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Teltow (ots) - LAP Coffee wirkt auf den ersten Blick wie das perfekte
Skalierungsmodell: extrem günstige Preise, kleine Flächen und schnelle Prozesse.
Espresso für rund 1,50 Euro, Cappuccino für etwa 2,50 Euro - möglich gemacht
durch Standardisierung, Vollautomaten und minimale Ladenkonzepte. Doch genau
diese Faktoren machen das Modell für klassische Franchise-Strukturen
problematisch. Denn das System lebt von maximaler Effizienz, zentraler Steuerung
und extrem engen Margen.
Franchise-Partner brauchen jedoch eigene Gewinnspannen, Flexibilität und
Spielraum - und genau das fehlt hier oft. Gleichzeitig basiert der Erfolg stark
auf Standort, Marke und Investorenfinanzierung, nicht auf unternehmerischer
Freiheit vor Ort. Hier erfahren Sie, warum Low-Price-Konzepte wie LAP zwar
schnell wachsen können, aber für klassische Franchise-Strukturen oft nicht
nachhaltig funktionieren.
Ein System auf maximale Effizienz ausgelegt
Das Konzept von LAP basiert auf sogenannten Mikrostandorten. Gemeint sind sehr
kleine Verkaufsflächen in hochfrequentierten Lagen mit möglichst hohem
Kundendurchlauf. Entsprechend reduziert fällt das Angebot aus: wenige Produkte,
kurze Entscheidungswege und schnelle Ausgabeprozesse.
Gleichzeitig verzichtet das Unternehmen weitgehend auf klassische
Aufenthaltsqualität. Sitzplätze gibt es kaum oder gar nicht, längeres Verweilen
ist nicht vorgesehen. Stattdessen soll der Standort möglichst viele
Transaktionen in kurzer Zeit ermöglichen. Der niedrige Preis der Produkte lässt
sich wirtschaftlich nur über hohe Frequenzen und eine konsequente
Prozessoptimierung darstellen.
Hinzu kommt der technische Aufbau des Konzepts. Statt klassischer
Siebträgermaschinen nutzt LAP überwiegend hochwertige Vollautomaten. Dadurch
sinkt der Personalaufwand, während gleichzeitig eine standardisierte
Produktqualität gewährleistet werden soll. Das gesamte System ist damit weniger
auf handwerkliche Zubereitung als auf Geschwindigkeit und Reproduzierbarkeit
ausgelegt.
Warum das Modell polarisiert
Gerade in Städten wie Berlin stößt dieses Konzept auf unterschiedliche
Reaktionen. Dort spielt die Café- und Kiezkultur traditionell eine große Rolle.
Viele Gäste verbinden Cafés nicht nur mit dem Produkt Kaffee, sondern auch mit
Aufenthaltsqualität, persönlichem Service und einer gewissen Entschleunigung.
Die klassische Barista-Kultur setzt auf handwerkliche Zubereitung, individuelle
Atmosphäre und längeren Aufenthalt. Häufig gehören dazu offene Arbeitsplätze,
Gespräche oder bewusst gestaltete Räume. LAP verfolgt hingegen einen
funktionalen Ansatz: Kaffee wird primär als schnell verfügbares Alltagsprodukt
verstanden.
Dadurch entsteht ein deutlicher Gegensatz zwischen Erlebnisorientierung und
Effizienzlogik. Während traditionelle Cafés auf Aufenthaltsdauer und höhere
Warenkörbe setzen, kalkuliert LAP mit niedrigen Durchschnittsbons und deutlich
höheren Verkaufszahlen.
Skalierung statt Franchise-Denken
Auf den ersten Blick scheint das Modell ideale Voraussetzungen für Franchise zu
bieten. Prozesse sind standardisiert, das Sortiment ist klar definiert und die
Standorte folgen einem einheitlichen Aufbau. Genau diese Eigenschaften gelten
grundsätzlich als wichtige Voraussetzungen für skalierbare Systeme.
Allerdings unterscheidet sich die strategische Ausrichtung deutlich von
klassischen Franchise-Modellen. Franchise-Systeme sind in der Regel darauf
angewiesen, dass Partner langfristig wirtschaftlich erfolgreich arbeiten können.
Dafür benötigen sie ausreichend Margen, unternehmerische
Gestaltungsmöglichkeiten und stabile Perspektiven.
Bei LAP steht dagegen vor allem die schnelle Expansion im Mittelpunkt. Das
Konzept wirkt stark investorengetrieben und orientiert sich weniger an einer
langfristigen Partnerschaft mit selbstständigen Unternehmern. Statt lokale
Betreiber als zentrale Säule des Wachstums einzubinden, basiert die Skalierung
vor allem auf standardisierten Abläufen und zentral gesteuerten Strukturen.
Geringe Margen erschweren Partnerstrukturen
Besonders problematisch wird dieses Modell im Zusammenhang mit den niedrigen
Verkaufspreisen. Franchise-Systeme müssen nicht nur den laufenden Betrieb
finanzieren, sondern zusätzlich Franchise-Gebühren, Personalkosten und lokale
Risiken abdecken. Dafür benötigen Partner ausreichende Ertragsmöglichkeiten.
Je günstiger jedoch das Kernprodukt ist, desto stärker steigt der Druck auf
Frequenz und Standortqualität. Wirtschaftlichkeit entsteht dann fast
ausschließlich über hohe Verkaufszahlen. Das reduziert den Spielraum für
einzelne Betreiber erheblich. Hinzu kommt, dass viele klassische
Franchise-Systeme gezielt auf langfristige Bindung setzen. Franchise-Geber
unterstützen ihre Partner häufig durch Schulungen, Marketing, Einkaufsvorteile
oder Backoffice-Leistungen. Gleichzeitig entsteht innerhalb des Systems meist
eine gewisse Community-Struktur, die Stabilität und Identifikation fördern soll.
Bei stark standardisierten Low-Price-Konzepten spielt dieser Aspekt häufig eine
deutlich geringere Rolle. Der Fokus liegt primär auf Prozesssicherheit und
schneller Expansion, nicht auf individueller Unternehmerentwicklung.
Kaffee als skalierbares Produkt
Letztlich behandelt LAP Kaffee weniger als gastronomisches Erlebnis, sondern
vielmehr als standardisierbares Massenprodukt. Genau darin liegt die Nähe zu
technologieorientierten Wachstumsmodellen. Das Ziel besteht darin, Prozesse so
weit zu vereinfachen, dass Standorte schnell vervielfältigt werden können.
Für klassische Franchise-Strukturen entsteht daraus jedoch ein Spannungsfeld.
Denn Franchise lebt langfristig nicht allein von Standardisierung, sondern vor
allem von tragfähigen Partnerbeziehungen und nachhaltiger Wirtschaftlichkeit auf
Standortebene.
Low-Price-Konzepte wie LAP können deshalb durchaus schnell wachsen. Ob daraus
jedoch dauerhaft stabile Franchise-Systeme entstehen, hängt maßgeblich davon ab,
ob neben Effizienz auch genügend Raum für unternehmerischen Erfolg vor Ort
bleibt.
Über Jana Jabs:
Jana Jabs ist Franchise-Expertin und begleitet Unternehmen bereits seit mehr als
zehn Jahren beim Aufbau einer digitalen Wissenssammlung. Als Franchise-Beraterin
unterstützt sie Unternehmer dabei, ein nachhaltiges Franchise-System aufzubauen
und ihr Business-Wissen digital als Handbuch abzubilden und allen Mitarbeitern
zur Verfügung zu stellen. Weitere Informationen dazu unter:
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Die FranchiseMacher GmbH
Vertreten durch: Jana Jabs und Eugen Marquard
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