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Berlin (ots) - Der Frühling steht an, und auch bei den Grünen kann man mitunter
einen besorgniserregenden Balztanz beobachten. Nach einem Jahr des Konflikts,
der Demütigung der SPD durch ihren Koalitionspartner und der Disziplinlosigkeit
der Unionsfraktion, werben die Grünen um eine künftige Koalition mit der Union
auf Bundesebene. Doch wie kann man dieses Trauerspiel der schwarz-roten
Regierung betrachten, samt rechtem wie radikal-neoliberalem Gärungsprozess der
Unionsfraktion und historischer Angriffe auf den Sozialstaat, und dann zu dem
Schluss kommen: Da würde ich gerne mitmachen - anstelle der SPD?
Genau das passiert gerade. In Hinterzimmern in Berlin, Baden-Württemberg und
Schleswig-Holstein testen Union und Grüne in freundlichen Gesprächen zwischen
Fraktionsspitzen, ob aus der alten Feindschaft eine neue Regierungsoption werden
kann. "Ich glaube, dass wir Grünen mit der Union Reformen auf den Weg bringen
könnten, die der gegenwärtigen Koalition in Berlin nicht gelingen", sagt etwa
die schleswig-holsteinische Vize-Ministerpräsidentin Aminata Touré. Darauf
braucht man nicht stolz zu sein, liebe Grüne. Denn die CDU unter dem letzten
Merkelianer Daniel Günther, mit dem die Grünen im Norden koalieren, ist mit der
Bundestagsfraktion der Union überhaupt nicht zu vergleichen.
Man muss diesen Kurs dennoch ernst nehmen, weil er den Siegeszug der
Kretschmann-Grünen symbolisiert. Die Partei der Alt-Hippies und neuen Linken der
68er ist es schon lange nicht mehr. Heute ist man klar neoliberal,
arbeitgeberfreundlich und höchstens ein wenig progressiv, wenn es um
kulturpolitische Themen geht.
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