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Köln (ots) - Recherche von WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung: /Interner
Lagebericht von Bundeswehr-Dienstleister sieht Verteidigungsfähigkeit
Deutschlands gefährdet /
Viele Fahrzeuge und Waffensysteme der Bundeswehr sind wegen fehlender
Ersatzteile offenbar nicht einsatzbereit. Das geht aus einem internen
Lagebericht eines zentralen Dienstleisters der Streitkräfte hervor, der der
Recherchekooperation WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung vorliegt. Gestützt wird
der Befund von Führungskräften des Unternehmens und Bundeswehr-Insidern.
Die Heeresinstandsetzungslogistik GmbH (HIL) mit Sitz in Bonn ist bundesweit für
die Instandhaltung von landbasiertem Kriegsgerät wie Panzern und Haubitzen
zuständig. Sie ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des
Bundesverteidigungsministeriums. Wie aus dem Brandschreiben aus Firmenkreisen
hervorgeht, soll die HIL mit kurzfristigen Reparaturanforderungen aus dem
Ministerium nicht hinterherkommen.
Die Insider schreiben von chaotischen Planungen des
Bundesverteidigungsministeriums und einem akuten Mangel an Ersatzteilen. Das
führe dazu, dass mit einer "Einschränkung der materiellen Einsatzbereitschaft
wesentlicher Waffensysteme" zu rechnen sei. Letztlich gefährde die Lage
insgesamt die Verteidigungsfähigkeit. Deutschland könnte so auch daran
scheitern, "Bündnisverpflichtungen verlässlich zu erfüllen", heißt es in dem
Bericht.
Nach Angaben von Insidern soll im Mai 2026 zum Beispiel nur rund die Hälfte des
Bestands der Panzerhaubitze 2000 einsetzbar gewesen sein. Auch beim
Schützenpanzer Marder und beim Radpanzer Boxer soll im Mai fast die Hälfte der
Geräte in der Wartungs- und Reparaturschleife festgehangen haben. Zuständig für
den Einkauf sämtlicher Rüstungsgüter, inklusive der Ersatzteile, ist das
Beschaffungsamt der Bundeswehr - ein Amt im Geschäftsbereich des
Verteidigungsministeriums.
Auch Branchenkenner kritisieren die Umsetzung der sogenannten "Zeitenwende"
durch die Bundesregierung. So lasse man das Beschaffungsamt zwar Massen an neuem
Großgerät kaufen, doch habe man sich zu wenig um eine belastbare Infrastruktur
und Ersatzteil-Lieferketten für Wartungsfirmen wie die HIL gekümmert.
"Wir werden nicht danach gemessen in unserer Verteidigungsfähigkeit, wie viele
Fahrzeuge wir im Bestand haben, sondern wie viele einsatzfähig sind", sagt der
CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Lehmann, der Mitglied im Verteidigungsausschuss
ist. Er fordert, dass das Thema HIL zur Chefsache im Ministerium gemacht wird.
Das Verteidigungsministerium will sich aus Geheimhaltungsgründen nicht zur
Einsatzbereitschaft der Waffensysteme äußern. Man untersuche bereits, wie die
Instandsetzung auch der vielen neuen militärischen Großgeräte bei der HIL
sichergestellt werden könne.. Die HIL ließ eine Anfrage der Recherchekooperation
unbeantwortet.
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