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Berlin (ots) - Erstmals wurde eine Prüfmethodik für autonome Fahrzeuge unter
realen Verkehrsbedingungen erprobt. Das Forschungsfahrzeug EDGAR der TU München
absolvierte die Fahrt durch Berlin sicher und zuverlässig. Für TÜV-Verband
Präsident Dr. Dirk Stenkamp und Verkehrssenatorin Ute Bonde ist die Überprüfung
der Realfahrt ein wichtiger Meilenstein.
Autonomes Fahren erreicht einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg in den
Regelbetrieb: Erstmals absolvierte ein Fahrzeug eine Prüfungsfahrt unter
Level-4-Bedingungen im Berliner Stadtverkehr. Das Forschungsfahrzeug EDGAR der
Technischen Universität München fuhr autonom vom Bundesministerium für Verkehr
bis zum Berliner Radialsystem. TÜV-Prüferteams testeten dabei erstmals eine neue
Prüfmethodik für autonome Fahrzeuge. Die Ergebnisse der sogenannten Realfahrt
stellten Dr. Dirk Stenkamp, Präsident des TÜV-Verbands, und Ute Bonde, Senatorin
für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt des Landes Berlin, heute im
Rahmen der Mobilitätskonferenz TÜV MobiCon vor.
"Die Berliner Realfahrt zeigt, dass autonomes Fahren auch im komplexen
Stadtverkehr technisch möglich ist", sagte Dr. Dirk Stenkamp, Präsident des
TÜV-Verbands. "Gleichzeitig wird deutlich: Sicherheit autonomer Mobilität
entscheidet sich nicht allein an der Fahrzeugtechnik, sondern daran, wie
zuverlässig ein Fahrzeug seine Umgebung erkennt, Verkehrssituationen
interpretiert und auf unterschiedliche Straßen- und Verkehrsbedingungen
reagiert. Genau das können solche Realfahrten überprüfen."
"Deutschland hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Weichenstellung
vorgenommen", sagt Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und
Umwelt des Landes Berlin. "Mit dem Gesetz zum autonomen Fahren haben wir als
eines der ersten Länder weltweit einen rechtlichen Rahmen für Fahrzeuge der
Automatisierungsstufe 4 geschaffen. Fahrzeuge, die innerhalb definierter
Betriebsbereiche vollständig ohne menschliche Steuerung fahren können, sind kein
Zukunftsszenario mehr. Sie sind Realität, die wir heute regulieren. Das
Pilotprojekt EDGAR, das den Rahmen für diese Konferenz bildet, ist ein
lebendiger Beweis dafür: Hier wird erprobt, wie eine Betriebsbereichsgenehmigung
für autonome Fahrzeuge im realen Verkehr erlangt werden kann. Das benötigen wir,
um in die dringend erforderliche Skalierung gehen zu können."
Bereichsgenehmigung: Fahrzeugkompetenz unter realen Einsatzbedingungen
Die Genehmigung von Level-4-Fahrzeugen erfolgt in Deutschland in zwei Schritten.
Zunächst wird das Fahrzeug technisch geprüft und typgenehmigt. Anschließend muss
der konkrete Betriebsbereich behördlich genehmigt werden. Hierzu bewerten
unabhängige Sachverständige unter anderem im Rahmen von Realfahrten, wie das
Fahrzeug komplexe Fahraufgaben bewältigt und auf reale Verkehrssituationen
reagiert. "Autonome Fahrzeuge müssen nicht nur Verkehrsregeln beherrschen,
sondern auch die Besonderheiten ihres jeweiligen Einsatzgebiets verstehen",
sagte Stenkamp. "Ampelschaltungen, Lichtsignale oder Verkehrsführungen können
von Stadt zu Stadt variieren. Systeme müssen deshalb für ihren konkreten
Einsatzbereich geprüft und bewertet werden." Realfahrten schaffen die Grundlage
für einen sicheren Level-4-Regelbetrieb und liefern wichtige Erkenntnisse für
die Weiterentwicklung autonomer Systeme.
Berliner Realfahrt testet Prüfmethodik für autonome Fahrzeuge
Die Berliner Realfahrt war die erste Prüfungsfahrt eines Fahrzeugs unter
Level-4-Bedingungen in Deutschland. Sie diente nicht der Zulassung des
Forschungsfahrzeugs EDGAR, sondern der Erprobung und Weiterentwicklung einer
unabhängigen Prüfmethodik für autonome Mobilität. Das Fahrzeug absolvierte die
Strecke durch Berlin dreimal. Drei TÜV-Prüferteams begleiteten die Fahrten und
bewerteten das Fahrverhalten unabhängig voneinander auf Grundlage einer neu
entwickelten Methodik. Die dabei betrachteten Fahraufgaben basieren auf dem
Begutachtungsleitfaden, der im Verkehrsblatt veröffentlicht wurde.
Die vorläufigen Ergebnisse fallen positiv aus: Die Realfahrt bestätigte die
Praxistauglichkeit des entwickelten Prüfkonzepts. Die eingesetzte Messtechnik
erwies sich als praxiserprobt und mit vertretbarem Aufwand in Prüfungen
integrierbar. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden eine Grundlage für die
Weiterentwicklung objektiver und harmonisierter Bewertungskriterien für autonome
Fahrzeuge. Damit wurde ein wichtiger Baustein für den sicheren Markthochlauf
autonomer Fahrzeuge geschaffen. Das Forschungsfahrzeug EDGAR bewältigte den
Berliner Stadtverkehr innerhalb des geprüften Betriebsbereichs dabei sicher und
zuverlässig. Für eine reguläre Level-4-Betriebsgenehmigung fehlen dem Fahrzeug
jedoch zentrale Voraussetzungen, insbesondere eine Technische Aufsicht, die das
Fahrzeug im Bedarfsfall überwachen und eingreifen kann.
Autonomes Fahren braucht klare Regeln für KI und Fahrzeugdaten
Die Erkenntnisse der Realfahrt zeigen zugleich, dass die sichere Einführung
autonomer Mobilität nicht allein eine technische Herausforderung ist. Notwendig
sind auch klare regulatorische Rahmenbedingungen für Prüfung, Überwachung und
Genehmigung autonomer Systeme.
Voraussetzung für die unabhängige Prüfung autonomer Fahrzeuge ist ein
umfassender Zugang zu sicherheitsrelevanten Fahrzeugdaten. Prüfstellen und
Behörden müssen diskriminierungsfreien Zugriff auf die Daten autonomer Fahrzeuge
erhalten, um Systeme wirksam bewerten, überwachen und im Betrieb kontrollieren
zu können. Der TÜV-Verband fordert deshalb standardisierte und interoperable
Schnittstellen sowie verbindliche europäische Regelungen.
Darüber hinaus setzt sich der TÜV-Verband für einen europaweit harmonisierten
Rechtsrahmen für autonome Fahrzeuge und lernende KI-Systeme ein. KI in
sicherheitsrelevanten Systemen muss verpflichtend geprüft und zertifiziert
werden - sowohl im Rahmen der Typgenehmigung als auch während des laufenden
Fahrzeugbetriebs. Ergänzend fordert der TÜV-Verband die Einführung einer
digitalen Fahrzeugakte, in der Softwarestände, sicherheitsrelevante Updates und
Prüfdaten über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs dokumentiert werden.
"Deutschland hat das Know-how, die Forschungskompetenz und den regulatorischen
Rahmen, um beim autonomen Fahren international eine führende Rolle einzunehmen",
sagte Stenkamp. "Jetzt liegt es an Herstellern und Haltern, die nächsten
Schritte zu gehen, Fahrzeuge für den Regelbetrieb anzumelden und autonomes
Fahren in die Praxis zu bringen." Gerade weil autonome Fahrzeugtechnologien
international entwickelt und skaliert werden, braucht Europa eigene
Prüfkompetenz, transparente Datenzugänge und einheitliche Anforderungen an KI,
Updates und Betriebssicherheit.
Über den TÜV-Verband: Als TÜV-Verband e.V. vertreten wir die politischen
Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördern den fachlichen Austausch
unserer Mitglieder. Wir setzen uns für die technische und digitale Sicherheit
sowie die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen
ein. Grundlage dafür sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und
qualifizierte Weiterbildung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der technischen
Sicherheit zu wahren, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen und unsere
Lebensgrundlagen zu erhalten. Dafür sind wir im regelmäßigen Austausch mit
Politik, Behörden, Medien, Unternehmen und Verbraucher:innen.
Pressekontakt:
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Pressesprecherin
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