|
Berlin (ots) -
- United Interim Wirtschaftsreport 2026: Die Kunden sind das Lebenselixier jedes
Unternehmens, aber viele Firmen kennen deren Bedürfnisse gar nicht und
vernachlässigen sie; das rächt sich.
- Umfrage unter 550 Interim Managern, die in Firmen geholt werden, um sie
"zukunfts-fit" zu machen
"Alle Macht geht von zufriedenen Kunden aus", gilt als Credo für den Erfolg in
der Marktwirtschaft. Aber viele Unternehmen haben diesen Grundsatz längst aus
den Augen verloren. Das ist ein Schlüsselergebnis des Wirtschaftsreports 2026
der Management-Community United Interim ( http://www.unitedinterim.com ). Die
Studie wurde von 15 Experten für Interim Management erstellt: Ulvi Aydin,
Friedhelm Best, Jan Beutnagel, Ulf Camehn, Christian Florschütz, Eckhart
Hilgenstock, Christian Jung, Jane Enny van Lambalgen, Dr. Sven Mues, Ulrich
Schmidt, Klaus-Peter Stöppler, Roland Streibich, Paul Stricker und Dr. Andreas
Vieweg sowie Dr. Harald Schönfeld.
"Interim Manager werden von Unternehmen als Führungskräfte auf Zeit geholt, um
den Betrieb fit für die Zukunft zu machen, also beispielsweise die
Kundenfokussierung und den Vertrieb zu stärken", erklärt Dr. Harald Schönfeld,
Geschäftsführer von United Interim und Herausgeber der Studie. Grundlage des
Reports ist eine Umfrage unter 550 Interim Managern, ausgewertet von den 15
Autoren.
Firmen setzen falsche Prioritäten
Viele Unternehmen setzen falsche Prioritäten, statt ihre Kundschaft in den
Mittelpunkt zu rücken, heißt es in dem Wirtschaftsreport. "Zu oft bremsen
interne Zuständigkeiten und Hierarchien das, was für den Kunden jetzt schnell
gelöst werden müsste", hat Ulf Camehn bei vielen Praxiseinsätzen in den
Betrieben festgestellt. 63 Prozent der befragten Interim Manager sehen das
genauso. Das "Abteilungsdenken" dominiert, sagen 58 Prozent. "Eine der zentralen
Aufgaben für Führungskräfte, alle Beschäftigten eines Unternehmens zu einem Team
zusammenzuschweißen, das die Kunden in den Mittelpunkt stellt, gelingt leider
nicht immer", sagt der auf Human Resources spezialisierte Interim Manager Paul
Stricker.
54 Prozent der Befragten finden bei ihren Einsätzen regelmäßig ein Marketing
vor, das am Kunden vorbeigeht. Interne Betriebsprozesse werden häufig wichtiger
als die Kunden genommen, berichten 52 Prozent der Führungskräfte. "Bei manchen
Einsätzen stoße ich auf Situationen, die fast wie eine Karikatur einer Firma
wirken, in der alles wichtiger zu sein scheint als die Kunden", schüttelt
Christian Florschütz den Kopf. Ebenfalls häufig anzutreffen ist ein "Tool-Wahn
ohne Kundenzentrierung", sagen 46 Prozent. Eckhart Hilgenstock erläutert: "Viele
Unternehmen verfügen über ERP, CRM, DMS, HRM, SCM, BI, ECM, Chatbots und all die
anderen IT-Tools, die zwar wichtig sind, aber nur, wenn sie integriert und mit
Fokus auf die Kunden eingesetzt werden. Gerade bei der Einführung von
Künstlicher Intelligenz, die derzeit häufig ansteht, sollte der Frage nach dem
Kundennutzen höchste Priorität eingeräumt werden." Zwei Drittel der Befragten
warnen von einer "Überautomatisierung des Vertriebs,bei der KI den Menschen
derart umfassend ersetzt, dass die Kundschaft darunter leidet".
Zahlreiche Kundenfokus-Killer
Als weitere "Kundenfokus-Killer" identifizieren die Interim Manager die
Fixierung auf die Einhaltung von Quartalszahlen (46 Prozent), ein übertriebenes
Kostenmanagement (36 Prozent), eine bloße Produktfokussierung (35 Prozent), eine
ausufernde "Political Correctness" (33 Prozent), die Überbeachtung
regulatorischer Compliance-Richtlinien (26 Prozent), eine kundenferne
Firmenphilosophie (23 Prozent) und last but not least eine fehlgeleitete
Entwicklungsabteilung, die Produkte hervorbringt, die am Marktbedarf vorbeigehen
(20 Prozent).
"Im Maschinen- und Anlagenbau, einer Kernbranche der deutschen Wirtschaft,
werden Produkte oft perfektioniert, die der Kunde nicht bestellt und nicht
bezahlt. Das ist kein Qualitätsmerkmal - das ist ein strukturelles
Geschäftsrisiko", so Christian Jung aus der Praxis. "Ähnlich beobachten wir das
in der Bauwirtschaft", sind sich die beiden Bauexperten Klaus-Peter Stöppler und
Roland Streibich einig: "Dort dominieren Abläufe, Genehmigungsverfahren, Termine
und Kostenkalkulationen oft so sehr, dass Themen wie Kundenfokussierung,
Kommunikation oder digitale Prozesse zu wenig Beachtung finden." So empfehlen 72
Prozent der befragten Interim Manager der Baubranche, innovativer zu werden und
66 Prozent raten ihr zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Ulrich Schmidt
meint: "Die meisten Unternehmen in praktisch allen Branchen würden von einer
Transformation in Richtung Kundenorientierung profitieren - und ihre Kunden
natürlich auch."
Gründe für die mangelnde Kundenorientierung
Wie kommt es zu der mangelnden Kundenorientierung vieler Unternehmen, wollten
die 15 Experten für Interim Management wissen. Das Ergebnis erinnert salopp
ausgedrückt an das alte Sprichwort "Der Fisch stinkt vom Kopf her". Soll heißen:
Das Topmanagement kennt häufig die wahren Bedürfnisse der Kunden gar nicht. Die
"Feedback-Kultur", um zu erfahren, was am Markt gewünscht wird, ist überwiegend
mangelhaft, sind sich drei Viertel der Befragten einig. Der Anspruch "Value for
the Customer" zu erarbeiten, fehlt oftmals komplett, haben zwei Drittel bei
ihren Firmeneinsätzen festgestellt. Zudem werden im Topmanagement regelmäßig die
Auswirkungen technologischer Entwicklungen auf das eigene Geschäftsmodell und
die Wettbewerbssituation unterschätzt, meinen 62 Prozent der Befragten. Eckhart
Hilgenstock gibt ein Beispiel: "Künstliche Intelligenz wird nach wie vor in
seiner Dimension verkannt. Vielen scheint nicht klar zu sein, dass KI weit mehr
als ein Tool zur Kostensenkung oder zur Produktivitätserhöhung ist, sondern in
vielen Märkten schlichtweg einen Game Changer darstellt."
Einen weiteren Kardinalfehler benennt Jan Beutnagel: "Die Kunden werden als
Selbstverständlichkeit angesehen"; über diese Erfahrung berichten auch 59
Prozent der Kontaktierten. Ebenso häufig herrscht auf der obersten Führungsebene
ein zu kurzfristiges Denken vor, hat die Umfrage ergeben. Ulvi Aydin bringt es
auf den Punkt: "Manch ein Topmanager hält einen Zeithorizont von fünf Jahren
schon für weitsichtig und kann dadurch keine langfristigen Entwicklungen etwa
über zehn oder fünfzehn Jahre antizipieren." Hinzu kommt: Der "Glaube an die
eigene Unfehlbarkeit" ist auf den oberen Führungsetagen ungefähr genauso
ausgeprägt wie die Angst vor Fehlern, urteilen 55 bzw. 56 Prozent der Interim
Manager in der Umfrage. Das hängt nach Einschätzung von 54 Prozent auch damit
zusammen, "dass viele Topmanager mehr auf finanzielle Kennzahlen statt auf
Kunden fokussiert sind", heißt es im United Interim Wirtschaftsreport 2026. In
vielen Fällen schweift der Blick dabei nicht einmal über das eigene Unternehmen
hinaus: Die Wettbewerbsbeobachtung wird regelmäßig vernachlässigt, meinen 45
Prozent der befragten Interim Manager.
"Viele Führungskräfte sind schlichtweg derart intensiv mit ihrer eigenen
Karriere beschäftigt, dass sie darüber das Unternehmen, das sie führen sollen,
und dessen Kunden vernachlässigen", weiß Paul Stricker zu berichten. Beinahe die
Hälfte (49 Prozent) seiner Kollegen stimmt ihm laut Umfrage zu.
Maßnahmen zur Kundenfokussierung
Die wichtigste Maßnahme zur Refokussierung auf die Kundschaft nach Meinung von
80 Prozent der Interim Manager: Verständnis für die "Jobs To Be Done" (JTBD)
ihrer Kunden. Was nach Management-Slang klingt, ist im Grunde ganz einfach die
Erkenntnis, warum sich Kunden für ein bestimmtes Produkt entscheiden. "Nur wer
die Kaufgründe kennt, kann diese bei Produktentwicklung, Service, Marketing und
Vertrieb berücksichtigen", formuliert Christian Florschütz. "Es geht
letztendlich um die Priorisierung des Kundennutzens über interne
Betriebsprozesse oder Firmenziele", ergänzt Dr. Andreas Vieweg; drei Viertel der
befragten Interim Manager stimmen ihm zu.
Ein fortlaufender Kunden-Feedback-Kontakt ist hierfür das A und O, sind 72
Prozent der Führungskräfte auf Zeit fest überzeugt. "Ein einmaliges Feedback
direkt nach dem Kauf reicht bei weitem nicht aus", stellt Jane Enny van
Lambalgen klar. Dr. Andreas Vieweg betont: "Durch intensive Datenanalysen auch
mit Hilfe von KI lassen sich häufig wichtige Erkenntnisse über den
Zufriedenheitsgrad gewinnen, ohne den Kunden permanent zu befragen." 60 Prozent
seiner Kollegen sehen das genauso.
Die regelmäßige Optimierung der Customer Journey stufen 59 Prozent der befragten
Manager als Schlüssel zur Kundenzufriedenheit ein. "Zu viele Unternehmen
optimieren ihre Betriebsabläufe anhand interner Kriterien und versäumen es
völlig, sie aus Kundensicht zu betrachten", mahnt Ulrich Schmidt den
Perspektivenwechsel an. Als einen weiteren Grund für Mängel bei der
Kundenorientierung hat Jane Enny van Lambalgen die Bürokratie ausgemacht: "Viele
Firmen sind derart mit der Erfüllung gesetzlicher Regularien beschäftigt, dass
sie kaum noch die Zeit finden, sich auf ihre unternehmerischen Kernaufgaben zu
konzentrieren." Als Beispiele nennt sie den Datenschutz, die ESG-Pflichten, die
Vorgaben beim KI-Einsatz, die IT-Sicherheitsrichtlinien und die
Lieferkettenkontrolle. "Jede dieser Maßnahmen mag für sich genommen sinnvoll
sein - obgleich ich auch das bezweifle - aber in der Summe lenken sie
schlichtweg vom Kunden ab", sagt Jane Enny van Lambalgen.
Für unerlässlich halten 54 Prozent den permanenten Vergleich mit dem Wettbewerb.
Dr. Sven Mues betont: "Gleichgültig, ob es um konkurrierende Unternehmen, neue
oder angrenzende Märkte oder andere Weltregionen geht, ist jedes Management gut
beraten, sich die unterschiedlichen Alternativen regelmäßig vor Augen zu führen.
Denn genau das machen auch viele Kunden."
Friedhelm Best gibt zu bedenken: "Kundenfokussierung kann auch bedeuten, sich
neue Kundensegmente zu suchen, beispielsweise auf Auslandsmärkten." Satte 87
Prozent der befragten Führungskräfte halten eine stärkere Internationalisierung
im Rahmen der Neukundengewinnung für erwägenswert. Für 40 Prozent stellt dieser
Aspekt einen festen Bestandteil beim Business Development dar. 62 Prozent raten
dazu, neue Märkte gezielter zu adressieren - im In- und Ausland. "Die Expansion
nach Asien stellt allen geopolitischen Verwerfungen zum Trotz nach wie vor
häufig den richtigen Weg dar, um neue Kundengruppen zu erschließen", ist
Friedhelm Best fest überzeugt.
United Interim
ist die führende digitale Plattform und das einzige Ökosystem für Interim
Management in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie macht
qualitätsgeprüfte Interim Manager sichtbar, ermöglicht ihre professionelle
Selbstvermarktung und bietet Unternehmen sowie Providern einen kostenfreien,
direkten Zugang zu passenden Interim-Lösungen. Als offene Online-Community und
kuratierter Pool erreicht UNITEDINTERIM weit über 12.000 Führungskräfte auf Zeit
in der DACH-Region. Aus diesem Kreis haben einige der erfahrensten und
renommiertesten Interim Manager gemeinsam mit UNITEDINTERIM eine Studie über den
Stand und die Zukunft der deutschen Wirtschaft durchgeführt - darunter Ulvi
Aydin, Friedhelm Best, Jan Beutnagel, Ulf Camehn, Christian Florschütz, Eckhart
Hilgenstock, Christian Jung, Jane Enny van Lambalgen, Dr. Sven Mues, Ulrich
Schmidt, Klaus-Peter Stöppler, Roland Streibich, Paul Stricker und Dr. Andreas
Vieweg . Die Studienleitung liegt bei Dr. Harald Schönfeld und Jürgen Becker ,
den Gründern und Geschäftsführern von UNITEDINTERIM. An der Befragung haben über
550 ausgewählte Interim Manager teilgenommen - Vertreter der "Königsklasse" im
Management, die in mehr Unternehmen mehr Herausforderungen meistern als
klassische angestellte Führungskräfte und deshalb über einen besonders breiten
Überblick verfügen. Anders als Berater entwickeln Interim Manager nicht nur
Konzepte, sondern verantworten in einer definierten Zeit im Unternehmen auch
deren Umsetzung.
Pressekontakt:
Weitere Informationen: UNITEDINTERIM, http://www.unitedinterim.com
Presseagentur: euromarcom public relations, mailto:team@euromarcom.de,
http://www.euromarcom.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/178324/6263093
OTS: UNITEDINTERIM
|