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Berlin (ots) - Mehr als 150 Organisationen aus Gesundheitswesen, Pflege,
Wohlfahrt und Zivilgesellschaft warnen gemeinsam: Deutschland ist auf
Extremhitze als Krisenlage bislang nicht ausreichend vorbereitet. Sie fordern
daher, Hitzeschutz verbindlich als Bestandteil des Katastrophenschutzes zu
verankern.
Was passiert, wenn wir im Rheintal über 14 Tage Höchsttemperaturen bis zu 44
Grad haben, Rettungsdienste überlastet, Notaufnahmen überfüllt sind? Einzelne
Pflegeheime evakuiert werden müssen? In einem extremen Hitzedom-Szenario (https:
//www.springermedizin.de/hitzewellen/geriatrie-und-gerontologie/hitzedom-in-deut
schland-und-wie-gut-wir-darauf-vorbereitet-sind/51152742) werden in Deutschland
Zehntausende Todesfälle innerhalb weniger Tage als möglich beschrieben. Auf so
ein Szenario ist Deutschland nicht vorbereitet. Unter dem Motto "Gemeinsam
vorsorgen gegen Extremhitze" ruft ein breites Bündnis dazu auf, den
gesundheitsbezogenen Hitzeschutz in Deutschland konsequent und flächendeckend
umzusetzen. Ziel ist es, Hitze systematisch in Krisenvorsorge,
Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz zu integrieren.
Zu den Initiatoren zählen die Bundesärztekammer, die Deutsche Allianz
Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG), die Deutsche Krankenhausgesellschaft,
der Deutsche Pflegerat, der GKV-Spitzenverband, die Klima-Allianz Deutschland
sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Insgesamt haben
sich über 150 Institutionen und Verbände angeschlossen
(https://hitzeaktionstag.de/partner/) .
Mit zunehmender globaler Erwärmung steigen Häufigkeit, Dauer und Intensität von
Hitzeperioden. Das konnte man zuletzt in der extremen Hitzewelle in Europa
beobachten, u.a. in Frankreich - und das Ende Mai, bevor der Sommer offiziell
begonnen hat. Solche stabilen Hochdrucklagen mit sehr hohen Temperaturen ohne
nächtliche Abkühlung sind besonders gefährlich und können zu einer drastischen
Zunahme hitzebedingter Todesfälle führen. Sie stellen ein hohes Risiko für
vulnerable Gruppen dar und belasten zugleich Gesundheitswesen, Pflege, soziale
Einrichtungen und kritische Infrastruktur.
Auch wirtschaftliche Schäden nehmen in solchen Phasen deutlich zu. Für
Deutschland werden in aktuellen Szenarien (https://www.allianz-trade.com/en_glob
al/news-insights/economic-insights/Too_hot_to_grow_economic_costs_extreme_heat.h
tml) hitzebedingte Verluste von rund 112,5 Milliarden Euro i nnerhalb weniger
Jahre erwartet. Um die Dimension zu verdeutlichen: Das entspricht fast dem
Dreifachen der gesamten Schäden der historischen Ahrtal-Flutkatastrophe von 2021
( ca. 40,5 Milliarden Euro
(https://www.prognos.com/en/project/estimation-costs-climate-change-germany) ).
Wer Deutschland krisenresilient machen will, muss Hitze und andere
Extremwetterlagen systematisch mitdenken. Zwar wurden in den vergangenen Jahren
erste wichtige Schritte im Hitzeschutz unternommen. Doch für ausgeprägte,
mehrtägige oder sich überlagernde Extremhitzelagen sind Politik, Verwaltung,
Institutionen und Bevölkerung bislang nicht vorbereitet und die Tragweite der
Ereignisse wird unterschätzt.
Gemeinsam fordert das Bündnis daher:
- Die verbindliche Integration von Extremhitze in Krisenvorsorge und
Katastrophenschutz
- Klare Zuständigkeiten auf allen Ebenen von Bund, Ländern und Kommunen
- Effektive soziale Schutzstrukturen für Risikogruppen
- Eine gezielte Stärkung des Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesens für
Hitzelagen
- Finanzierung von Maßnahmen, zum Schutz von Menschen, Arbeitsabläufen,
Gebäuden, Stadtteilen und Infrastruktur vor extremer Hitze sowie zur Sicherung
ihrer Funktionsfähigkeit bei Hitzewellen
Krisenresilienz bei Extremhitze ist keine ferne Zukunftsaufgabe. Sie ist eine
unmittelbare öffentliche Verantwortung der Gegenwart.
Zum Hitzeaktionstag 2026 erklären
Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer:
"Deutschland ist auf Extremhitze als Krisenlage bislang nicht ausreichend
vorbereitet. Längere und intensivere Hitzeperioden belasten insbesondere ältere,
kranke und pflegebedürftige Menschen und stellen zugleich das Gesundheitswesen
vor große Herausforderungen. Hitzeschutz muss deshalb verbindlich in
Krisenvorsorge und Katastrophenschutz integriert werden. Krankenhäuser,
Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen müssen auch unter Extrembedingungen
leistungsfähig bleiben."
Karsten Schwanke, Dipl.-Meteorologe und Wettermoderator:
(https://www.youtube.com/watch?v=WkHtXWDX7MQ)
"Wir erleben weltweit eine Beschleunigung der Erwärmung. 2024 wurde global das
erste Mal die 1,5-Grad-Marke gerissen, schon in wenigen Jahren werden wir die
2-Grad-Marke überschreiten. Die Folgen für Deutschland: Eine weitere starke
Zunahme von Hitzetagen (über 30 °C) und extremen Hitzetagen (über 35 °C). Die
Häufigkeit und Dauer von Hitzewellen wird zunehmen. Höchsttemperaturen von mehr
als 40 Grad (im Schatten) werden wir immer häufiger erleben - selbst 45 Grad
sind nicht mehr auszuschließen."
Stefanie Drese, Ministerin für Soziales, Gesundheit und Sport in
Mecklenburg-Vorpommern:
"Die Auswirkungen von klimawandelbedingten Extremwetterlagen auf die Gesundheit
sind bislang noch nicht ausreichend im öffentlichen Bewusstsein verankert.
Besonders betroffen sind ältere und pflegebedürftige Menschen, chronisch Kranke,
Schwangere, Kinder, aber auch Beschäftigte, die hohen körperlichen Belastungen
ausgesetzt sind. Vor allem diese Gruppen brauchen unsere Unterstützung für einen
wirksamen Hitzeschutz, etwa durch hitzeresiliente Krankenhäuser und
Pflegeeinrichtungen, präventive Gesundheitskonzepte sowie eine stärkere
Verankerung von Klimawissen in der medizinischen Ausbildung. Wir haben uns in MV
vor einigen Jahren auf den Weg gemacht, um auf hitzebedingte Gesundheitsrisiken
zu reagieren oder diese zumindest zu verringern."
Prof. Dr. Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG:
"Die hohen Temperaturen bereits im Mai zeigen: Krankenhäuser müssen sich auf
längere und intensivere Hitzeperioden einstellen. Hitze ist das größte
klimawandelbedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland und trifft besonders
ältere, kranke und pflegebedürftige Menschen. Viele Häuser haben die im heutigen
Finanzrahmen möglichen Maßnahmen bereits umgesetzt. In Zeiten des
Beitragssatzstabilitätsgesetzes bleibt unklar, wie Hitzeschutz dauerhaft
leistbar sein soll. Hitzeschutz ist Patientenschutz. Dafür brauchen
Krankenhäuser verlässliche Finanzierung."
Dr. Martin Herrmann, Vorsitzender Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit
e.V. (KLUG):
"Deutschland ist auf Extremhitze nicht vorbereitet. Zwar gibt es erste
Schutzmaßnahmen, doch sie sind nicht flächendeckend und verbindlich genug. Das
kostet vielen Menschen das Leben und ist ein enormes wirtschaftliches Risiko.
Während für andere Extremwetterlagen wie Hochwasser und Sturm Krisenstäbe längst
etabliert sind, fehlen verbindliche Strukturen für Hitzeereignisse bis heute.
Das muss sich jetzt ändern."
Aktuelle Informationen rund um den Hitzeaktionstag, geplante Veranstaltungen und
alle diesjährigen Partnerorganisationen finden sich unter
http://www.hitzeaktionstag.de .
Pressekontakt:
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