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Berlin (ots) - Eine mögliche Erhöhung der Spirituosensteuer würde Bars, Kneipen
und Clubs in Deutschland in einer ohnehin angespannten Lage zusätzlich belasten.
Das zeigt die neue Studie "Der gesellschaftliche Wert von Bars, Clubs und
Kneipen", die im Auftrag der Cocktail.Kultur.Gesellschaft. von EY-Parthenon
erstellt wurde. Sie macht deutlich: Wenn getränkegeprägte Gastronomiebetriebe
schließen, geht weit mehr verloren als ein Unternehmen. Es verschwinden Orte, an
denen Menschen zusammenkommen, Nachbarschaft entsteht, Vereinsleben stattfindet
und gesellschaftlicher Zusammenhalt im Alltag gelebt wird.
Orte der Begegnung und des Diskurses verschwinden
Die Studie zeigt, dass Bars, Kneipen und Clubs wichtige "Dritte Orte" neben
Zuhause und Arbeitsplatz sind. Sie schaffen niedrigschwellige Räume für
Begegnung, Austausch und Teilhabe und leisten damit einen Beitrag zu
Gemeinschaft, sozialem Vertrauen und lokaler Demokratie. Gerade in Zeiten, in
denen öffentliche Begegnungsräume vielerorts seltener werden, sind sie soziale
Ankerpunkte in Städten, Gemeinden und Quartieren. "Die vorliegende Studie legt
offen, was in der steuerpolitischen Debatte bislang systematisch übersehen wird,
und macht deutlich, wie unverzichtbar Bars und Clubs für das soziale Miteinander
in Deutschland sind", kommentiert Dr. Marcel Klinge, Vorstandssprecher,
Denkfabrik Zukunft der Gastwelt, die Studienergebnisse. Auch politisch findet
diese Bedeutung zunehmend Anerkennung. So hat sich die neue Regierungskoalition
aus CDU und SPD in Rheinland-Pfalz vorgenommen, ein "Dorfkneipenprogramm" auf
den Weg zu bringen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und Orte
der Begegnung zu erhalten.
Arbeitsplätze und Betriebe unter zusätzlichem Druck
Gleichzeitig ist die Getränkegastronomie ein relevanter Wirtschaftsfaktor in
Deutschland: Im Jahr 2024 erzielte die Branche über 9,6 Milliarden Euro Umsatz.
Bundesweit gibt es mehr als 32.400 Betriebe, in denen rund 225.000 Menschen
beschäftigt sind. Zwischen 44 und 51 Prozent der Bevölkerung besuchen regelmäßig
Gastronomiebetriebe zum Zweck des Getränkekonsums. Die Branche steht jedoch
massiv unter Druck. Steigende Personal-, Energie- und Mietkosten und rückläufige
Besucherfrequenzen belasten viele Betriebe. Die Zahl der getränkegeprägten
Gastronomiebetriebe sank von 40.794 im Jahr 2015 auf 32.610 im Jahr 2024, was
einem Rückgang von ca. 20 Prozent entspricht. Zugleich steigen die Insolvenzen
seit 2023 wieder deutlich an. "Die Studie liefert das, was wir als DBU seit
Jahren fordern: belastbare Zahlen, klare Fakten und eine fundierte Grundlage für
eine sachliche, konstruktive Debatte über die Zukunft der Barbranche in
Deutschland", kommentiert Maren Meyer, Vorstandsvorsitzende, Deutsche
Barkeeper-Union e.V., die Ergebnisse der Studie.
Neue Perspektive auf die Debatte um Steuererhöhungen
Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass Steuerpolitik nicht allein
fiskalisch gedacht werden darf. Wer Bars, Kneipen und Clubs zusätzlich belastet,
trifft Orte, die für Begegnung, Vertrauen und gesellschaftlichen Austausch
unverzichtbar sind. Dass solche Schließungen auch unbeabsichtigte
gesellschaftliche Folgen haben, zeigt eine aktuelle Studie von Hugo Subtil
(Universität Zürich, Cepremap): In Frankreich verschwanden in zwanzig Jahren
18.000 Bars. Das betrifft vor allem Regionen, die heute Hochburgen
populistischer Parteien sind.[1] Parallelen zu Deutschland sind hier durchaus
erkennbar. Gerade dort, wo soziale Räume ohnehin weniger werden, kann der
Verlust getränkegeprägter Gastronomie weit über wirtschaftliche Schäden
hinausgehen und den Zusammenhalt vor Ort spürbar schwächen. Hinzu kommt ein
steuerpolitischer Widerspruch: Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der
Gastronomie war richtig - eine gleichzeitige Erhöhung der Spirituosensteuer wäre
das genaue Gegenteil einer kohärenten Steuerpolitik.
Eine zusätzliche Belastung würde daher die beschriebene Lage weiter verschärfen.
Wo höhere Kosten nicht vollständig aufgefangen oder weitergegeben werden können,
gerät die wirtschaftliche Tragfähigkeit unter Druck. Eine Steuererhöhung wäre
also keine abstrakte Mehrbelastung, sondern kann für Betriebe zur konkreten
Existenzfrage werden.
Hier (http://heyzine.com/flip-book/780d156cd4.html) finden Sie die gesamte
Studie als E-Broschüre.
Zur Studie
Die Studie "Der gesellschaftliche Wert von Bars, Clubs und Kneipen - Kurzanalyse
der sozialen und volkswirtschaftlichen Bedeutung der Getränkegastronomie in
Deutschland" wurde von EY-Parthenon im Auftrag der Cocktail.Kultur.Gesellschaft.
erstellt. Die Autoren sind Dr. Ferdinand Pavel und Dr. Veit Böckers. Die Analyse
basiert auf amtlichen Statistiken, wissenschaftlicher Literatur, Branchendaten
sowie einer ergänzenden Befragung von Gastronomiebetrieben durch die
Cocktail.Kultur.Gesellschaft.
Über die Cocktail.Kultur.Gesellschaft.
Bei der Initiative Cocktail.Kultur.Gesellschaft. handelt es sich um einen
Zusammenschluss von Unternehmen und Organisationen, die die lebendige und
kreative Cocktailkultur in Deutschland repräsentieren und mitgestalten wollen.
Ihr Ziel ist, den gemeinsamen Interessen der deutschen Cocktailkultur ein Forum
zu eröffnen und in den aktiven Dialog einzutreten. Gemeinsam wollen sie die
Entwicklung eines genussvollen, verantwortungsvollen Konsums unterstützen und zu
einem offenen, transparenten und fairen Dialog über seine gegenwärtige und
zukünftige Bedeutung beitragen.
Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Webseite:
http://www.cocktail-kultur.de
[1] siehe Cabras und Reggiani (2010, S.955-957) sowie Cabras und Mount (2017,
S.72) für Großbritannien und Subtil (2026, S.3) für Frankreich.
Pressekontakt:
Initiative Cocktail.Kultur.Gesellschaft.
Kampagnenbüro @ MSLGROUP Germany GmbH
Leibnizstraße 65
10629 Berlin
Tel: +49 30 82 08 25 43
E-Mail: mailto:cocktail-kultur@mslgroup.com
Website: http://www.cocktail-kultur.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/173882/6293130
OTS: Cocktail.Kultur.Gesellschaft.
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