bereits in acht
europäischen Ländern mit großem Erfolg der Fall ist."
Adis Ahmetovic , außenpolitischer Sprecher:
"Eine überstandene Krebserkrankung darf nicht zum dauerhaften Risikomerkmal im
Alltag werden - weder auf dem Papier noch in den Köpfen. Auch ich habe erlebt,
wie prägend diese Zeit ist. Umso klarer ist: Nach der Heilung muss der Blick
nach vorn gelten, nicht die Rückkehr alter Hürden. Wenn wir es ernst meinen mit
Chancengleichheit, dann brauchen wir verbindliche Regeln, die verhindern, dass
medizinische Vergangenheit über Lebenswege entscheidet.
Zugleich reden wir hier nicht über Einzelfälle: Jedes Jahr erkranken in
Deutschland rund eine halbe Million Menschen neu an Krebs, Millionen leben mit
oder nach einer Krebserkrankung, und dank medizinischem Fortschritt überleben
immer mehr Betroffene langfristig. Gerade diese Entwicklung ist ein Erfolg - und
sie verpflichtet uns politisch, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
anzupassen.
Ein Recht auf Vergessenwerden ist deshalb keine Symbolpolitik, sondern eine
Frage moderner Gerechtigkeit."
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